Agenda 31/15

Am 28.07.2015 von Haruki

Das Projekt “Brain4Cars” soll das Auto intelligenter machen und Unfälle verhindern

Im Bereich der autonomen Fahrsysteme gibt es wieder etwas Neues: Forscher der Universitäten Standford und Cornell sind dabei, ein intelligentes System zu entwickeln, das aus der Mimik des Fahrers Schlüsse zieht und autonom oder teilautonom entsprechende Maßnahmen einleitet, um zum Beispiel potenzielle Unfälle zu verhindern. Das Projekt trägt den ambitionierten Titel „Brain4Cars“. Um das System entsprechend zu schulen, ihm also beizubringen, welche konkreten Gesichtsausdrücke einer bestimmten Fahrsituation vorausgehen, testeten die Forscher ihr System mit mehreren Fahrern, in verschiedenen Situationen, in der Stadt und auf Fernstraßen bzw. Autobahnen. Mit “Brain4Cars” sollen Autos das Lernen lernen. Und tatsächlich schätzt das System bereits jetzt, in einer noch frühen Phase der Forschung, in mehr als 75 Prozent der Fälle die Situation richtig ein und zwar 3,5 Sekunden bevor das jeweilige Fahrmanöver tatsächlich ausgeführt wird. Dieser zeitliche Vorsprung ermöglicht es anderen Fahrassistenzsystemen im Fahrzeug frühzeitig zu reagieren, zum Beispiel mit einer Aktivierung der Bremskraftverstärker, dem Straffen der Sicherheitsgurte oder schlicht der Auslösung eines Alarmsignals.

 

Die Idee, ein Sicherheitssystem zu entwickeln, das seine Aufmerksamkeit ins Innere des Autos auf den Fahrer  richtet, liegt auf der Hand und ist deshalb auch nicht neu: Tatsächlich ist in den meisten Fällen der Fahrer unmittelbarer Verursacher eines Unfalls. Viele existierende Assistenzsysteme, Sensoren und Kameras in Fahrzeugen sind bislang eher nach außen gerichtet, um Umgebungsvariablen zu erfassen. Gerade aber bei Unfallursachen wie Sekundenschlaf kann ein Gesichtserkennungssystem aber eine wertvolle Unterstützung sein. Zur Vermeidung von Sekundenschlaf gibt es bereits ähnliche, ebenso lernende Systeme, wie zum Beispiel das “Attention Assist” von Daimler. Das “Attention Assist” System wird in Abhängigkeit von Fahrgeschwindigkeit, Fahrdauer und Streckeneigenschaften sensibler für Veränderungen im Fahr- und Lenkverhalten und fordert den Fahrer auf, eine Pause zu machen, sobald der Anzeichen von Müdigkeit erkennen lässt. Das System nutzt dafür keine Kamera, sondern hauptsächlich Sensordaten, die Lenkbewegung und -geschwindigkeit messen.

 

Noch steht das Projekt “Brain4Cars” ganz am Anfang und es gibt noch einige Hürden zu meistern. Beispielsweise das Erkennen von Grimassen, Schatten auf Gesichtern der Fahrer oder Blicke und Gesichtsbewegungen, die dem Beifahrer gelten. Denkbar ist für die Forscher auch, Audio- oder 3D-Aufnahmen einzusetzen, um die Treffergenauigkeit ihrer Messungen und Voraussagen zu erhöhen. Außerdem soll die Gesichtserkennung auch mit anderen Fahrzeugdaten wie GPS-Informationen, Daten von Außenkameras oder Lenkradsensoren kombiniert werden. Zielsetzung ist, das System intelligent genug zu machen, damit es immer die passende Reaktion zeigt. Darüber, ob und wann das System Marktreife erreichen wird, wollen die Forscher noch keine Aussage treffen. Neben den technischen Barrieren werden wohl auch datenschutzrechtliche Hürden zu meistern sein.

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