Agenda 27/15

Am 30.06.2015 von Haruki

Wie Apple, Facebook und Google im Nachrichtenmarkt mitmischen wollen

Apple, Facebook und Google wollen mit neuen Diensten künftig eine stärkere Rolle beim Journalismus, speziell im Nachrichtenmarkt, einnehmen. Apple hat Anfang Juni angekündigt, eine personalisierbare Nachrichten-App namens „News“ anbieten zu wollen. Apple News plant, journalistische Beiträge verschiedener Medienhäuser personalisiert zu kuratieren und mit Bildern, Bildergalerien, Audios, Videos, Karten und Animationen aufzubereiten. Damit wird Apple womöglich bisherige Nachrichten-Apps die von den Medien selbst kommen, weitgehend verdrängen. Zum Start der App im Herbst diesen Jahres kooperiert Apple bereits mit fast zwanzig Medienhäusern, darunter die New York Times, CNN, der Condé Nast Verlag und der Economist. Apple will die Medien über die Anzeigenerlöse für sich gewinnen: Der Konzern bietet an, dass die Verlage die Anzeigen neben ihren Artikeln in der App selbst verkaufen und die Werbeeinnahmen behalten können. Übernimmt Apple die Vermarktung, erhalten die Medien 70 Prozent der Anzeigenerlöse.

 

Ein ähnliches Modell hat Facebook Mitte Mai mit „Instant Articles“ angekündigt. Nutzer können so, zunächst nur über die App, Artikel komplett auf Facebook lesen, ohne Umweg auf die Homepage der Medienhäuser. Neben der New York Times, National Geographic und anderen ausländischen Medien gehen aus Deutschland auch Spiegel Online und Bild diesen Schritt als Launch-Partner mit. Wie bei Apple News dürfen die Medien die Erlöse der eingebetteten Werbung behalten wenn sie sie selbst verkaufen und müssen 30 Prozent abgeben, wenn Facebook das übernimmt. Der hauptsächliche Vorteil soll im besseren Nutzererlebnis liegen, nämlich, dass die Nutzer die Inhalte schneller konsumieren können und keine Ladezeiten für die Artikel mehr in Kauf nehmen müssen.

 

Zunächst hören sich Apple News und Facebooks Instant Articles fair an, denn die Medienhäuser können den generierten Umsatz behalten, können die Reichweite erhöhen und bekommen außerdem Informationen über das Nutzerverhalten der Leser. Auf den zweiten Blick allerdings, ergeben sich berechtigte Zweifel an den Vorteilen für die Medienhäuser: In beiden Fällen kann eine Sogwirkung entstehen. Denn wenn die Formate von Apple und Facebook erfolgreich werden, entsteht ein Zugzwang für die Medienhäuser, sich den Formaten anzuschließen, um weiterhin die Reichweite aufrecht zu erhalten und nicht benachteiligt zu werden. Und klar ist, dass hinsichtlich Reichweite Apple und Facebook die Macht haben: die Auswahl und Präsentation passiert über intransparente Algorithmen; die Zeitungen werden zu Zulieferern einzelner Artikel. Somit verschiebt sich die Gatekeeper-Rolle der Medien hin zu zwei großen Playern.

Apple hat mit iTunes bereits den Musikmarkt und sein Vertriebsmodell nachhaltig verändert. Wird nun ein ähnliches Szenario mit dem Journalismus passieren? Ken Doctor, Medienexperte beim Nieman Journalism Lab, sagt im Gespräch mit der F.A.Z., dass dies für Zeitungen ein bedeutender Test sei. Sie müssten ausloten, wie viel Inhalt sie Apple anbieten wollen und ob sie in der Lage sein werden, diesen durch Anzeigen refinanzieren zu können.

 

Nicht zuletzt möchte auch Google seinen Teil zum Nachrichtengeschäft beitragen, wenn auch in anderer Form als Apple und Facebook: Mit dem “Google News Lab”, das vergangenen Freitag angekündigt wurde, will Google Journalisten Tools vorstellen und ihnen in Echtzeit den Zugriff auf relevante Daten ermöglichen, um ihnen ihre Arbeit zu erleichtern. Das Google News Lab sei nach Angaben von Google ein globales Vorhaben. Zu Beginn sollen die speziell für Journalisten gedachten Angebote in den USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland zur Verfügung stehen. In einem täglichen Feed will Google die wichtigsten Trends anhand der aktuellen Nachrichtenlage aufbereiten. Als „window to the world“ beschreibt Google das selbst. Und genau hier liegt die gleiche Gefahr wie bei den Diensten von Apple und Facebook: Journalisten den Zugang zu den Daten, die Google täglich sammelt, zu ermöglichen ist an sich eine sehr gute Sache. Auch der Plan, mit Partnern im Rahmen des News Lab Projektes Programme erarbeiten zu wollen, die sich mit der Zukunft der Nachrichtenberichterstattung beschäftigen. Doch wie groß das „Fenster zu Welt“ ist und wie weit es geöffnet wird, sprich welche Daten und Informationen die Journalisten tatsächlich erreichen, bestimmt allein Google, sprich Google kommt hier erneut eine wichtige Gatekeeper-Rolle zu. Die Google Standardsuche und Dienste wie Google Trends, Google Maps und YouTube sind längst zum täglichen Handwerkszeug von Journalisten geworden. Mit dem Google News Lab stößt der Konzern nun noch weiter in die Newsbranche vor. Am Ende haben es hier aber natürlich die Journalisten in der Hand, mit welcher Sorgfalt und Ausgewogenheit sie recherchieren und was ihre Leser letztendlich zu lesen bekommen. Zumindest bis Facebook und Apple wieder ins Spiel kommen.

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