Agenda 23/15

Am 01.06.2015 von Haruki

Google’s “Project Abacus”: Eindeutige Identifikation über individuelles Nutzerverhalten

Jeder Mensch ist anders, jeder ein Unikat. Das gilt auch für unseren Umgang mit digitalen Medien und Devices: Jeder Smartphone-, Tablet- und Computer-Nutzer hat ein ganz individuelles Nutzerverhalten, eine eigene Tipp- und Bedienungsweise, eine eigentümliche Wortwahl und ein ebensolches Surfverhalten, ein individuelles Set an Apps und eine individuelle Art diese Apps zu nutzen. Sammelt man genügend Daten, lässt uns unser Verwendungsprofil einzigartig werden. Das weiß auch Google und entwickelt derzeit zusammen mit 33 Universitäten eine Möglichkeit, solche Verwendungs- und Verwenderdaten zu verknüpfen, um User darüber eindeutig identifizierbar zu machen. “Project Abacus” heißt das Vorhaben, das letzte Woche auf der jährlichen Entwicklerkonferenz Google I/O vorgestellt wurde. Sein Ziel: Die eindeutige User-Identifikation, die Logins und Passwörter in Zukunft obsolet machen soll.

 

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Quelle: www.filckr.com, Photographer: Carlos Luna

 

Google möchte mit Abacus eine Alternative zu bisherigen Authentifizierungsmöglichkeiten schaffen, allen voran dem Login-Passwort-System. Mit der steigenden Zahl an Anwendungen und Plattformregistrierungen erweist sich das Passwort-System zunehmend als unpraktisch, da Passwörter für verschiedene Dienste oft unterschiedlich sind und einer unterschiedlichen Syntax gehorchen müssen. Noch komplexer wird es, wenn Systeme uns zwingen, unsere Passwörter regelmäßig zu wechseln. Das ist aufwändig. Auch alternative Systeme wie der Fingerabdruck-Scanner oder die Gesichtserkennung, sind nicht besonders sicher, da sie sich leicht überlisten lassen. Google sucht nach einem System, das automatisiert funktionieren kann und das sich nicht überlisten lässt.

 

Umberto Eco hat in seiner Definition der Semiotik einmal sinngemäß gesagt: Zeichen existieren überall dort, wo man lügen kann. In einem kognitiv gesteuerten Vermittlungskontext stimmt das auch. Doch manche Zeichen lassen sich nicht kognitiv kontrollieren. Körperzeichen zum Beispiel: Wenn uns etwas peinlich ist, erröten wir. Wenn uns zu warm ist, schwitzen wir. Wenn uns zu kalt ist, zittern wir. Die Mitteilungen unseres Körpers entziehen sich unserer Kontrolle. Wenn wir digitale Devices nutzen, dann nutzen wir sie auf eine eigentümliche Art und Weise, die sich nicht bewusst kontrollieren lässt. Und implizit erzeugen wir so auswertbare Informationen – Zeichen, die nicht lügen.

 

Mit Project Abacus arbeitet Google an der Entwicklung eines multimodalen Systems, das dauerhaft prüft, ob ein Nutzer wirklich der ist, für den er sich ausgibt. Neben dem Nutzungsverhalten sollen auch bekannte Techniken wie Sprach- und Gesichtserkennung in das System eingebunden werden. Anhand der Auswertung dieser Daten, errechnet Abacus einen Scoring-Wert, der die Wahrscheinlichkeit angibt, ob es sich um den tatsächlichen Nutzer handelt. Geht Abacus davon aus, dass sich eine fremde Person für den Anwender ausgibt, werden automatisch sofort sicherheitsrelevante Dienste des Geräts gesperrt.

 

An all die nötigen Daten zu kommen, dürfte für Google nicht das Problem sein. Einen großen Teil der relevanten Daten sammelt der Konzern ohnehin schon und die entsprechenden Sensoren sind ohnehin mittlerweile in jedem Smartphone eingebaut. Entscheidend ist die intelligente Auswertung und Verknüpfung der Daten, so, dass eine wirklich eindeutige Authentifizierung möglich ist. Derzeit befindet sich Abacus noch in der Test-Phase, erste Prototypen gibt es aber bereits. Ob, wann und in welcher Form, ob als eigenständige App oder als Software-Update, Google Abacus veröffentlicht wird, ist noch nicht bekannt. Spannend wird sein zu beobachten, wie Nutzer auf Abacus reagieren. Gerade in Zeiten, in denen die Reichweite der NSA neu und intensiv auf mehreren politischen Bühnen verhandelt wird und diverse Ausspähaffären den politischen Alltag prägen, dürften nicht alle begeistert davon sein, dass Google uns künftig alle eindeutig identifizierbar machen will.

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