Agenda 4/16

Am 29.01.2016 von Haruki

Es hört auf den Namen “Kasita”. Wird unser Zuhause ebenso mobil und smart wie wir?

In immer mehr Städten auf der Welt wird Wohnraum zusehends knapper und teurer. Gleichzeitig gibt es mehr und mehr Bewegung im urbanen Raum: Ebenso wie, oder eben weil, Jobs in der heutigen Gesellschaft häufiger gewechselt werden, ziehen Menschen auch häufiger um. Was bereits in Hamburg, München oder Stockholm eine Herausforderung ist, gestaltet sich in Städten wie New York, Los Angeles oder Tokio noch viel schwieriger: bezahlbaren Wohnraum in zentraler Lage finden.

Das Startup Kasita (abgeleitet von spanisch casita = kleines Zuhause) aus Austin, Texas möchte diesem Dilemma entgegenwirken und hat transportable Wohnmodule entwickelt, die maximale Mobilität versprechen: Die containerartigen Module aus Stahl und Glas können gemietet oder erworben werden, sind etwa 3 Meter hoch und 6 Meter lang und können in eine Art modulares Regalkonstrukt eingefügt oder herausgenommen werden. Sechs bis neun solcher Einheiten sollen dort Platz finden und so ein Gebäude formieren. Dort werden sie an Wasser, Abwasser und Strom angeschlossen und sind sofort bewohnbar. Wenn also genug solcher „Regale“ in verschiedenen Städten gebaut werden, wird es für die Mieter oder Eigentümer der Module vergleichsweise leicht sein, ihr Zuhause bei einem Umzug mit in die nächste Stadt zu nehmen. Der Umzug soll ganz einfach per App organisierbar sein.

 

Im Laufe dieses Jahres sollen die ersten Kuben in Austin bezugsfertig sein. Die Miete soll dort voraussichtlich rund 600 Dollar kosten, über den Kaufpreis gibt es noch keine Informationen. Zehn weitere Städte sollen folgen, darunter auch Stockholm, als bisher einzige europäische Stadt.

 

 

Die Idee des Microhousings ist nicht neu. In mehreren Städten auf der Welt, häufig in Entwicklungs- oder Schwellenländern wie Indien aber auch in den Niederlanden oder den USA, wird mit Containern als Wohnraum oder anderen Microhousing-Projekten experimentiert. Kasita unterscheidet sich jedoch darin, dass die Module sehr mobil sind und für den innerstädtischen Bereich entwickelt wurden, nicht wie viele bisherige Lösungen für Randbezirke. Außerdem bieten sie ausgestattet mit smarter Technik, hochwertigen Materialien und ausgeklügelter Innenarchitektur ein für diese Fläche mögliches Maximum an Komfort, Funktion und Design.

 

Trotzdem bleiben Zweifel an der Rentabilität des Geschäftsmodells. Denn zwar ist Mitnehmen des Kubus logistisch einfach möglich, sofern in der gewünschten Stadt ein dazugehöriges „Regalsystem“ vorhanden ist, und auch die Miete soll vergleichsweise günstig ausfallen. Dafür hat das Unternehmen zunächst hohe Investitonskosten, denn gerade der zentral gelegene Grund und Boden ist die größte Investitionssumme. Und solche Konzepte sind eben auch nur an solchen Standorten attraktiv, an denen zentraler Wohnraum knapp ist. Und es wird Regelsysteme geben, die immer ausgebucht sind und andere wiederum, die Probleme mit der Auslastung haben werden. Und was passiert mit den Containern, für die am gewünschten Standort keine Plätze frei sind und am alten Standort nicht mehr gebraucht werden. Für den Kunden kommen dann noch die Krankosten für das ein- und ausheben und für den Transport hinzu. Diese dürften die Kosten eines herkömmlichen Umzugs deutlich überschreiten. Dennoch ist es ein interessantes Konzept, dass wahrscheinlich eher über den Community-Gedanken, als über die reine Praktikabilität funktionieren wird. Denn Dreh- und Angelpunkt wird die Verfügbarkeit von Containerplätzen an zentralen Standorten sein. Und hier sind die Regelsysteme wahrscheinlich ein zu starres und geschlossenes System. Zur Befriedigung der Nachfrage müssten sich Anbieter und Nachfrager zusammentun. Uns so könnte eine Community á la airbnb funktionieren, in der Kasita die Hardware (Container) für die Nachfrager schafft, die Anbieter mit der passenden Infrastruktur (Anschlüsse) ausstattet und Angebot und Nachfrage über die Plattform steuert. Wir bleiben gespannt und freuen uns auf weitere Konzepte zur Befriedigung des steigenden Mobilitätsbedarfs.

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