Agenda 4/16

Am 29.01.2016 von Haruki

Wohin entwickeln sich die Themen Robotik & künstliche Intelligenz? Ein Jahresrückblick auf 2015

Die letzten Tage eines Jahres sind auch immer die, an denen man sich besinnt und einen Rückblick auf das vergangene Jahr wagt – so auch geschehen bei dem online Techmagazin „MIT Technology Review“. In einem Beitrag wird Bilanz über die Entwicklungen und Errungenschaften gezogen, die uns im Jahr 2015 in den Bereichen Robotik und künstliche Intelligenz begegnet sind. Wir möchten einige spannende Entwicklungen aus 2015, die in dem Hype um selbstfahrende Autos vielleicht etwas untergegangen sind, noch einmal vorstellen.

 

Zusammenfassend lässt sich sicherlich sagen, dass auch im Jahre 2015 die Robotik den Menschen als das orthologische Vorbild genommen hat. Die Forschung strebt noch immer danach, Roboter als Abbild menschlicher Fähigkeiten in Wahrnehmung, Denken und Handeln zu kreieren, um sie  in die Lage zu versetzen, sich selbstständiger und effizienter in unserer komplexen Welt zurecht finden zu können. So bilden algorithmische Rechenoperationen zur Mustererkennung nicht nur Repräsentationen menschlichen Denkens ab, auch die physischen Handlungen, die Roboter zu leisten im Stande sind, werden immer ausgefeilter, was vor allem durch die zunehmende Orientierung an menschlicher Physiologie möglich wird.

 

Deutlich wurde dies beispielsweise im Juni auf der „DARPA Challenge“ in Californien. Die dort antretenden Roboter sollten ihre Tauglichkeit für den Einsatz bei Reaktorunfällen, wie beispielweise in Fukushima, unter Beweis stellen. Die simulierte Aufgabe: Ein Nuklearreaktor, der giftiges, radioaktives Material verliert, soll stabilisiert werden. Auch wenn die dort angetretenen Roboter nur teilautonom agierten und noch auf menschliche Hilfe angewiesen waren, so demonstrierten sie doch recht eindrucksvoll, welchen technischen Sprung den Entwicklern in Bezug auf die Fähigkeit des zweibeinigen Gehens und des Gleichgewichthaltens gelungen ist. Der Gleichgewichtssinn bildet eine wichtige motorische Voraussetzung, um zahlreiche Alltagsaufgaben auszuführen. Technologischer Fortschritt in diesem Bereich erlaubt es somit Robotern, Aufgaben adaptiver auszuführen und nicht mehr auf eine Reihe vordefinierter spezifischer Handlungen beschränkt zu sein, was z.B. auch neue Anwendungskontexte für den Pflegebereich eröffnet.

 

Aber nicht nur die Motorik von Robotern hat im Jahr 2015 einen Schritt nach vorne machen können, auch ihre Denkfähigkeit wurde um eine wertvolle Qualität erweitert. Die Fähigkeit, Wissen und Erfahrungen auszutauschen und miteinander zu vernetzen, gilt für uns Menschen als eine zwingende Komponente zur Entwicklung von Kultur und Zivilisation. Forschern der Cornell University ist es gelungen, das Prinzip des „Voneinander-Lernens“ auf den Bereich der Robotik anzuwenden. Sie haben eine digitale Plattform geschaffen, mit deren Hilfe sie ihre Lernerfahrungen miteinander teilen und füreinander nutzbar machen können. Über ein Onlinespiel wurden freiwillige Personen dazu aufgefordert, einem Roboter über Sprachbefehle die Bearbeitung unterschiedlicher kleiner Aufgaben beizubringen. Ihre Befehle wurden über einen Maschine-Learning-Algorithmus verarbeitet und erlaubten dem Roboter, die Aufgaben anschließend eigenständig auszuführen. Die gesammelten Erfahrungen werden an einen zentralen Speicher, den „RoboBrain“ geleitet, wo sie von anderen Robotern abgerufen werden können. Diese wiederum verwenden die geteilten Erfahrungen, um die Aufgaben in einem anderen Setting auszuführen, und teilen ihr neu gesammeltes Wissen anschließend erneut mit dem gesamten A.I.-Kollektiv.

 

Der exklusive Blick in das Innere eines der Amazon Logistikzentren in New Jersey demonstrierte dieses Jahr dann auch, wie stark Roboter bereits zum kollektiven Arbeiten im Stande sind. Dies jedoch nicht nur untereinander, sondern v.a. in Kooperation mit menschlichen „Kollegen“. Menschen und Roboter arbeiten dort gemeinsam als Teile eines sorgfältig orchestrierten Produktionssystems. So befördern die Roboter beispielsweise einzelne Regale mit Waren direkt zum menschlichen Mitarbeiter, der als Packer dann die Sendung versandfertig machen kann.

 

Vielleicht ist das Amazon Logistikzentrum bereits ein kleiner Vorgeschmack darauf, wie Mensch und Maschine in Zukunft in einer symbiotischen Beziehung in Beruf und Privat nebeneinander existieren können. Denn auch wenn die Angst groß ist, Maschinen könnten menschliche Arbeit perspektivisch obsolet machen, so erlaubt der Rückblick auf das Jahr 2015 die Feststellung, dass zur Zeit jede Form künstlicher Intelligenz noch mehr auf menschliche Hilfe angewiesen ist als umgekehrt. Ein spannendes Beispiel hierzu lieferte uns jüngst Facebook mit dem virtuellen und exklusiven Assistenzservice “M”. Anders als Siri und Co. setzt Facebooks “M” (noch) auf echte Mitarbeiter, die auf die Fragen der auf wenige Hundert Personen beschränkten Nutzerbase antworten. Der gesamte Service verfolgt dabei nur das Ziel, Algorithmen mit genügend Daten zu füttern, damit eines Tages auch Facebook einen vollkommen automatisierten Sprachdienst anbieten kann. Aber bis dahin hat die Maschine noch viel vom Menschen zu lernen.

 

 

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