Agenda 32/15

Am 04.08.2015 von Haruki

Internet für die Welt: Google’s “Project Loon” geht an den Start

Google’s „Project Loon“, das 2013 als ambitionierte Vision ins Leben gerufen wurde, ist nun bereit für die Wirklichkeit: Sri Lanka verkündete vergangene Woche, das „balloon-powered internet for everyone“ nutzen zu wollen, um den Inselstaat flächendeckend mit Internet zu versorgen.

 

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Quelle: https://plus.google.com/+ProjectLoon/photos

 

“Loon” bedeutet zu Deutsch “Spinner” und genau das ist das Projekt – ein bisschen verrückt: 12 Meter hohe und 15 Meter breite Gasballons mit solarbetriebenen Relaisstationen versorgen abgelegene Gegenden dieser Erde mit der Schlüsselressource der modernen Arbeitswelt: Internet. Dazu müssen die Ballons über 20 Kilometer hoch aufsteigen, um den Flugverkehr nicht zu gefährden und um unabhängig vom Wetter zu sein. Durch einen Algorithmus steuert sich jeder Ballon autonom und vernetzt sich mit den umliegenden Ballons. So entsteht in der Stratosphäre ein selbständiges Kommunikationsnetzwerk. Das von den Ballons zur Verfügung gestellte Internet wird über den Mobilfunkstandard LTE (Long Term Evolution) direkt an das Netz von Telekommunikationsanbietern angebunden und kann so über jedes Smartphone oder andere LTE-fähige Geräte genutzt werden. Die Ballons bestehen aus einem speziellen Plastikstoff, der den Bedingungen in dieser Höhe standhält. Die Reichweite eines Ballons beträgt derzeit 40 Kilometer, die Lebensdauer nur 100 Tage. Danach steigen die Ballons automatisch ab, um gewartet oder ersetzt zu werden. Für den Notfall ist jeder Ballon zusätzlich mit einem Fallschirm ausgestattet.

 

Bildschirmfoto 2015-08-03 um 15.37.12

Quelle: http://www.google.com/loon/how/

 

Ohne Zweifel ist das Angebot, schwer erreichbaren oder wirtschaftlich unterentwickelten Regionen den Zugang zum Internet zu ermöglichen, ein riesiger Markt mit einem enormen Gewinnpotential, wie der Projektleiter von Loon, Mike Cassidy, kürzlich vorrechnete: “With 4.5 billion people without internet access, take 5 percent; you’re talking 250 million people. If those people pay just a small portion of their monthly income, you’re going to be in a billion dollars a month and tens of billions a year in revenue.“

 

Und deshalb verwundert es auch nicht, dass Google nicht der einzige digitale Player ist, der in dieses Geschäft einsteigen will: Facebook stellte letzte Woche eine riesige Drohne mit dem Namen „Aquila“, übersetzt Adler, vor. Die Aquila-Drohne ist solarbetrieben und soll eine Spannweite von ca. 35 Metern haben, was der einer Boing 737 entspricht. Wie Project Loon soll die Drobne Internet in abgelegene oder infrastrukturschwache Regionen bringen. Auch der Tesla-Gründer Elon Musk möchte mit seinem Unternehmen SpaceX an diesem Geschäft teilhaben: Er will tausende Satelliten in die Umlaufbahn schicken und so jeden Flecken Erde mit Internet versorgen. Bereits nächstes Jahr möchte er damit in die Testphase gehen. 

 

Es bleibt spannend zu beobachten, wer und welche Technologie das Rennen macht, ob und welche Anbieter langfristig Erfolg haben werden. Die Geschwindigkeit der technologischen Entwicklung wird der Wind unter den Flügeln dieser Unternehmungen sein.

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