Agenda 33/15

Am 11.08.2015 von Haruki

Die ZEIT Verlagsgruppe startet ein neues Online-Angebot: Es heißt “ze.tt”

Nachdem wir am 28. Juli die Frage diskutiert haben, ob Soziale Medien die Verlage der digitalen Neuzeit sein werden, stellt jetzt die ZEIT Verlagsgruppe ein neues Angebot vor: ze.tt soll es heißen, das neue Online-Angebot, dessen Konzept in den Räumen von ZEIT Online entstanden ist. Es soll junge Leser „zwischen Schulabschluss und erstem Jobwechsel“ mit eigenen und kuratierten Beiträgen über das aktuelle Tagesgeschehen informieren. Die Zielgruppe soll vor allem über Social Media erreicht werden und die Redaktion möchte in ständigem Austausch mit seinen Lesern stehen. Seit Juli ist ze.tt für den öffentlichen Betatest freigeschaltet, ab September soll die Betaphase in den Regelbetrieb übergehen.

 

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Das Team von ze.tt: Sebastian Horn, Gina Schad, Isabell Prophet, Mark Heywinkel, Marieke Reimann (v.l.). Quelle: http://bit.ly/1VIPkCB

 

ze.tt ist ein Challenger-Konzept im eigenen Haus, mit dem sich der digitale Horizont der ZEIT Verlagsgruppe erweitern soll. Es entstand aus der Motivation heraus, das Konzept möglichst frühzeitig auszugründen und auf eigene Beine zu stellen, um der eigenen Online-Redaktion Konkurrenz zu machen. Laut ZEIT Online Chef Jochen Wegner soll ze.tt Unordnung in den geordneten Online-Journalismus des Verlags bringen, ihn verwirren, ärgern, die eigene Selbstgewissheit stören und journalistisch und auch technisch neue Wege beschreiten. Ein schöner Ansatz, der schön bleibt, auch wenn ze.tt bislang noch nicht viel Lob in der Verlagsbranche einsammeln konnte. Die Süddeutsche Zeitung übt fast schon scharfe Kritik am neuen Online-Spross. ze.tt muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass Vorbilder wie Buzzfeed oder Vice als Paten und etablierte Vorreiter des neuen Formats doch sehr deutlich erkennbar bleiben.

 

Entscheidend für den ZEIT Verlag ist aber der Mut und die strategische Fähigkeit zum Experiment; der Wille etwas Neues auszuprobieren und Altes in Frage zu stellen. Es muss ja nicht der erste Schuss ins Schwarze treffen. Ausprobieren und Erfahrungen sammeln, das ist der erste Schritt hin zu Veränderung und damit ist die ZEIT Verlagsgruppe vielen anderen etablierten Verlagen weit voraus. Projekte wie ze.tt sind eine effektive Möglichkeit, mehr über sich selbst und das Verhalten bestehender und potenzieller Zielgruppen zu lernen. Auch darüber, welche Inhalte und Formate funktionieren und welche Interaktionsmuster die attraktivsten und effektivsten sind. ze.tt will dazu beitragen, die digitale Lernkurve des ZEIT Verlags zu steigern und dabei helfen, neue, digitale Wertschöpfungsmöglichkeiten zu identifizieren. Und damit kommt ze.tt keinen Moment zu früh. Im Gegenteil. In Zeiten, in denen etablierte Verlage die wachsende Konkurrenz durch soziale Plattformen, Internetkonzerne und Startups spüren, ist jede Form von Corporate Learning sinnvoll bis alternativlos.

 

Wir beobachten mit Neugier, wie sich ze.tt entwickeln wird. Die Strategie, statt nur Inhalte zu vermitteln auch Interaktion und Austausch zu initiieren, bringt die ZEIT Verlagsgruppe auf den richtgen Weg und näher heran an Zielgruppen, die in sozialen Medien zu Hause sind. Es bleibt abzuwarten, ob die Hoffnung, dass auch zeit.de von ze.tt profitieren möge, sich erfüllt.

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