Agenda 27/15

Am 30.06.2015 von Haruki

Die Digitalisierung ist für viele etablierte Unternehmen eine Bedrohung

Der digitale Wandel bedroht viele etablierte Unternehmen in allen Branchen in ihrer Existenz und hat die Kraft, Märkte stärker und schneller zu verändern als dies jemals zuvor in der Geschichte passiert ist. Das zumindest besagt eine Studie des US-Konzerns Cisco und des International Institute of Management Development (IMD) aus Lausanne. Sie bezeichnen den digitalen Wandel als Wirbelsturm. Ein Wirbelsturm drängt durch die Rotationskraft alles was ihn umgibt in sein Zentrum. Genau das treffe auch auf die digitale Transformation zu, denn auch sie dränge alle Industrien in ein digitales Zentrum in dem Geschäftsmodelle und Wertschöpfungsketten bis zu ihrem Maximum digitalisiert werden.

 

Um die aktuelle Lage der digitalen Transformation zu erfassen, befragten sie 941 Führungskräfte in 12 Branchen und 13 Ländern weltweit. Vier von zehn Unternehmen werden laut der Studie in den nächsten fünf Jahren durch technische Entwicklungen verdrängt werden. Am stärksten betroffen sehen die Befragten die Technologie-Industrie, gefolgt von der Medienbranche, dem Einzelhandel und den Finanzdienstleistern. WhatsApp, Paypal und AirBnB sind nur drei von vielen Beispielen, die zeigen, wie schnell branchenfremde Player etablierte Industrien bewegen und bedrohen können.

Und obwohl 72 Prozent der Befragten die fortschreitende Digitalisierung und die Eröffnung neuer Geschäftsfelder für etwas Gutes halten, findet in 45 Prozent der Unternehmen das Thema Digitalisierung keine Beachtung auf Vorstandsebene. Für Deutschland bestätigt dies eine weitere, neue Studie: Hierzulande haben zwar 21 Prozent der befragten Unternehmen einen Verantwortlichen, der für die digitale Strategie verantwortlich ist, jedoch hat auch davon keine der Stellen eine Anbindung an die Vorstandsebene. Die Befragung zeigt außerdem, dass fast ein Drittel der Unternehmen einen wait-and-see-Ansatz verfolgen und hoffen, allein nur Nachahmung erfolgreicher Konkurrenten wettbewerbsfähig bleiben zu können.

 

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Quelle: Global Center for Digital Business Transformation (2015), S. 4

 

Der Grund, warum es für viele bestehende Firmen so schwer ist, sich von innen heraus zu digitalisieren ist, dass ihre Prozesse und ihr Geschäftsmodell, das sie in ihrem Kerngeschäft bisher und vielleicht auch aktuell noch erfolgreich macht, gleichzeitig daran hindert, mit neuen, digitalen Startups und Unternehmen zu konkurrieren. Hier funktioniert auch die Wirbelsturm-Metapher wieder: Je weiter ein Unternehmen oder eine Branche ins Zentrum des digitalen Wirbelsturms kommt, desto weniger bedeutend und wertvoll werden die bisherigen, physischen Wettbewerbsvorteile, weil im Kern alles digitalisiert wird, was digitalisiert werden kann.

 

Die große Frage für Unternehmen die die Notwendigkeit des Wandels erkannt haben ist, wie die nötige, digitale Transformation angegangen und umgesetzt werden kann. „Disruption yourself“ heißt nicht, dass Unternehmen von ihrem Kerngeschäft und ihren Kernkompetenzen abrücken oder andere nachahmen sollen. Im Gegenteil: Trägheit macht Unternehmen angreifbar und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass sie durch agile Startups oder durch bestehende Unternehmen mit einer erfolgreichen etablierten Innovationskultur vom Markt verdrängt werden. Digitale Transformation bedeutet, alle Faktoren die den eigenen Erfolg untermauern oder bisher untermauert haben, zu hinterfragen und zu analysieren: das Geschäftsmodell, das eigene Angebot, die Prozesse, die Belegschaft, die Unternehmenskultur und –organisation, Partnerschaften, etc. Vor allen Dingen aber gilt es zu erörtern, wie das Unternehmen einen nachhaltigen Kundenwert schaffen kann – jetzt und in Zukunft. Auf dieser Analyse und Erkenntnissen aufbauend, muss sich das Unternehmen grundlegend und dauerhaft transformieren. Die Vorteile, die etablierte Unternehmen meist gegenüber Startups haben, nämlich der einfachere Zugang zu Kapital, der größerer Markenwert und der breitere Kundenzugang, sind dabei häufig sehr hilfreich und müssen deshalb aktiv eingesetzt werden. Entscheidend in Anbetracht der Geschwindigkeit, mit der die digitale Transformation derzeit in nahezu allen Branchen voranschreitet, ist, dass dieser Wandel auf fundierten Entscheidungen basiert und gleichzeitig zügig implementiert wird. Denn Agilität ist in der digitalen Welt entscheidend, wo Schnelligkeit und konstanter Wandel die Normalität sind.

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