Agenda 40/15

Am 29.09.2015 von Haruki

Wie sich die Mobilitätsapp “Citymapper” aus der Abhängigkeit von Open Data löst

Übergreifende Mobilitätsapps, die dem Nutzer verschiedene Möglichkeiten aufzeigen, um von A nach B zu kommen, gibt es mittlerweile eine ganze Reihe: Google Maps, Moovel, Moovit, Ally, und Citymapper sind nur einige Beispiele. Zu einem Großteil hängen die Qualität der Apps und die Expansionsmöglichkeiten der Anbieter natürlich von der Kooperation und dem Zugang zu den Daten der Verkehrsanbieter ab. Klar – denn wenn eine Mobilitätsapp den Nutzer in Echtzeit durch Hamburg navigieren will, aber keine live Verkehrsdaten der Stadt hat, wird es schwierig. Zwar machen bereits viele Verkehrsanbieter und auch Städte und Kommunen ihre Verkehrsdaten für Entwickler öffentlich zugänglich, doch bei weitem nicht alle. Und selbst wenn, reicht die Detailtiefe der zur Verfügung gestellten Verkehrsdaten für eine verlässliche Routenplanung oft nicht aus. Da kann der Algorithmus für die Routenplanung noch so ausgefeilt und das Experience Design noch so umwerfend sein – kann die App ihr Versprechen für nahtlose und problemlose Verkehrsplanung nicht einlösen, werden sie die Nutzer nicht mehr verwenden.

 

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Der Anbieter Citymapper bekam die Problematik mit den unzureichenden Verkehrsdaten zu spüren und arbeitete deshalb an Möglichkeiten, eigene Daten zu generieren und sich so aus der Abhängigkeit von Open Data zu lösen.  Dafür bezieht der Dienst vor allem die Community mit ein und entwickelte eine Reihe von Software-Tools zur Erfassung aller relevanten Verkehrsdaten. Laut Azmat Yusuf, dem CEO von Citymapper, orientierte sich das Unternehmen dabei einerseits an der Plattform OpenStreetMap, bei der jeder freiwillig an der Erstellung einer freien Weltkarte mitarbeiten kann; und andererseits an dem Computerspiel SimCity, bei dem die Nutzer die Entwicklung einer Stadt simulieren. Ein Beispiel, das illustrieren kann, wie Citymapper mit Crowd Sourcing Mechaniken arbeitet, ist Mexico City: Dort gibt es zwar auch öffentlichen Nahverkehr, doch eine weit größere und wichtigere Rolle im Verkehrsnetz spielen die sogenannten Peseros, privatgeführte kleine Busunternehmen, die es in großer Zahl gibt. Aber gerade wegen der großen Anbieterzahl und der vielen unterschiedlichen, individuellen Routen, die genutzt werden, gibt es keine vollständige Auflistung aller Anbieter und Fahrpläne. Mit einem speziell für diese Umgebung entwickelten Softwaretool gelang es Citymapper – mit der Hilfe von Einheimischen und der Anbieter selbst – einen Großteil der Routen zu dokumentieren und in die App zu integrieren.

 

In ähnlicher Weise geht Citymapper nun in Istanbul vor, das bald in die App integriert werden soll: Für Istanbul stehen Citymapper gar keine offenen Verkehrsdaten zur Verfügung, weshalb das Unternehmen die Daten für das gesamte Verkehrsnetz selbst, bzw. mithilfe von Crowd Sourcing Tools generieren möchte: Über eine Datenmanagement-Software können sich sowohl die Stadtverwaltung und andere öffentliche Einrichtungen, als auch Verkehrsanbieter und Einzelpersonen daran beteiligen, alle relevanten Daten, statische wie dynamische, zu sammeln: beispielsweise Fahrpläne, Abfahrtszeiten und aktuelle Änderungen und Störungen. So hilft Citymapper nicht sich selbst und seinen Nutzern, sondern natürlich auch den Städten und Verkehrsanbietern, die darüber zu einer strukturierten und, nicht nur für Entwickler, wertvollen Datenbank gelangen.

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