Agenda 25/15

Am 15.06.2015 von Haruki

Share Economy: Opel startet Peer2Peer Carsharing

Am 24. Juni 2015 soll das neue Angebot mit dem Namen CarUnity für alle freigeschaltet werden. Derzeit dürfen nur die rund 20.000 Mitarbeiter von Opel die neue App testen. So sollen die letzten Fehler gefunden werden. Damit positioniert sich Opel auch im Carsharing Markt. Aber im Gegensatz zu Car2Go (Daimler/ Europcar) und DirveNow (BMW/ Sixt) setzt CarUnity, nicht auf eigene Modelle, sondern auf ein offenes Netzwerk, in dem Privatpersonen ihre Autos anbieten – und die müssen nicht zwangsweise von Opel sein.

 

Die Share Economy hat im Bereich Carsharing und Mobility mittlerweile viele Modelle zu Tage gefördert. In der Regel sind die großen Automobilkonzerne auch daran mehr oder weniger stark beteiligt. Automobilkonzerne lernen, dass der Zugang zu einem Auto schon bei vielen Nutzern stärker zählt als der Besitz eines Autos. Über Kooperationen und Beteiligungen versuchen die Konzerne, auf das Mobilitätsverhalten ihrer Kunden zu reagieren und ein besseres Verständnis darüber zu bekommen, welche Konzepte, welche Bedürfnisse befriedigen. Die Modelle, die es heute gibt sind vielfältig: Stationsgebundenes und stationsunabhängiges Carsharing, Abrechnung in Tagen, Stunden oder Minuten, mit und ohne Kilometer oder Tanken, mit eigener Fahrzeugflotte oder mit Privatfahrzeugen, zum Selberfahren oder zum Mitfahren, für Kurz- oder für Langstrecke, Fahrzeuge mit Verbrennungs- oder Elektromotor, für ein bis neun Personen usw. Da kann man schnell mal den Überblick verlieren. Die ersten Konsolidierungswellen sind auch bereits unterwegs. So ist Autonetzer.de seit der vergangenen Woche unter Drivy.de aufgegangen. Drivy ist ein französisches Startup, dass momentan in Europa zu den größten Peer2Peer Carsharing Anbietern gehört. Erst im April hat das Unternehmen erfolgreich den Wettbewerber buzzcar mit frischem Geld aus einer zweiten Finanzierungsrunde geschluckt. Buzzcar war wiederum ein Unternehmen von Robin Chase, die bereits 2000 mit Zipcar das moderne Peer2Peer Carsharing erfunden hat. Seit 2013 gehört Zipcar zur Avis Budget Group und zählt weltweit zum größten Carsharing Anbieter. Carsharing selbst gibt es in Deutschland schon seit rund 20 Jahren und nach Aussage von Robin Chase ist Carsharing letztlich auch eine deutsche Errungenschaft. Hauptsächlich um die Umwelt zu schonen, hatten sich in Deutschlang Initiativen gegründet, die sich zusammentaten, um Autos zu kaufen und diese dann gemeinschaftlich zu nutzen. Die Autos konnten nur an speziellen Station abgeholt werden und mussten dort auch zurück gegeben werden. 

 

Ganz neu ist das Gebiet des Peer2Peer Carsharings für Opel jedoch auch nicht. Die Opel-Tochter “Opel rent” arbeitet mit Tamyca zusammen. Und mit dem jüngst eingestellten Service Spotcar, einem stationsunabhängigem Carsharing Angebot, das im August 2014 in Berlin mit 100 Opel Adam gestartet ist, hat Opel ebenfalls kooperiert. Mit CarUnity muss sich Opel nun gegen die 11.000 Fahrzeuge von Drivy in Deutschland behaupten. Spannend bleibt die Frage, welche Mehrwerte Opel für sich daraus ziehen möchte. Während bei DriveNow und Car2Go jede Carsharing Minute quasi eine, vom Kunden selbst bezahlte Probefahrt ist, bleibt die Fahrzeug-gebundene User-Experience bei den Peer2Peer Angeboten aus.

 

Dass sich Automobilkonzerne im Carsharing Markt jedoch positionieren müssen, bleibt außer Frage. Carsharing wird immer populärer. Der Bundesverband Carsharing hat in seiner neusten Studie nicht nur Großstädte, sondern erstmals auch Städte und Gemeinden ab 50.000 Einwohner. Unter den 136 Teilnehmern belegt Karlsruhe mit 2,15 Carsharing Autos auf 1.000 Einwohner den ersten Rang. Das Bundesministerium für Verkehr bereitet derzeit ein Gesetzt vor, das es Kommunen erleichtern soll, Carsharing zu unterstützen. Denkbar ist, Carsharing Autos von Parkgebühren zu befreien und gesonderte Parkflächen für sie auszuweisen.

Autokonzerne sind dabei zu lernen, dass sie ihre Produkte aus der Nutzerperspektive und dem Nutzenkontext heraus betrachten müssen. So findet bei den meisten Konzernen auch die Wandlung hin zum Mobiltätskonzern statt. Der Daimler Konzern operiert dabei bereits an vielen Fronten. Mit moovel betreiben sie eine systemübergreifende Mobilitäts-App, die mehrere Dienste miteinander kombiniert, um dem Nutzer zu helfen, so schnell, so preiswert oder so bequem wie möglich von A nach B zu kommen. Möglichst nahtlos und mit nur „einem Ticket“ soll der User seine Reise bestreiten können. Ganz egal ob Bahn, Taxi, Fahrrad oder Auto. Das Produkt soll mehr sein als die Summer seiner Teile. Ein solches Bestreben zieht natürlich auch einige Konsequenzen mit sich. So kann man mit der Car2Go App nun auch Flinkster Fahrzeuge von der Deutschen Bahn nutzen und umgekehrt. Wir bleiben gespannt, welches Umparken im Kopf durch CarUnity bei Opel freigesetzt und wie der Dienst angenommen werden wird.

Artikel kommentieren

Ähnliche Beiträge