Agenda 37/15

Am 08.09.2015 von Haruki

Die neue News-App „Upday“ – eine Content-Technologie-Kooperation von Axel Springer und Samsung

Vergangene Woche startete die Betaversion der neuen Content-Plattform „Upday“, eine App für aggregierte Nachrichteninhalte, die gemeinsam von Axel Springer und Samsung entwickelt wird. Zunächst ist die App nur für Samsung-Geräte in Deutschland und Polen verfügbar. Im Frühjahr 2016 soll der Service dann vollständig gelauncht werden und auch auf Samsung-Geräten in anderen europäischen Ländern verfügbar sein.

 

Bildschirmfoto 2015-09-07 um 16.25.06

Quelle: http://on.fb.me/1EKmH31

 

Upday ist wohl die Anwort von Samsung auf Apple’s „News“, was im Herbst in den USA auf den Markt kommen soll. Im Gegensatz zu Apple’s News-App, die hauptsächlich journalistische Beiträge verschiedener Medienhäuser kuratieren und aggregieren will, hat Samsung mit Axel-Springer einen eigenen Medienproduzenten an der Hand, der für die Zusammenstellung der Inhalte verantwortlich ist. Diese soll sich aus „Need to Know“ Informationen, die ein lokales Redaktionsteam zusammenstellt, und personalisierten algorithmus-basierten „Want to Know“ Inhalten zusammensetzen, die sich nach den individuellen Nutzerinteressen richten. Trotzdem sollen nicht nur Inhalte von Axel Springer bei Upday erscheinen, der Service soll auch für andere Verlagshäuser und namhafte Blogger offen sein. Dass Axel Springer sich hier öffnet und nicht nur auf eigene Inhalte setzt, zeigt, dass man verstanden hat, dass sich die Leserschaft immer weniger an einzelnen Medienmarken orientiert, sondern mehr Wert auf den einzelnen Artikel und eben eine gute Kuration insgesamt legt.

 

Die Zusammenarbeit von Axel Springer und Samsung ist ein gutes Beispiel, wie Kernkompetenzen sinnvoll kombiniert werden können und so eine für beide Seiten mehrwertstiftende strategische Allianz entstehen kann: Durch die nativ integrierte App erreicht Axel Springer potenziell automatisch alle User von mobilen Samsung-Geräten. Außerdem behält der Verlag die Kontrolle über den Umgang mit Content und den Zugang zu Erlösen. Samsung profitiert durch die Attraktivitätssteigerung seiner mobilen Endgeräte. In Zeiten, in denen immer mehr Inhalte digital und mobil konsumiert werden, wächst die Bedeutung nach Angeboten, die hochwertige journalistische Inhalte bündeln und gut kuratieren. Plattformen und Geräte, die hier einen guten Service anbieten können, steigern somit ihre Attraktivität für die Nutzer enorm. So wie Apple das mit “News” und Samsung und Springer mit “Upday” versuchen, verfolgt Facebook das seit längerem mit seinen “Instant Articles” und das Startup Blendl mit seinem gleichnamigen Digitalkiosk. Lesenswert in diesem Zusammenhang sind auch unsere Artikel vom 28. Juli 2015, wo wir die Frage stellen, ob soziale Plattformen die Verlage von morgen sind und vom 30. Juni 2015, wo es darum geht, wie die großen digitalen Player im Nachrichtenmarkt mitmischen.

 

Spannend bleibt zu beobachten, wie viele dieser Services nebeneinander bestehen können, welche Medienhäuser mit welchen Plattformen kooperieren werden und welche Angebote sich letztlich langfristig, und das heißt auch gewinnbringend, durchsetzen können.

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