Agenda 37/15

Am 08.09.2015 von Haruki

Ein Blick auf die IFA 2015 – von der Unterhaltungs- zur Gesundheitsmesse

Noch bis morgen läuft die Internationale Funkausstellung IFA in Berlin. Einst war die Messe vor allem für Neuheiten aus der Unterhaltungselektronik bekannt. Doch der Fokus hat sich längt verschoben, hin zu Produkten aus der Gebrauchselektronik für das Smart Home und vor allem hin zu Produkten aus der Gesundheitselektronik. Die F.A.Z. bezeichnet die IFA sogar schon als „veritable Gesundheitsmesse“.

 

In der Tat widmen sich eine ganze Reihe von Produkten dem Wohlbefinden der Kunden, sei es beim Schlafen, bei der Ernährung oder beim Sport. Ein großer Trend sind beispielsweise Sensoren um den eigenen Schlaf zu tracken oder gleich komplette Matratzen die mit Sensoren ausgestattet und selbstverständlich mit der dazugehörigen App vernetzt sind. Nicht nur die Schlafqualität soll so verbessert, sondern auch gesundheitliche Probleme aufgedeckt werden und sogar die Steuerung anderer elektronischer Smart-Home-Geräte soll so vom Bett aus möglich werden. Panasonic und Samsung haben beispielsweise solche multifunktionalen Schlaftracker auf der IFA vorgestellt.

 

Samsung Sleep Sense

Samsungs Schlaftracker Sleep Sense ist nur 1cm dick und analysiert still und leise unter der Matratze den Schlaf. Quelle: http://bit.ly/1PYPHEz

 

Auch für die Küche gibt es Neuheiten, die das Kochen einfacher und die Ernährungsweise gesünder machen sollen. Von beinahe vollautomatischen Küchenmaschinen über Turbo-Smoothie-Zubereiter bis hin zu intelligenten Dampfgarern, die selbstverständlich auch per Smartphone gesteuert werden können.

Im Sportbereich wurden natürlich wieder jede Menge neuer Fitness-Armbänder und andere Tracking-Devices präsentiert, aber beispielsweise auch smarte Einlegesohlen und Massagegeräte. Außerdem wurden intelligente Körperwaagen und Zahnbürsten mit App-Verbindung präsentiert, die die Nutzer mithilfe von Gamification-Elementen zu bewussterem Verhalten anregen sollen.

 

Es wir schnell deutlich: Hightech findet überall seinen Platz und es gibt kaum noch ein Gerät, und sei es eine einfache Schaumstoffmassagerolle, die nicht mit Elektronik ausgestattet und vernetzbar ist. Der Trend der vernetzten Dinge ist ungebrochen und verzweigt sich immer weiter in alle Lebensbereiche, vom Schlaf- über das Badezimmer bis in die Küche. Vom Fitnessraum, sei der nun draußen oder drinnen, ganz zu schweigen. Hinsichtlich des Verbleibs der generierten Daten machen sich die Nutzer momentan anscheinend noch keine Gedanken und auch hier ist der Trend weiterhin ungebrochen: Sobald ich einen Mehrwert für mich darin erkenne, bin ich gerne bereit, Daten über mich sammeln zu lassen. Und das Versprechen von einem besseren Schlaf ist doch den meisten viel Wert. Über kurz oder lang werden die Daten aber natürlich nicht nur mit Gamification-Elementen gekoppelt, sondern mit kühl kalkulierten Incentives der Krankenkassen. Und auch hier wird wieder gelten: Solange positives Verhalten belohnt wird, machen viele gerne mit – es darf aber eben keine Konsequenzen für negatives Verhalten geben. Dann ist nämlich Schluss mit lustig und Gesundheit wird wieder zur Vertrauenssache zwischen Arzt und Patient und nicht Teil einer großen Datenwolke. Der Spaß wird auch spätestens dann aufhören, wenn mein vernetzter Dampfgarer die aktuellen Nährwerte der Schweinshaxe direkt an meine Krankenkasse übermittelt und der Kühlschrank gleichzeitig noch den Abgang von zwei Weißbieren dazu vermeldet.

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