Agenda 14/15

Am 31.03.2015 von Haruki

Adobe’s Innovation-Kit: eine Box für neue Ideen

Der amerikanische Software-Hersteller Adobe stellt seinen intern entwickelten Innovationsprozess für Mitarbeiter der Öffentlichkeit zur Verfügung. Das Programm heißt Kickbox und soll Mitarbeiter von Großunternehmen dazu befähigen, Ideen für ihr Unternehmen selbständig auszuarbeiten und auf den Weg zu bringen. Die Kickbox ist tatsächlich ein physischer, roter Pappkarton in dem sich ein Ablaufplan mit verschiedenen Tools und Innovationstechniken befindet, wie z.B. eine Scorecard um Ideen zu bewerten oder ein Vordruck eines Business Model Canvas, aber auch eine Prepaid-Kreditkarte mit 1.000 Dollar zur freien Verfügung. Der Ablaufplan umfasst sechs Stufen: Inception, Ideate, Improve, Investigate, Iterate und Infiltrate. Alle Inhalte der Box sind zum freien Download unter Creative-Commons-Lizenz verfügbar.

Beschäftigte, die an dem Programm teilnehmen, können sich bei Adobe für bis zu 40 Prozent ihrer Arbeitszeit freistellen lassen. Zusätzlich bekommen sie Workshops, die ihnen den Inhalt der Kickbox und der Umgang mit ihr näher bringen. Bisher haben bei Adobe rund 1.000 Mitarbeiter solch eine rote Box bekommen, 60 von ihnen brachten den Prozess zu Ende, davon durften 23 ihre Idee beim Management vorstellen. Bisher ist keine Idee bekannt, die es in die Umsetzung schaffte.

 

Die Idee hinter dem Programm ist: Je mehr Ideen ein Unternehmen verfolgt, desto wahrscheinlicher ist es, etwas Revolutionäres hervorzubringen. Dieser Ansatz ist vorbildlich und prinzipiell auch richtig gedacht. Doch grobe Prozessschritte zu identifizieren, zu wissen, dass es im Innovationsprozess Widerholungsschleifen gibt oder geben muss und welche Tools bei der Ideenfindung und Bewertung helfen – das allein ist kein Geheimnis. Die unzähligen Bücher über Innovationsprozesse, die man dazu kaufen kann beweisen dies. Die Kunst und Schwierigkeit, Innovationen zu identifizieren und umzusetzen liegt darin, in der Lage zu sein, die einzelnen Stufen tatsächlich zu durchlaufen. Zu erkennen, wann welche Schleife noch einmal gedreht werden muss, wann welche Bewertungen und Insights notwendig sind und welchen Nutzen man daraus für seine Idee ziehen kann. Deshalb tun sich viele Unternehmen, vor allem große, bei denen Geschäftsprozesse komplexer werden, oftmals so schwer damit, Innovationen selbständig auf den Weg zu bringen. Es wäre zu schön um wahr zu sein, wenn Großunternehmen mit dem Kickbox-System schlagartig ihre Innovationsschwierigkeiten beseitigen könnten.

Erfinderisches Denken mit radikalen und nutzerorientierten Ideen entsteht sehr häufig in der Interdisziplinarität einer Gruppe, die ergebnisoffen aber zugleich strukturiert und ergebnisorientiert moderiert wird. Dazu bedarf es der richtigen Mischung aus Kollaboration, Selbstorganisation und Kreativitätstechniken. Für einzelne Personen, allein mit einem theoretischen Ablaufplan ausgestattet, ist das schwer zu managen. Nichtsdestotrotz ist die Kickbox eine gute Sache: Sie bietet die Chance, die Innovationskultur im Unternehmen zu stärken, die Mitarbeiter zu motivieren und dazu anzuregen, sich Ideen auszudenken und dafür einzustehen. Die gezielte Führung durch den Innovationsprozess von Unbeteiligten ersetzt sie nicht.

1 Kommentar

  1. Daniel Bartel am 10.04.2015

    Wir haben die Innovation-Kickbox auf die Bedürfnisse des deutschen Marktes angepasst, zu finden auf http://innovation-kickbox.de

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