Agenda 25/15

Am 15.06.2015 von Haruki

Googles neues Langzeitprojekt: Sidewalk Labs

Große Menschheitsprobleme lösen und die wildesten Visionen wahr werden lassen, das ist das erklärte Ziel der Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin. Das kündigten sie bereits 2004 beim Börsengang  an und dafür wollen sie die mit Google verdienten Milliarden einsetzen. Mit dem Zukunftslabor Google X, das unter anderem Googles selbstfahrende Autos entwickelt oder dem von Google gegründeten Biotechnologieunternehmen Calico, das Methoden gegen die menschliche Alterung entwickelt, zeigen sie bereits, wie ernst es ihnen mit dem Weltverbessern ist. Nun haben sie ein neues Langzeitprojekt angekündigt: Sidewalk Labs. Das neue Tochterunternehmen wird in New York angesiedelt sein und sich damit beschäftigen, wie das Leben in Städten verbessert werden kann. Zu den Zielen von Sidewalk Labs gehören beispielsweise die Reduzierung der Luftverschmutzung, bessere Mobilitätskonzepte und die Senkung der Lebenshaltungskosten. Geschäftsführer von Sidewalk Labs wird der ehemalige New Yorker Vize-Bürgermeister und zuletzt frühere Leiter von Bloomberg L.P., Daniel Doctoroff. Er beschreibt das Unternehmen als „urban innovation company“, das sowohl eigene Technologien entwickeln aber auch Zukäufe durchführen und Partnerschaften eingehen will, um seine Ziele zu erreichen.

 

Die grundsätzliche Herangehensweise von Sidewalk Labs ist es, stets das große Ganze und alle Faktoren die das Stadtleben beeinflussen im Zusammenhang zu betrachten, denn die städtischen Probleme seien alle miteinander verknüpft, so Larry Page. Das Mobilitätsangebot beeinflusse beispielsweise wo Leute hinziehen, das wirkt sich auf die Mietpreise aus, was wiederum die Lebensqualität beeinflusst. Mit dem Wissen um selbstfahrende Autos, den Informationen zu Smartphone-Aktivitäten, den Algorithmen von Google Maps und seinem gewaltigen Datenschatz und Analyse-Know-How bringt Google einen riesigen Pool an Möglichkeiten mit, um neue Lösungen für die Herausforderungen von Städten hervorzubringen. Auch große Technologieunternehmen wie IBM und Cisco arbeiten und forschen bereits seit Langem an technologischen Lösungen für effizientere und lebenswertere Städte. IBM beispielsweise setzt sein Know-How und für Verkehrsmanagement oder Wettervorhersagen ein. Sidewalk Labs hingegen möchte die Bürger stärker einbinden und Technologieplattformen entwickeln, bei denen die Bewohner ihre Ideen einbringen können, um beispielsweise die Energienutzung effizienter zu machen oder Pendelgewohnheiten zu ändern. „Sidewalk Labs plans to work in the huge space between civic hackers and traditional big technology companies“, so Daniel Doctoroff.

 

Noch ist nicht klar, welche Produkte, Partnerschaften und Technologien Sidewalk Labs plant und tatsächlich umsetzen wird. Deutlich wird aber durch dieses neue Google Projekt erneut, dass sich bisherige Zuständigkeiten und Kompetenzen zunehmend verschieben: Zum Gestalter wird der, der die Expertise und die nötigen Ressourcen mit sich bringt, auch wenn der Bereich nicht zu seinem Kerngeschäft gehört. Damit ist Google natürlich der Politik und einzelnen, kommunalen Stadtplanern meilenweit voraus. Google wird damit nicht nur einzelne Lösungen für städtische Probleme entwickeln, sondern womöglich durch eng verzahnte Ideen und Konzepte perspektivisch in der Lage sein, die Urbanistik tiefgreifender zu beeinflussen.

Wir sind gespannt, ob für Sidewalk Labs vorwiegend bereits generierte Daten genutzt werden, um Neues entstehen zu lassen oder wird das Projekt eine weitere Möglichkeit für Google ist, um eine Vielzahl neuer Daten zu sammeln? Wahrscheinlich beides.

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