Agenda 14/15

Am 31.03.2015 von Haruki

Das Einkaufserlebnis von heute: luxuriös und multisensorisch

Da es der stationäre Handel immer schwerer hat, gegen die Online-Shops anzukommen, muss er sich wandeln und differenzieren. Neuestes Beispiel wie das aussehen kann ist die Shopping-Mall „Minto“ in Mönchengladbach, welche vergangenen Samstag offiziell eröffnete. Schon beim Namen fängt die Besonderung an: „Minto“ wurde durch einen regionalen Namenswettbewerb der Bewohner ermittelt und bedeutet im lokalen Dialekt „meins“. Innen wie außen wurde alles dafür getan, dass für die Besucher der Einkauf zu einem Erlebnis wird. Beispielsweise gibt es fünf verschiedene „Highlight-Innenfassaden“ mit klangvollen Namen wie „Glamour Walk“ oder „Noble Sensation“ die durch unterschiedliche Materialien, Formen, Düfte und Klänge den Kunden ein multisensorisches Einkaufserlebnis bescheren sollen. Außerdem gibt es Baby-Lounges für Mütter und Kleinkinder sowie Spielbereiche für Kinder, Aufladestationen für Elektro-Fahrräder und andere Devices, dreisprachige Hostessen, kostenloses W-Lan im gesamten Einkaufscenter und XXL-Familienparkplätze. Und das waren nur einige wenige Beispiele: Die Mall hat ein 4-Sterne-Niveau, das sich durch über 600 zu erfüllende Kriterien auszeichnet. Auf vier Ebenen gibt es 104 Geschäfte, über 10 Prozent der Fläche beherbergt Gastronomen. Das ist beeindruckend. Kein Ort an dem man eben mal schnell etwas besorgt, sondern ein Ort, zu dem man einen Ausflug macht mit der Intention, dort zu essen, zu verweilen und natürlich zu shoppen.

 

Den Gedanken, alles unter einem Dach anzubieten ist natürlich nicht neu und hat auch schon so manche Evolutionsstufen hinter sich. Nachdem in den 50ern die Kaufhäuser mit “1000fach unter einem Dach” ihr One-Stop-Schopping ausriefen und die Kunden damit lockten wurden ihre umsatzstärksten Abteilungen in den 80er Jahren von den spezialisierten Category-Killern wie MediaMarkt, Saturn, ToysR’Us und Sport Scheck stark unter Druck gesetzt und schnell kamen auch die großen Shopping-Malls, in denen der Kunden dann wieder viele, spezialisierte Händler unter einem Dach hatte. Player wie Quelle und Hertie sind schon komplett verschwunden und Kaufhof und Karstadt kämpfen auch weiterhin mit sinkenden Umsatzzahlen – wie die Category Killer aufgrund des Online-Handels mittlerweile ja auch. Lediglich die Luxus-Häuser wie KaDeWe, Alsterhaus etc. vermelden noch konstante Zahlen. Karstadt hatte es 2014 noch einmal probiert  und wollte mit der ehemaligen IKEA Managerin Eva-Lotta Sjöstedt eine Wiedergeburt des Kaufhauses einleiten. Doch auch das neue Konzept, das auf Inspiration abzielte, war nicht erfolgreich. Das Erlebnis fehlte, das Drumherum um die Shop-in-Shops, die Möglichkeit den Besuch als Ausflug deklarieren zu können. An sich ist solch ein Premium-Erlebnis-Konzept wie es „Minto“ verfolgt der richtige Angang, um auf die veränderten Handelsbedingungen und Konsumgewohnheiten zu reagieren und das Einkaufserlebnis gewollt und inszeniert zu steigern. Es geht um eine echte Inszenierung von Produkten und nicht mehr um die bloße Präsentation und Warenverfügbarkeit. Das beweisen auch die Zahlen: Ca. 80.000 Besucher kamen zur Eröffnung. Denkt man das jedoch weiter, kommt man unweigerlich wieder zu der alten Frage: Kaufen die Konsumenten nun mehr oder einfach nur an einer anderen Stelle? Was natürlich die Frage nach sich zieht, wie bei einer erfolgreichen Etablierung multisensorischer Malls unsere Innenstädte in Zukunft aussehen werden? Werden nur noch die Flagshipstores der teuren Marken in den A-Lagen der Innenstadt vertreten sein, werden die B-Lagen von den “Restposten-Läden” überflutet und wird der Rest einen flächendeckenden Immobilienleerstand erleben? Und wie wirkt sich ein solches Bild dann wieder auf die Luxustempel aus? Fakt ist, dass auch die regionale Infrastruktur einen Einfluss darauf hat, wie gut eine solche Mall funktioniert. Wenn Mall und Stadt und damit auch die jeweils ansässigen Händler zusammenarbeiten, dann lassen solche Mall-Konzepte hoffen, dass sie den stationären Handel weiterhin positiv in der Abgrenzung zum Online-Handel unterstützen. Denn dann profitieren nicht nur auch die Cafés und kleinen Boutiquen sondern auch die Stadt selbst davon. Wir bleiben gespannt.

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