Agenda 19/15

Am 04.05.2015 von Haruki

Etsy verkauft jetzt auch offline

Etsy, der Online-Marktplatz für Selbstgemachtes, hat eine Kampagne gestartet, um seine Verkäufer enger mit dem stationären Handel in Interaktion zu bringen und sie darüber weiter aufzuwerten und zu professionalisieren. „Open Call“ heißt die Aktion, bei der Etsy-Verkäufer sich zunächst via Instagram mit Bildern ihrer Produkte bewerben. Etsy wählt auf Basis der Bilder 50 Designer aus, die im Rahmen eines Pitches, der am 21. Juli 2015 stattfinden soll, großen Retailern, wie z.B. die US-amerikanischen Kaufhausketten Nordstrom und West Elm, sich selbst und ihre Produkte vorstellen dürfen.

 

Die zum Pitch eingeladenen Händler sind allesamt Mitglieder von Etsy Wholesale, eines separaten Bereichs auf der Plattform, in dem Einzelhändlern Produkte von Künstlern und Designern exklusiv präsentiert werden. Händler können hier direkt mit den Designern in Kontakt treten und Bestellungen für die kommende Sommer Saison aufgeben. Mit Etsy Wholesale übernimmt Etsy nun auch Großhandelsfunktion. Von den Designern, die sie im Pitch überzeugen, kaufen Händler dann Produkte, die in den jeweiligen Läden in einem separaten Bereich und mit speziellem Labelling „Etsy + Retailer“ in Verbindung mit der jeweiligen Geschichte des Designers präsentiert werden.

 

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© Etsy

 

Etsy möchte auf diesem Weg das eigene Online-Geschäft in den stationären Handel hinein verlängern. Und tatsächlich profitieren davon alle Beteiligten: Etsy profitiertin der Großhändlerrolle und durch die zusätzlich generierte Sichtbarkeit im stationären Retail; die Designer steigern ihre Sichtbarkeit und Bekanntheit, werden zur Marke und gewinnen zusätzliche Reputation aufgrund der Tatsache, dass ihre Produkte von großen und namhaften Kaufhausketten angeboten werden; und zu guter Letzt profitiert natürlich der Handel, der sich durch ein exklusives Independent- und Do it Yourself-Sortiment neue, etsy-affine Käuferschichten erschließt. Durch die Integration von Sortimenten außerhalb des Mainstream macht sich letztlich auch der Handel attraktiver.

 

Bisher ist der „Etsy Open Call“ eine einmalige Aktion, aber die Idee lässt sich weiterdenken: Der nächste logische Schritt wäre eine dauerhafte Kooperation zwischen Etsy und stationären Händlern mit der Installation von Etsy-gebrandeden Shop in Shop Systemen: Komplementäre Kooperation statt Konkurrenz. Die permanenten Shop in Shop Systeme könnten ohne festes Sortiment stets die angesagtesten Produkte ausgewählter und vom Handel kuratierter oder zertifizierter Etsy-Designer anbieten und den Kaufhäusern so Alleinstellungsmerkmale liefern. Eine Win-Win-Win-Situation, von der nicht zuletzt auch wir Kunden profitieren.

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