Agenda 24/15

Am 08.06.2015 von Haruki

Konzerne verwechseln Digitalstrategie mit Investment in Digital Business

Die Digitalisierung der etablierten Geschäftsmodelle stellt die Unternehmen immer wieder vor Herausforderungen. Und eines lässt sich heute schon belegen: Je größer das Unternehmen, desto mehr Hürden haben sie bei der Umsetzung. Und während sich die einen schon wieder zurückziehen, wagen die anderen den nächsten Vorstoß: Die Deutsche Bank will hunderte Millionen in die Digitalisierung investieren und setzt dabei auf  Technologiepartner und Startup Kultur. Und die Post will sich wohl von ihren digitalen Werbe-Töchtern nugg.ad und IntelliAd trennen. Genaueres ist hierzu noch nicht bekannt, doch in beiden übernommenen Firmen verabschiedeten sich kürzlich die verbliebenden Gründer. Offenbar sind die Konzernstrukturen mit dem digitalen Geschäftsmodell noch nicht kompatibel und und den Gründern fehlt perspektivisch der Entwicklungsspielraum ihrer innovativen Ideen.

 

Das digitale Engagement der Deutschen Bank sieht wie folgt aus: Zusammen mit Microsoft in Berlin, HCL Technologies in London und IBM in Palo Alto will sie im Herbst diesen Jahres drei Innovation Labs eröffnen. Die Labore sollen offene Arbeitsplätze sein, wo sich junge Innovative Unternehmen der Finanztechnologie mit Vertretern der Bank austauschen. In den Labs sollen jedes Jahr mehr als 500 neue Startup-Ideen aus aller Welt zu bewertet werden. Das alles passiert vor dem Ziel, dass die Deutsche Bank alle Geschäftsbereiche, alle Produkte, Dienstleistungen und Prozesse, digitalisieren möchte. Dafür werden zunächst mehr als 200 Millionen Euro investiert und in den nächsten drei bis fünf Jahren bis zu eine Milliarde Euro.

Die Deutsche Bank verfolgt ein großes Ziel und ist bereit, darin zu investieren. Die Innovation Labs lösen bestimmt auch das Problem der Innovationsschwäche, die den etablierten Banken vorgeworfen wird. Das führt soweit, dass sie zunehmend unter Handlungsdruck geraten, da immer mehr Fintech-Startups auf den Markt drängen, einige sogar mit eigener Banklizenz. Doch kann das Vorhaben der Deutschen Bank hinsichtlich der ausgerufenen Digitalisierung der richtige Weg sein – kann auf diese Weise ein bisher überwiegend analog denkendes Kreditinstitut in ein digitales Banking-Unternehmen verwandelt werden? Die Initiative der Deutschen Bank erweckt den Eindruck, dass, das Kredithaus seine Digitalisierung eher wie ein Investment sieht: Technologiekompetenz soll durch die Partner Microsoft, HCL und IBM kommen, innovatives Startup-Denken und die dazugehörige Kultur durch die Einbindung der Jungunternehmen. Doch wie soll so das gesamte Unternehmen durchdrungen werden?

 

Die Deutsche Bank müsste radikal von ihrem Kerngeschäft und ihrem bestehenden Know-How aus denken und sich fragen, wie sich dieses digitalisieren lässt, was die Use-Cases ihrer Kunden sind. Anstatt durch Innovationszentren, losgelöst vom laufenden Geschäft, Digitalisierung „entwickeln“ zu wollen und auf Ideen und Lösungen von anderen zurückzugreifen. Die große Gefahr bei dem Ansatz besteht darin, dass viele, innovative „Silo“-Ideen gefördert werden. Was aber weit davon entfernt ist, das eigene Geschäftsmodell zu digitalisieren. Denn das setzt einen ganzheitlichen und geführten Prozess voraus. Ein Prozess, der auch von innen nach außen gesteuert wird und nicht ein Prozess, der nur von außen andockt.

Wohin das führen kann zeigt das Beispiel der Post: Natürlich waren, bzw. sind, die beiden damals zugekauften Marketing-Spezialisten innovativ, kreativ und voller digitaler Kompetenz. Der Post-Konzern und seine Produkte blieben trotzdem was sie waren. Die Anschlussfähigkeit an das Unternehmen ist gescheitert. Denn digital wird man nicht einfach – entweder man ist es, oder man muss es von innen heraus werden, indem man sein Mindset, die Unternehmenskultur, von Grund auf ändert und alte Strukturen aufbricht. Von außen lässt sich das in der Regel eben nicht so einfach einpflanzen.

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