Agenda 9/16

Am 02.03.2016 von Haruki

Smart City: Der “Link” zwischen Online und Offline

Die Idee der vernetzten Stadt scheint sich langsam von konzeptioneller Utopie in Richtung konkreter Realisierung zu bewegen. New York City gilt hierbei als Vorreiter, weitere Metropolen wie Rio de Janeiro, Singapore, Lissabon oder London möchten es ihr in den nächsten Jahren nachmachen. “Smart“ wollen sie werden – sich zu urbanen Lebensräumen wandeln, welche mithilfe von Smartphones, Sensoren und anderen technischen Spielereien ein sich selbst regulierendes vernetztes Ganzes bilden wollen. Auf diese Weise sollen dann etwa sowohl der Energiehaushalt, der Verkehr und die Abfallentsorgung auch das Gesundheitswesen in der Stadt effizienter und umweltschonender organisiert und gemanaged werden.

 

linknyc-sidebar-hed-2016 2New York ist nun gerade im Begriff, einen weiteren großen Entwicklungsschritt in Richtung smarte Stadt zu machen. War das Stadtbild von New York im letzten Jahrhundert unter anderem durch ausgesprochen viele Telefonzellen gekennzeichnet, wird wohl in Zukunft eine Art digitaler Kiosk das Straßenbild in New York prägen. Die wie gigantische Smartphones anmutenden Kiosks hören auf den Namen “LinkNYC“ und sollen Passanten mit frei verfügbarem WLan in rasanter Gigabite-Geschwindigkeit versorgen. Auf diese Weise kann jeder New Yorker rund um die Uhr online sein und bleibt als Rechengröße für die smarte Stadt kontinuierlich sichtbar. Die “Links“ sollen über ein Display verfügen, welches Nutzern nicht nur erlauben soll, Infos über New York wie z.B. Stadtpläne, Sehenswürdigkeiten, usw. einzuholen, sondern auch Videokonferenzen abzuhalten oder das eigene Smartphone mit Strom aufzuladen. Vor allem sollen die Displays aber als Werbefläche dienen. Schon jetzt rotieren dort Anzeigen von “Poland Spring“, “MillerCoors“ und “Pager“. Denn hinter den “Links“ steht nicht allein die edle Idee des freien Internets für alle. Die voraussichtlich bis zu 10.000 “Links“ möchten gemeinsam das größte digitale OOH-Netzwerk der Welt bilden, ein Werbenetzwerk, welches perspektivisch das Problem von Streuverlusten des klassischen OOH-Segments beseitigen möchte. Denn sobald erst einmal genügend Unternehmen die Displays als Werbeflächen angemietet haben und ausreichend Nutzerdaten gesammelt wurden, ergeben sich ganz neue Möglichkeiten für die Vermarktung von Werbeflächen. Statt digitale Werbeflächen vier Monate im Voraus buchen zu müssen, können diese in Zukunft auch für einzelne Tage oder gar Tageszeiten buchbar sein. Als Vision sehen die Hersteller bereits jetzt die Idee personalisierter OOH-Werbung– eine Art Realtime-Bidding für die Einkaufsstraße.

 

Die “Links“ schaffen aber nicht nur ganz neue Möglichkeiten in Bezug auf die Vermarktung von Werbeflächen, sie bilden gleichzeitig auch eine Bühne, um Werbebotschaften interaktiver und kreativer zu gestalten. Denn die “Links“ können auf eine Vielzahl von Userdaten zugreifen und so ganz neuartige werbliche Markenerlebnisse schaffen. Zwar ist nicht genau bekannt, wie und welche Daten die “Links“ über einen Nutzer trackt, laut Aussage der Hersteller soll aber die Anonymität trotz allem gewahrt bleiben. Bekannt ist bereits, dass die Kiosks sowohl demografische Daten und Verhaltensdaten (z.B. Laufrouten) wie auch Informationen aus anderen Apps abgerufen können.

Die Kampagne “Sounds of the Streets” von “MillerCoors“ kann beispielsweise aus dem Datenpool von Shazam schöpfen und stellt jedem Nutzer eine Liste der am häufigsten gesuchten Songs in der Umgebung zusammen. Sicherlich nur ein kleiner Vorgeschmack dafür, wie die Nutzerdaten in Zukunft kommunikativ im OOH-Kontext genutzt werden können. Denn die neue Technologie erlaubt es, die digitale Customer Journey in die analoge Welt auszuweiten. Online und Offline sind nicht länger getrennte Modalitäten, sondern verschwimmen mehr und mehr zu einer Experience. Das verursacht vielleicht ein mulmiges Gefühl. Doch in einer smarten Welt zu leben bedeutet: ständig online, ständig vernetzt sein.

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