Agenda 17/15

Am 20.04.2015 von Haruki

Hannover Messe 2015: Wie Roboter zu Kollegen werden und warum wir uns trotzdem keine Sorgen um unseren Job zu machen brauchen

Roboter haben in den letzten Jahrzehnten die industrielle Fertigung für sich erobert und halten auch in andere Bereiche unseres privaten und beruflichen Lebens Einzug. Sie gleichen sich uns Menschen in ihrem äußeren Erscheinungsbild immer mehr an und scheinen durch die zunehmende Vernetzung und bessere Algorithmen stetig intelligenter und besser zu werden. Eine Entwicklung, die auf uns Menschen gelegentlich beunruhigend wirkt: Wie soll der Mensch perspektivisch mit der Entwicklungsgeschwindigkeit des Roboters Schritt halten können? Schon heute saugt ein Staubsaugerroboter den Boden gründlicher wir selbst es tun. Vielleicht macht er auch bald die Steuererklärung, schneller und fehlerfreier? Und wenn er schon dabei ist: Warum nimmt er uns nicht auch alle beruflichen Verpflichtungen ab? Bestimmt erledigt er die auch schneller, genauer und günstiger? Ist der Roboter ein Freund des Menschen? Empfindet er uns als ebenso hilfreich, wie wir ihn? Braucht er uns noch? Bereits heute unterstützen Operationsroboter den Chirurgen bei der Arbeit, BigData-Software ersetzt die anwaltliche Beratung etc.. “Diese Entwicklung wird so weitergehen”, prognostizieren Experten und Trendforscher: Tätigkeiten, die lange Zeit als zu komplex galten, um sie zu automatisieren, werden perspektivisch in die fürsorglichen Hände der Robotern gegeben werden. 

 

Ein Blick auf die diesjährige “Hannover Messe” zeichnet ein etwas anderes, weniger beängstigendes Zukunftsbild, das der Beziehung zwischen Mensch und Roboter eine positivere Zukunftsaussicht lässt. Denn die Zeichen stehen auf Kollaboration, nicht auf Konkurrenz von Mensch und Roboter. Die “Hannover Messe” gilt als eine der wichtigsten Industriemessen und stellt jährlich neueste Entwicklungen für alle Bereiche der industriellen Wertschöpfung vor. Schon in den letzten Jahren war die Robotik eines der spannenden Themen. Dieses Jahr stehen neue Interaktionsmuster im Vordergrund, neue Use-Cases und Anwendungskontexte. Die Frage, die kreative Ingenieure und Entwickler antreibt ist, wie die Interaktion und Zusammenarbeit zwischen Mensch und Roboter intensiviert werden kann. Waren Roboter bisher vor allem Bestandteil geschlossener Systeme, die losgelöst von der durch Menschen erbrachte Arbeit präzise ihre Aufgaben verrichteten, scheint die neue Robotergeneration in der Lage zu sein, im direkten Zusammenspiel mit Menschen zu funktionieren. Möglich wird das über integrierte Kraft- und Drehmomentsensoren, die sensibel auf jegliche Form von Widerstand reagieren. Mensch und Roboter können so in derselben Umgebung – sozusagen Hand in Hand – arbeiten. Beispiele sind etwa der Zweiarm-Roboter “YuMi” des Automatisierungsspezialist “ABB”, die auf die Kleinteilmontage im Bereich Elektrotechnik spezialisiert sind. Ausgestattet mit zwei flexiblen Greifhänden können diese Roboter auch in gemischten Umgebungen Schrauben und andere Kleinteile aufnehmen und zielgerichtet anbringen oder verarbeiten.  Weitere kollaborative Roboter zeigen “Bosch” oder “Universal Robots”.

 

Das Unternehmen “Kuka Robotics” geht noch einen Schritt weiter und lässt Mensch und Roboter miteinander verschmelzen. Im Rahmen des Roboter-Wettbewerbs “Kuka Innovations Award” stellt das Team des “Biorobotics Institute” der “Scuola Superiore Sant’ Anna” in Pisa ein selbstentwickletes Exoskellt für den Arm vor, das direkt mit einem Roboterarm verbunden ist. Der Träger kann so nicht nur eigene Bewegung unmittelbar auf den Roboterarm transportieren, sondern auch Empfindungen des Roboters miterleben. Die Kräfte, die auf den Roboterarm einwirken werden für den Verwender spürbar und so als haptische Repräsentanz erlebbar.

 

Es ist anzunehmen, dass Mensch und Roboter in den nächsten Jahrzehnten zunehmend eine symbiotische Beziehung eingehen werden. Roboter werden zunehmend spezialisierte Arbeitsabläufe begleiten. Auch in der Industrie 4.0 werden sie den Menschen aber nicht aus ihrem Wirkungsfeld verdrängen, sondern ihn ergänzen und komplementär unterstützen. Wir Menschen werden lernen müssen, mit Robotern und ihren Fähigkeiten umzugehen und sie produktiv für sich zu nutzen.

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