Agenda 29/15

Am 13.07.2015 von Haruki

Kaliumarmer Kopfsalat: Die Industrie 4.0 vernetzt Maschinen miteinander und mit dem Menschen

Die Zukunft, auf die wir uns zubewegen, ist vor allem durch eines geprägt: durch Vernetzung. Schon längst sind es nicht mehr nur Menschen, die digitale Netze nutzen, um miteinander zu kommunizieren und zu interagieren: Das Internet-of-Things ermöglicht den direkten Informationsaustausch auch zwischen physischen Objekten – ohne dass die dabei auf den Menschen als Urheber der Information oder als Intermediär angewiesen wären. Das Internet-of-Things befähigt Gegenstände, Daten zu sammeln und diese Daten wieder anderen Systemen zur Verfügung zu stellen: Ein stiller, omnipräsenter Strom von Daten, der die Welt mit einem digitalen Netz überspannt und so quantifizierbar und berechenbar werden lässt.

 

Eine attraktive Vision? Für die Industrie auf jeden Fall. Unter dem Begriff “Industrie 4.0″ fasst sie die zunehmende Vernetzung von vormals isolierten Systemen und Prozessen zusammen, die sie sich darüber in ihrer ganzen Komplexität abbilden lassen. Ziel ist es, Produktivität und Kosteneffizienz mit mathematischer Exaktheit zu optimieren und eben auch solche Abläufe zu automatisieren, die bisher als zu komplex dafür galten. Wie kann das gelingen? Wichtigste Voraussetzung dafür ist, das die beteiligten Systeme und Akteure lernen, miteinander zu arbeiten. Es ist ein Aufruf zur Kollaboration, zum synchronisierten Handeln, das die Bemühungen aller Markteilnehmer entlang definierter Wertschöpfungsketten einfordert.

 

Dass diese Bereitschaft zumindest bei den großen Technologiekonzernen besteht, demonstrierten jüngst die beiden Tech-Giganten “Fujitsu” und “Microsoft”. In einem gemeinsamen Testprojekt haben sie eine Fabrik zur Herstellung von Halbleitern umgebaut: In eine moderne Agraranlage, die mit Hilfe von innovativen Landwirtschaftstechniken und einer Vielzahl unterschiedlicher, modernster Produktions-, Informations- und Kommunikationstechniken betrieben wird. Die Anlage dient dem Anbau von Kopfsalat, der mit Hilfe der erfassten Daten gezielt kaliumarm gezüchtet wird und somit besonders bekömmlich für Dialysepatienten und Personen mit Nierenerkrankung ist. Während Produktqualität, Prozesseffizienz und Leistungsfähigkeit der Anlage über das Eco-Management Dashboard von Fuijitsu gemanagt wird, stellt Microsoft seine Cloud-Lösung “Azure” zur Verfügung. Sie soll die erhobenen Daten tiefergehend analysieren und anderen Pflanzenanlagenbetreibern öffentlich zur Verfügung zu stellen. In der Industrie 4.0 werden Systeme nicht nur integriebar, sondern auch Wissen geschaffen, das mittelbar oder unmittelbar dem Wohl aller dienen kann.

 

Wenn eine konsequente Einordnung in optimierte Kollaborationsprotokolle zur Maxime erhoben wird, stellt sich die Frage, ob die Beziehung zwischen Menschen und Maschinen in der Industrie 4.0 ebenfalls diesem Prinzip folgen kann. Machen die steuernden Algorithmen den Menschen als Akteur in der Industrie 4.0 überflüssig? Nein, denn zumindest in naher Zukunft wird es noch immer Aufgaben geben, die dem menschlichen Verstand und der menschlichen Motorik vorbehalten sind – oder deren Automatisierung sich schlicht nicht rechnet. Stattdessen stellt sich eher die Frage, wie und wo die Prinzipien der Industrie 4.0 an den Menschen anschlussfähig werden, wo sie ihn ergänzen und entsprechend seiner Stärken und Schwächen komplementär unterstützen?

 

Wie ein symbiotisches Nebeneinander menschlicher und maschineller Arbeitskraft aussehen kann, lässt sich im Amazon-Fulfillment-Center in Robbinsville beobachten. Anstatt die dort arbeitenden “Packer” die ganze Arbeit alleine tun zu lassen unterstützen hier die Regale, in denen die entsprechenden Produkte gelagert sind, deren Arbeit. Bei diesen Regalen handelt es sich um vernetzte, motorisierte Roboter, die sich entsprechend der gerade zu findenden Produkte genau so anordnen, dass die menschliche Arbeitskraft so effizient wie möglich eingesetzt werden kann. Das Finden fällt leichter, wenn man nicht suchen muss.

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