Agenda 45/15

Am 02.11.2015 von Haruki

Lufthansa: Sobooks wird zur Plattform für beflügelnde Bücher

Auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse hat die digitale Buchplattform Sobooks zusammen mit der Lufthansa eine neue, gemeinsame E-Book-Plattform für Lufthansa-Kunden vorgestellt. Nicht weniger als „eine Weltneuheit der Buchwirtschaft“ versprach die Einladung zur Pressekonferenz. Über die Plattform können Fluggäste künftig über das Flugzeug-WLAN und das Lufthansa-Portal FlyNet die bei Sobooks angebotenen E-Books direkt im Browser probelesen und kaufen.

 

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So soll das FlyNet-Portal von Lufthansa mit der Integration von Sobooks aussehen. Quelle: http://bit.ly/1M1U6at

 

E-Books an Board lesen ist an sich keine Neuheit. Wer häufig fliegt, sieht sich zunehmend umringt von Tablets und E-Readern. Was aber tatsächlich neu ist, ist die integrierte Bord-Schnittstelle. Mit deren Hilfe weiß die Software, auf welchem Flug sich der Nutzer befindet, wie lang die Reisezeit sein wird und was sein Ziel. So kann sie ihm, neben allen anderen E-Books auf der Plattform, auch personalisierte Buchvorschläge anbieten: Romane für den Strandurlaub, Reiseführer für den bevorstehenden Städte-Trip oder eine innerhalb der Reisezeit zu bewältigende Kurzgeschichte. Bezahlen können die Kunden entweder direkt mit ihren Bonusmeilen oder klassisch per Electronic Cash. Der Launch soll jetzt Anfang November 2015 sein und sukzessive zunächst für alle Langstreckenflotten erfolgen. Die ursprünglichen Social-Reading-Funktionen von Sobooks, wie zum Beispiel die Möglichkeit mit anderen Lesern online diskutieren und Passagen aus Büchern über soziale Netzwerke zu teilen, sind auch bei der gemeinsam mit der Lufthansa konzipierten Plattform möglich.

 

Laut Sascha Lobo, einem der Gründer von Sobooks, soll die Plattform die „digitale Entsprechung der Flughafenbuchhandlung werden.“ Er hält den eigenen Ansatz für zukunftsweisend und erfolgversprechend: Die Lufthansa-Gruppe transportiert jährlich 110 Millionen Fluggäste von denen sich ca. 30 Prozent pro Flug über ein mobiles Endgerät in das Flugzeug-WLAN einloggen. Das ist ein enormes Potential, das noch wachsen könnten, wenn die Lufthansa sich entschließen sollte, auch die Kosten für das On-board WLAN zu senken. Im Moment zahlt der Fluggast noch stolze 9 Euro pro Stunde. Aus der Perspektive von Sobooks ist es ein wenig so, als würde die Flughafenbuchhandlung Eintritt für die eigene Fläche verlangen. Andere Airlines wie Norwegian oder Turkish Airlines stellen ihren Gästen auf allen Flügen kostenfreies Internet zur Verfügung stellen. Wenn die Kooperation mit Sobooks relevante Umsätze generiert, könnte das die Lufthansa dazu bewegen, die Verfügbarmachung eigener Services höher einzuschätzen, als die Zurverfügungsstellung von Infrastruktur.

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