Agenda 12/15

Am 16.03.2015 von Haruki

Digitale Teilhabe über Twitter, Youtube und Co: Mittendrin statt nur dabei

Das Deutsche Sportfernsehen (DSF) warb im Jahre 2000 mit dem Claim “Mittendrin statt nur dabei”. Ein attraktives Versprechen – vor allem für Sportfans: Auch wenn man als Zuschauer nur vor dem heimischen TV-Gerät saß, wollte das DSF ein Sporterlebnis zugänglich machen, dass überdimensionale Sportereignisse ins eigene Zuhause holt. Fast so als stünde man mit den Fußballkumpels im Stadion, gemeinsam trauernd, bangend, jubelnd.

 

Digitalisierung und technischer Fortschritt schaffen fortwährend neue Möglichkeiten virtuell an bedeutsamen Erlebnisse teilzuhaben, die in Realität unerreichbar für uns sind. Der Videodienst „Meerkat“ ermöglicht es zum Beispiel, mit wenig Aufwand Videos live über Twitter zu streamen: Scheint uns ein Vortrag, den wir gerade verfolgen, teilenswert, stellen wir ihn unseren Followern live auf unserer Twitter-Timeline zur Verfügung. So werden individuelle Erlebnisse in Echtzeit mitteilbar und erzeugen soziale Teilhabe. Der Kreis der Teilhaber ist dabei vom Anlass abhängig. Denn ein Mehrwert der App ist die Möglichkeit, über Twitter’s soziale Filterlogik persönliche Erlebnisse nur einem ausgewählten Personen zuzuspielen.

 

Einen anderen Weg schlägt Youtube ein. Die Videoplattform erweitert ihren Feature-Katalog um die Möglichkeit, 360-Grad-Videos zu erstellen. Das ganze sieht dann im Ergebnis aus wie ein interaktives Bild aus “Google Streetview”. Leider lässt die Bildqualität momentan noch zu wünschen übrig. Dennoch zeigt etwa das After-Movie von “Tomorrowland”, einem der größten und gefragtesten Techno-Events überhaupt, worin der Mehrwert der Rundumsicht perspektivisch liegen kann. Das Video erzeugt beim Betrachter den Eindruck, er sei selbst Teil eines tanzenden Publikums: eben mittendrin, statt nur dabei.

https://www.flickr.com/photos/mixtribe/10290811956/in/photolist-gFn6Sm-b29tKx-hf3tG2-6ep5Vx-GHTWL-cGRgeA-nfHSgf-dax4AY-gAQspP-cyXAG-FodV-8z5GBg-9vicCQ-odCXkN-odCNHC-5y4Ryv-ov7Wfo-odF61o-ouWZqy-ov74oU-fgHsZ2-a6x7ij-9K9eVh-fDpavD-8h33c8-7f9emB-7EkXkf-ouTssK-ouSv98-fhceVN-odD3NJ-odBasj-odDQq2-abyYQ2-owU8MX-odD4ws-ouRCBg-owTs1c-odEDgh-odBC67-ouPV36-ouRaSz-fDpaDx-odBAZF-odCUtW-8UhWvu-acvDfz-ouRecR-k6vRKM-a6jPxy

www.flickr.com Photographer: Mixtribe[JPN]

Einen kleinen Vorgeschmack darauf, wie räumliche Grenzen sich perspektivisch auflösen lassen und durch immersive Erlebnisse substituiert werden, zeigt uns ein Promotion-Video für die neue VR-Brille “Samsung Gear VR”. Das Video erzählt die Geschichte eines Vertriebsagenten, der die Geburt seines Sohnes (oder seiner Tochter?) zu verpassen droht. Doch obwohl seine Frau das Kind in 4.000 Kilometer Entfernung zur Welt bringt, verschafft Samsung dem Vater die Möglichkeit, an der Geburt des Kindes teilzuhaben – begleitet von treibenden Gitarren und schönstem Coldplay Kitsch. Eine bewegliche Kamera im Kreissaal wird dazu mit der VR-Brille synchronisiert. Über die Brille getrackte Kopfbewegungen des Vaters werden an die Kamera übermittelt und mitvollzogen. 4000 km entfernt – und doch steht der Vater scheinbar mitten im Kreissaal. Trotz überzogener Inszenierung und pseudoemotionaler Überfrachtung zeigt das Video, was in Zukunft technisch möglich sein soll.

 

Geht man von einer zunehmenden Verbreitung solcher Devices aus, lassen sich nachvollziehbarere Anwendungen denken. Zum Beispiel ist es vorstellbar, dass wir bald alternativ zu Konzertkarten einfach nur noch einen Kameraslot buchen und das Konzert anschließend von zu Hause auf verfolgen. Die technischen Möglichkeiten sind auf jeden Fall gegeben. Sicherlich wird es sobald keine VR-Erfahrung schaffen, das multisensorische Erleben echter Partizipation authentisch nachbilden zu können. Dennoch bieten die neuen Bewegtbildformate neue Möglichkeiten, Marken und Produkte digital erlebbar zu machen und bedeutsame Interaktionen zu initiieren.

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