Agenda 15/15

Am 08.04.2015 von Haruki

Amazon: Online-Shopping ohne Website und Smartphone

Amazon stellte Ende März einen neuen Shopping-Assistenten vor, den sogenannten “Dash Button“. Der “Dash Button” ist ein kleines Gerät mit nur einem Knopf. Es lässt sich an verschiedenen Stellen im Haushalt anbringen und zwar bevorzugt dort, wo Gebrauchsgüter oder Verbrauchsmittel zum Einsatz kommen, die verschleißen oder zur Neige gehen. Drückt man den entsprechenden Knopf, bestellt der bei Amazon automatisch ein bestimmtes Produkt: Kaffeepulver, Waschmittel, Küchenrollen etc.. Stellt man beispielsweise fest, dass die sich der Aromapack mit den Kaffeebohnen bedrohlich leert, genügt ein Druck auf den Knopf und es werden neue Kaffeebohnen nachbestellt und von Amazon geliefert.

 

Das Prinzip ist denkbar einfach: Jeder Button ist einem bestimmten Produkt zugeordnet und wird dort angebracht, wo der Implus, einen Substitutionskauf zu tätigen am unmittelbarsten erlebt wird: im Fall des Kaffees ist das die Kaffeemaschine; im Fall des Waschpulvers, die Waschmaschine usw. Der Dash Butten wird vom Verwender entsprechend konfiguriert. Derzeit lässt uns Amazon aus 257 Produkten und zwischen 18 Marken wählen. Der “Dash Button” verbindet sich über die Amazon-App mit dem heimischen WLAN und dem Amazon-Prime-Konto. Das Drücken des Buttons ersetzt die One-Click-Kaufoption auf der Amazon-Website. Um versehentliche Mehrfachbestellungen zu vermeiden, werden neue Bestellungen erst möglich, wenn die vorherige ausgeliefert wurde. Darüber hinaus lässt sich jede Bestellung innerhalb von 30 Minuten über die App stornieren. Der “Dash Button” wird derzeit in den USA mit ausgewählten Prime-Kunden getestet. Eine Einführung in Deutschland ist bislang nicht terminiert.

 

Die Idee hinter dem “Dash Button” ist den Einkaufsprozess nahtloser und direkter zu gestalten: Der Zeitpunkt der Bedarfserkennung, der Kaufentscheidung und des tatsächlichen Kaufs fallen zusammen. Hier kann der stationäre Handel nicht mithalten, auch wenn er Bedarf – aufgrund der dgeografischen Nähe – meist schneller, wenn auch weniger convenient erfüllen kann. Vorläufer und Namenspate des “Dash Buttons” war ein Produktscanner mit Namen “Dash “, der es dem Kunden ermöglichen sollte, über das Einscannen eines Barcodes Produkte zu bestellen: Eine Art Scanner-Kasse für zuhause (siehe dazu unseren Blogeintrag vom April letzten Jahres). Seit letztem Jahr gibt es außerdem die App “Flow“, die Gegenstände über die Smartphone-Kamera identifiziert und daraufhin dem Nutzer einen Link zum Sofortkauf zukommen lässt. Der sprachgesteuerte Einkaufsassistent Echo bleibt näher an traditionellen Verhaltensmustern, indem er den Nutzer darin unterstützt, Einkaufslisten – quasi auf Zuruf – zu erstellen.

 

Amazons neuestes Patent hört auf den klangvollen Namen „Anticipatory Package Shipping“. Hier geht Amazon einen Schritt weiter: Der Kauf wird vor den Zeitpunkt der Bedarfserkennung verlegt. Wie das geht? Auf Basis der Amazon Algorithmen werden Wünsche und Bedarfe “antizipiert” und erfüllt, noch ehe sie formuliert oder bewusst werden. Amazon liest uns Wünsche von den Augen ab – und braucht unsere Augen dafür nicht mal zu sehen. Wir bekommen Produkte nach Hause geliefert, von denen Amazon’s patentierter Algorithmus weiß, dass wir sie gerne haben würden. Operative Grundlage dafür sind Daten aus vergangenen Bestellungen, Produktsuchen und Wunschlisten ebenso wie Präferenzen und Entscheidungen anderer Kunden mit ähnlichem Profil. Im Herbst diesen Jahres soll ein weiteres Service-Modul hinzugefügt werden: der Dash “Replenishment Service“. Geräte wie z.B. Kaffeemaschinen oder Drucker bestellen Kaffeebohnen oder Tinte automatisch nachbestellen, wenn die Füllstände entsprechend sinken.

 

Der “Replenishment Service” wie auch das „Anticipatory Shipping“ sind noch “konsequentere” Konzepte als der “Dash Button”, denn sie lösen Transaktionen ganz ohne unser eigenes Zutun aus. Die Versuchung, ein wünschenswertes Produkt, das wir kostenfrei nach Hause geliefert bekommen, nicht zurückzuschicken, ist groß. “Digital ist besser” hieß eine Platte von Tocotronic aus dem Jahr 1995. Der Offline-Handel muss sich dieser Erkenntnis beugen. Oder eigene digitale Konzepte entwickeln und implementieren.

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