Agenda 5/16

Am 05.02.2016 von Haruki

 Von online zu offline: Amazon plant Buchhandelskette

Ganz zufällig wurde am Dienstag bekannt, dass Amazon offenbar plant, eine ganze Kette von physischen Buchläden eröffnen zu wollen. Der Betreiber von amerikanischen Einkaufszentren, Sandeep Mathrani, erwähnte Amazons Pläne während einer Telefonkonferenz mit Analysten. Mehr Details, als dass es wohl 300 bis 400 Läden sein sollen, sind allerdings nicht bekannt. Bisher ist diese Meldung von Amazon nicht bestätigt, aber sie scheint glaubhaft und plausibel: Schon vor Jahren ließ der Firmengründer Jeff Bezos verlauten, dass er sich vorstellen könne, in den physischen Handeln einzusteigen. Im November vergangenen Jahres, nach einigen Pop-up-Store-Versuchen eröffnete schließlich auch der erste Laden in Seattle, wo Amazon seinen Hauptsitz hat. Ein erster physischer Pick-up Point, wo Kunden ihre online bestellten Produkte selbst abholen können, wurde bereits einige Monate zuvor eröffnet.

 

Bildschirmfoto 2016-02-03 um 16.51.11

Quelle: http://amzn.to/1nN41bK

 

All diese „Offline-Bestrebungen“ von Amazon haben schon etwas Paradoxes. Schließlich ist Amazons Online-Geschäft mitverantwortlich, dass vielerorts zahlreiche traditionelle Buchläden schließen mussten. Mit den Kostenvorteilen des Online-Anbieters konnten sie nicht mithalten. Warum will Amazon also nun selbst physische Läden eröffnen und warum sollten sie ein Erfolg werden? Zum einen werden immer noch sehr viele Bücher in gedruckter Form verkauft, sei es nun online oder stationär. Amazon möchte seinen Kunden mit der Eröffnung von physischen Läden vermutlich neben der Wahl zwischen digitalem und gedrucktem Content nun auch die Wahl zwischen online und stationärem Einkauf geben und so all jene als Kunden gewinnen, die den Einkauf im Laden bevorzugen.

Zum anderen verfügt Amazon dank seines Online-Retails über ein enormes Kundenwissen: Getätigte Bestellungen, Rückgaben, Wunschlisten, Vorbestellungen oder Bewertungen verraten nicht nur viel über Vorlieben, Bedürfnisse und Kaufverhalten. Auch Rückschlüsse darauf, welche noch nicht veröffentlichten Bücher erfolgreich sein könnten und welche nicht, lassen sich daraus ableiten. Das Sortiment der stationären Läden kann so optimal zusammengestellt werden. Über solch einen Datenschatz verfügen traditionelle Büchergeschäfte nicht. Auch logistisch ist Amazon bestens aufgestellt. Derzeit wird außerdem an einem eigenen Zustellservice gearbeitet, für noch schnellere Auslieferungen. Hinzukommt, dass Amazon im stationären Geschäft, zumindest ist das bisher in Seattle so, seine Produkte zu den gleichen Preisen anbietet wie im Online-Store. Den Preisvorteil den Amazon online hat, überträgt sich somit in die Amazon Books Stores. Ein weiterer Vorteil, der Amazon von den herkömmlichen Buchläden abhebt.

 

Dennoch bleibt für traditionelle Buchläden ein wichtiger Wettbewerbsvorteil. Dieser liegt in der Spezialisierung auf bestimmte Sortimente. Sie können darüber den Kunden eine Sortimentsauswahl bieten, die nicht aus der Masse heraus generiert wird, sondern vom Betreiber des Ladens zusammengestellt wird und genau deshalb von einem bestimmten Kundenkreis geschätzt wird. Dafür ist es natürlich für den Betreiber wichtig, seine Kunden und deren Vorlieben im jeweiligen Gebiet zu kennen. So kann die Abgrenzung über das Sortiment, gekoppelt mit guter persönlicher Beratung zum wichtigsten Abgrenzungsmerkmal gegenüber den Amazon Book Stores werden. Es bleibt spannend zu beobachten, welchen Erfolg Amazon im physischen Retail haben wird und wie sich der stationäre Buchhandel insgesamt entwickeln wird.

Artikel kommentieren

Ähnliche Beiträge