Agenda 12/16

Am 29.03.2016 von Haruki

The Internet of Grapes

6,4 Milliarden Dinge sollen 2016 über Sensoren mit dem Internet verbunden sein, das zumindest sagt das Marktforschungsunternehmen Gantner. Bis 2020 sollen es schon 21 Milliarden sein. Gut die Hälfte der vernetzten Geräte werden im privaten Konsumentenbereich genutzt werden, der Rest wird in der Wirtschaft eingesetzt werden. Dazu gehört auch die Landwirtschaft und der sensible Bereich des Weinbaus. Mussten sich Winzer bei der Pflege ihrer Weinstöcke früher vor allem auf ihre Augen, ihr Gefühl und ihre Erfahrung verlassen, helfen ihnen heute Sensoren und Netzwerktechnik bei ihrer Arbeit. Auf dem Stand von Intel auf der CeBIT in Hannover, die vom 14. bis 18. März 2016 stattfand, waren deshalb dieses Jahr nicht nur Computerexperten zu finden, sondern auch der Weinbauer Reinhold Haart aus der Pfalz, der seit letzten Sommer drei Parzellen seines Weinbaugebietes testweise vernetzt hat. TracoVino heißt das Produkt dafür, dessen Hard- und Software von Intel und dem fränkischen Unternehmen Myomega stammt.

 

Quelle: http://bit.ly/1Rkk9cf

 

In der Erde seiner Weinberge stecken Sensoren, die über Funk zum Beispiel Daten über Feuchtigkeit und Temperatur des Bodens, Sonneneinstrahlung, Niederschlag und Luftfeuchtigkeit an eine Basisstation senden. Von dort aus werden sie gebündelt auf das Tablet des Weinbauern geschickt wo ein Analyseprogramm die Daten auswertet und daraufhin Alerts, Reporte und Vorhersagen ausgibt. Dadurch bekommt der Winzer Hinweise, wann es an der Zeit ist einzugreifen, zum Beispiel einen Rebschnitt oder Maßnahmen gegen einen möglichen Pilzbefall durchzuführen oder die Ernte zu planen. So hat der Winzer auch von unterwegs einen Blick auf seine Weinstöcke und kann im Ernstfall seinen Mitarbeitern vor Ort Anweisungen geben. Die Technik soll so durch Arbeitszeit- und Ressourceneinsparungen nicht nur das Bewirtschaftungsmanagement optimieren, sondern auch die Qualität des Weins verbessern.

 

 

Bisher sind die drei vernetzten Parzellen von Weinbauer Haart ein Testlauf. Ob der Winzer sein restliches Anbaugebiet ebenfalls mit Sensoren ausstattet, hänge davon ab, wie teuer die Technik sein werde. Denn bisher steht der Preis noch nicht endgültig fest. In jedem Fall zeigt das Beispiel TracoVino, was das Internet der Dinge alles möglich macht und wie sich die Vernetzung in immer mehr Bereiche der Wirtschaft ausbreitet. Die Frage, die sich dabei stellt ist, ob die Sensoren mit einem ausgeklügeltem Algorithmus letztlich auch die menschliche Entscheidung übernehmen können und werden. Wenn dem so sein sollte, dann werden in Zukunft nur noch ausführende Tätigkeiten erforderlich sein, was zwar die Produktion erleichtert und auch die Qualitäten vergleichbarer macht. Dieses Szenario stellt für viele Bereiche in der Landwirtschaft ein durchaus gutes betriebswirtschaftliches Szenario dar, was sich auch mit Kosten-Nutzen Rechnungen leicht darstellen lässt. Es kann auch dazu beitragen, unrentable Flächen und Betriebe rentabel zu machen oder auch ganzen Regionen und Ländern helfen, ihr Know-how und auch ihre Erträge zu steigern. Aber gerade bei dem Thema Wein wird es schwer sein, einen Algorithmus für die beste Qualität zu finden. Denn kaum ein anderes landwirtschaftliches Produkt ist so facettenreich wie der Wein. Hier hat jeder Winzer die Möglichkeit, seinen eigenen Geschmack zu prägen. So wird der Fachmann mit seiner jahrelangen Erfahrung, nicht zu ersetzen sein, aber die Qualität und Effizienz seiner Arbeit kann durch die Technik enorm gesteigert werden und ihm so das Leben leichter machen. Und vielleicht gibt ihm die Technik auch die Chance, etwas Neues auszuprobieren, indem er den Erfolg von unterschiedlichen Behandlungen nun am Ertrag und der Qualität eines jeden Rebstocks messen kann.

 

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