Agenda 30/15

Am 22.07.2015 von Haruki

Das Ende der SIM-Karte: Was die eSIM für Verbraucher und Netzbetreiber bedeuten kann

Schon bald könnte sie verschwunden sein: die SIM-Karte. Und damit ein Ritual, das den Kauf jeden neuen Smartphones in den letzten Jahren begleitet hat. Denn: Die eSIM kommt. Die “Embedded SIM” soll als fest im Telefon verbauter Nachfolger der SIM-Karte deren Funktion ersetzen. Apple und Samsung stehen bereits in fortgeschrittenen Verhandlungen mit Mobilfunkbetreibern und dem Branchenverband GSMA, der Global System for Mobile Communications Association. Die GSMA vertritt alle Mobilfunknetzbetreiber und legt weltweit gültige Standards fest. Was sich mit der Einführung der eSIM ändern wird und wie ihre genauen technischen Spezifikationen aussehen, steht noch nicht fest. Doch die GSMA geht von einer Einführung im kommenden Jahr aus. Immerhin zählen neben anderen Netzbetreibern die Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica, Orange und AT&T zu den Unterstützern der eSIM – auch wenn es vormals kritische Stimmen zu diesem Thema gab.

 

Was ändert sich mit der Einführung der eSIM, was soll sie leisten? Zum einen eröffnet sie den Smartphone-Herstellern neue Möglichkeiten im Produktdesign, die sich auf Konstruktion und Produktionskosten positiv auswirken werden. Netzbetreiber und Mobilfunkanbieter reduzieren ebenfalls ihre Kosten, da sich logistische Prozesse, die früher analoge Elemente beinhalteten – wie das Versenden der SIM-Karte – nun digital und damit kostengünstiger abbilden lassen. Die Wahl des Anbieters soll in Zukunft über das Smartphone möglich sein. Die Bindung der SIM-Karte an einen bestimmten Netzbetreiber entfällt damit.

 

So ganz ungesehen ist dieses Konzept nicht: Apple hat bereits im vergangenen Jahr die Apple SIM eingeführt, die zwar genau genommen noch eine physische SIM-Karte ist, die aber ebenso wie die eSIM nicht mehr an einen spezifischen Anbieter gebunden ist. Die Wahl oder der Wechsel des Betreibers ist bereits im Betriebssystem angelegt und kann unter der Einstellung „Mobile Daten“ geändert werden. Auch hierzulande ist die Apple SIM-Karte erhältlich. Allerdings ist sie aktuell nur in den neuesten Versionen des iPad Air und iPad mini einsetzbar und wird nur von wenigen Providern unterstützt: Deutsche Nutzer können zwischen T-Mobile in den USA, EE in Großbritannien oder GigSky wählen.

 

Im Netz finden sich zahlreiche kritische Stimmen und die Einführung der eSIM wird von sorgenvollen Blicken auf Nutzerseite begleitet. Jochen Fuchs von t3n skizziert in seinem aktuellen Artikel ein Szenario, dass den Nutzer in Zukunft schlechter stellen könnte. Denn die Trennung von SIM-Karte und Endgerät sicherte dem Kunden bisher eine Wahlfreiheit in Bezug auf Netzbetreiber und Tarif, die nun gefährdet zu sein scheint. Die Smartphone-Hersteller haben bereits positive Erfahrung mit dem exklusiven Provisionsgeschäft gesammelt: Die neuesten und begehrtesten Geräte wurden in der Vergangenheit zum Zeitpunkt ihrer Markteinführung schon häufiger an teure Tarife gekoppelt und waren in den ersten Wochen oder Monaten nicht ohne Vertrag zu haben. Das gab den Netzbetreibern die Möglichkeit, Kunden vom Wettbewerb zu konvertieren und in wertvollere Tarife zu verschieben. Über die teureren Verträge waren die Provisionen, die an die Smartphone-Hersteller für die Exklusivität und den Marktvorsprung gezahlt wurden, zu refinanzieren.

 

Es lassen sich aber auch positive Szenarien für den Enduser denken. Wird die eSIM nicht in dieser Weise als verknappendes Vermarktungsinstrument oder zum Upselling in teurere Kundenverträge genutzt, kann sie auch mehr Flexibilität für den Nutzer in der Tarifwahl bedeutet. Natürlich wird die Bindung an einen Mobilfunkanbieter erhalten bleiben. Es besteht aber die theoretische Möglichkeit zum Beispiel bei Auslandsaufenthalten statt zu einer lokalen Prepaid-Card über die Software zu einem lokalen Anbieter zu wechseln. Entsprechende Verträge würden auch Mobilfunkanbietern neue Spielräume in der Kooperationsfindung einräumen. Auch die Notwendigkeit, dauerhaft zwei getrennte Mobiltelefone mit sich zu führen – eines für den Job, eines für die private Kommunikation – ließe sich theoretisch umgehen, wenn ein Mobiltelefon in der Lage wäre, zwei Telefonnummer zu verwalten. Wahrscheinlich werden solche Szenarien allerdings nur dann Realität, wenn nicht nur der Nutzer, sondern auch Smartphone-Hersteller und Netzbetreiber davon profitieren und wenn sich solche Konzepte tatsächlich mit einer attraktiven User-Experience in Verbindung bringen lassen.

 

In jedem Fall wird die Einführung der eSIM Neuerungen mit sich bringen. Netzbetreiber werden ihre Geschäftsmodelle und Angebote überdenken und dabei in erster Linie wettbewerbs- und kundenbezogen agieren. Der Wegfall des Kontaktpunkts SIM-Karte spart nämlich nicht nur Kosten, sondern kostet auch einen Kommunikationsanlass und ein Service-Erlebnis in Richtung Kunde. Dass man sich auch dieser Kostenseite bewusst ist, zeigt das Interview von Jan Geldmacher von Vodafone in der Rheinischen Post. Und auch seitens der Smartphone-Hersteller ergeben sich positive Effekte für den Enduser: Der durch den Wegfall der SIM-Karte eingesparte Platz, steht für andere nützlichen Dinge zur Verfügung: für mehr Speicher, mehr Akku, mehr Prozessorleistung.

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