Agenda 28/15

Am 08.07.2015 von Haruki

Bitcoins: Wie Banken von denen lernen, die Banken eigentlich abschaffen wollen

Bitcoins sind als Internetbezahlmittel oder “Kryptowährung” ursprünglich aus der Absicht heraus entstanden, ein Bezahlsystem zu etablieren, das jenseits der klassischen Bankenwelt existieren kann, indem es auf Banken als Intermediäre im Zahlungsverkehr verzichtet. Doch Banken betrachten den neuen Wettbewerb nicht in erster Linie als Bedrohung, sondern vielmehr mit Neugier. Denn die Prozesse, die hinter den Bitcoins als Kryptowährung stehen, könnten auch den Banken helfen, Kosten zu reduzieren, würden sie sich diese Prozesse zu eigen machen. Bitcoins werden aktuell zu einem Experimentierfeld für Banken und zu einer Inspiration für das Innovieren etablierter Prozesse.

 

Doch gehen wir noch einmal einen Schritt zurück. Was sind Bitcoins eigentlich und wie funktionieren sie? Und von welchen Prozessen, welcher Technologie sprechen wir hier überhaupt? Dreh- und Angelpunkt bzw. Kern des Interesses der Banken ist das sogenannte “Blockchain-Verfahren”. Vereinfacht kann man sich eine Blockchain als eine riesige Datenbank vorstellen, die alle über Bitcoins abgewickelten Transaktionen dokumentiert und sie gleichzeitig validiert. Die Verbindlichkeit in diesem Transaktionssystem entsteht durch ein dezentrales Peer-to-Peer-Verfahren, bei dem alle Beteiligten – und vor allem Handelspartner – über eine digitale Signatur eindeutig identifizierbar sind. Geschützt durch Pseudonyme natürlich. Die Blockchain ist eine Art Protokoll. Alle getätigten Transaktionen sind hier verzeichnet und was verzeichnet ist, ist verbindlich. Anders als bei Banken, liegt diese Blockchain nicht an einem Ort oder in irgendeinem Tresor. Sie ist öffentlich. Sie existiert auf den Rechnern und Devices aller Teilnehmer des Bitcoin-Verfahrens als dezentrales Protokoll. Dieses Protokoll stellt gleichzeitig sicher, dass jede Bitcoin nur einmal ausgegeben wird, dass die Kryptowährung im Rahmen einer Transaktion also tatsächlich ihren Besitzer wechselt. Aufbewahrt werden Bitcoins in digitalen Wallets. Diese Wallets sind durch einen persönlichen Zugang geschützt und so nur für ihren Eigentümer zugänglich. Gibt der Bitcoins aus, wird die Transaktion in der Blockchain verzeichnet. Die Bitcoins verschwinden aus dem Wallet des Käufers und wandern in das Wallet des Verkäufers. Damit ist die Transaktion verbindlich abgeschlossen.

 

Die Funktionsweise von Bitcoins fußt also auf der Idee, ohne ein zentrales Kontrollorgan wie einer Bank, sicherzustellen, dass alle getätigten Transaktionen ihre Richtigkeit haben. Was man dafür braucht, ist in erster Linie Rechenkapazität. Die stellt weder eine Bank noch der Anbieter sondern die sogenannten “Bitcoin-Miner” zur Verfügung. Bitcoin-Miner sind Verfahrensteilnehmer, die dem Bitcoin-Netzwerk und den dort arbeitenden Algorithmen, Kapazität zur Verfügung stellen, um die gesamte Blockchain kontinuierlich auf ihre Gültigkeit hin zu überprüfen. Im Gegenzug belohnt das System diese Teilnehmer wiederum mit Bitcoins: “Bitcoins schürfen” nennt sich dieses Verfahren. Während die Prüfung einer Transaktion bei Banken nicht selten mehrere Tage dauert und aufgrund der dafür notwendigen Ressourcen Kosten verursacht, dauert die Prüfung durch eine Peer-to-Peer basierte Verifizierung, wie beim Bitcoin-Verfahren, nur wenige Minuten. Das bedeutet eine signifikante Zeit- und auch Kostenersparnis, die die Banken neugierig werden lässt.

 

Tatsächlich kann dieses Verfahren nämlich noch viel mehr. Das wohl spannendste Service-Modell sind die sogenannten „Smart Contracts“. Dabei handelt es sich um digitale Verträge, die ebenfalls in der Blockchain hinterlegt sind und Transaktionen eindeutig zugeordnet werden können. In den Smart Contracts werden Bedingungen festgeschrieben, die Voraussetzung für die Erfüllung des Vertrages sind: Nach der Logik “If this, then that”. Nehmen wir zum Beispiel eine AirBnB-Buchung und stellen uns vor, die gebuchte Wohnung sei ein Smart Home: Nachdem die Bezahlung der Wohnung erfolgt und in der Blockchain verbindlich dokumentiert wurde, erhält der Nutzer einen digitalen Schlüssel auf sein Smartphone, der ihm den Zugang zur Wohnung gewährt. Alles automatisch.

 

Die Möglichkeiten, die die Blockchain bietet, lässt eine Vielzahl solcher Servicekonzepte denkbar werden, die Banken aufgrund ihrer Heterogenität in ihren proprietären Systemen nicht abbilden könnten, selbst, wenn sie sich dazu entschlössen. Diese Services werden aber perspektivisch so attraktiv sein, dass sich ein Markt dafür finden wird. Die Liste vorstellbarer Use Cases ist lang. Gerade Anwendungsfälle, die regelmäßige Transaktionen beinhalten (z.B. Darlehens- oder Hypothekenverträge), können von Smart Contracts profitieren. Und auch hier liegen die Möglichkeiten zur Ausgestaltung solcher Services bei den Plattformen, die sie organisieren: AirBnB hätte zum Beispiel die Möglichkeit, der Vermieterseite sinnvolle Smart Contracts aktiv vorzuschlagen. Die Banken blieben bei alledem außen vor, würden sie nicht damit beginnen, von denen zu lernen, die eigentlich mit dem Anspruch angetreten sind, Banken als systemische Notwendigkeit unnötig werden zu lassen.

1 Kommentar

  1. Thomas am 19.11.2015

    Die Zeit wird zeigen, welche Entwicklung die virtuelle Währung nehmen wird und ob sie sich auch auf Dauer auf den Markt halten wird. Das Interesse daran steigt jedenfalls immer weiter an.

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