Agenda 11/15

Am 09.03.2015 von Haruki

Project Ara: Das Smartphone nach dem Bauklötzchen-Prinzip

Ob in der Bahn, im Restaurant oder sogar im Kino. Zu fast jeder erdenklichen Gelegenheit – angeblich bis zu 1500 mal pro Woche – greifen wir fast schon automatisch zu unserem Smartphone, sei es, um uns den nächsten Supermarkt anzeigen zu lassen, den Song der gerade in der Kinowerbung gespielt wird zu shazamen oder einfach nur zu erfahren, was unsere Freunde gerade machen und natürlich um zu telefonieren. Wir haben uns daran gewöhnt, das Smartphone als unseren ständigen Begleiter dauerhaft bei uns zu tragen. Denn in unserem Alltag begegnen wir ständig Dingen, die wir begehren, Problemen, die es zu lösen oder Fragen, die es zu beantworten gilt. Und überraschend oft kann uns das Smartphone – die passende App vorausgesetzt – helfen mit diesen Dingen umzugehen.

 

Wozu wir das Smartphone nutzten, trägt dabei meist unsere ganz eigene Handschrift. Mit jeder App, die wir installieren, erschließen wir neue Lebensbereiche, in denen wir die vielseitigen Technologien des Smartphones nutzen und geben dem Smartphone so eine zusätzliche Bedeutung. Für Musikbegeisterte wird das Smartphone so zum besseren MP3 Player, für Weltenbummler zum Kameraersatz und für Sportfanatiker zum Trackinggerät. Die Verwendungsmuster des Smartphones sind so vielseitig wie seine Einsatzmöglichkeiten. Die Bedeutung und Rolle, die wir ihm beimessen v.a. davon Abhängig, welche Apps wir auch tatsächlich bereit sind, zu nutzen. Das Smartphone wird so zu einem sehr persönlichen Gegenstand, denn seine Bedeutung bekommt das Gerät erst dadurch, dass wir Apps auf ihm installieren und bereit sind, resultierende Nutzungsmuster für uns persönlich zu erschließen. Aber bisher bleibt die Individualisierung durch die Apps nur auf der Software Ebene.

Da wundert es doch umso mehr, dass die Nutzer auf Seite der Hardware noch immer an die standardisierten Modelle der Hersteller gebunden sind. Zwar herrscht auch bei den Herstellern ein Bewusstsein darüber, dass sich Verwendungskontexte und Ansprüche an das Gerät häufig unterscheiden können, so gibt es beispielsweise Smartphones, die eine besonders gute Kamera oder einen besonders guten Sound haben oder aber sehr robust oder ultraleicht und filigran sind. Nichtsdestotrotz ist der Nutzer stets an einen festen Katalog von Leistungsspezifikationen gebunden ohne direkt auf diese Einfluss nehmen zu können.

 

Abhilfe möchte jetzt die Firma Yezz in Kooperation mit dem Suchmaschinengiganten Google schaffen. Gemeinsam arbeiten sie am “Project Ara”, dahinter verbirgt sich die Idee eines modularen Smartphones. Auf dem diesjährigen  “Mobile World Congress” in Barcelona wurden nun erste Modulbausteine vorgestellt. Zwar waren die für die Messebesucher nur durch eine Glaswand zu betrachten, als Mock-up-Variante konnte man das Gerät jedoch auch schon auf der Messe selbst anfassen und eine Vorstellung davon gewinnen, wie das fertige Produkt aussehen wird. Die Idee ist ähnlich simpel, wie genial: Auf einem Grundgerüst – die Entwickler nennen es Endoskelett – kann die gesamte Hardware des Smartphones nach dem Bauklötzlichen-Prinzip zusammengesetzt werden. Über elektropermanente Magnete wird sichergestellt, dass die einzelnen Teile auch zusammenhalten. Das Herzstück bildet dabei ein sogenanntes APU-Modul, das bereits Arbeitsspeicher, Prozessor und ein speziell angepasstes Android-Betriebssystem beinhaltet.

Alle weiteren Spezifikationen können frei nach eigenen Vorstellungen durch den Nutzer konfiguriert werden. Fotobegeisterte statten ihr Smartphone beispielsweise mit der extra leistungsstarken 20 Megapixel Kamera aus, Videospieler wiederum integrieren eine zusätzliche NFC-Schnittstelle um einen Kontroller anschließen zu können. Bei “Project Ara” kann sich jeder sein persönliches Smartphone nach eigenen Bedürfnisse und Vorstellungen zusammen bauen.

 

Mit welchen zusätzlichen Modulen wir in Zukunft noch rechnen dürfen bleibt abzuwarten. “Project Ara” ist komplett als Open-Source-Projekt angelegt, was viel Ideenspielraum zulässt. Die einzelnen Module sollen auf einem Online-Marktplatz (ähnlich dem Google Play Store) vertrieben werden. Jeder der sich aufgerufen fühlt, sich am Entwicklungsprozess zu beteiligen, kann sein Modul – vorausgesetzt es hält der Zertifizierungsprüfung durch Google stand – über den Onlinestore vertreiben.

 

Die Rückseite des Project-Ara-Prototypen

Quelle: www.zeit.de

                                                                                                                                                                 

Die Markteinführung von “Project Ara” ist noch für dieses Jahr geplant und ein Basismodell lässt sich wahrscheinlich schon für 50 EUR erwerben. Was das Gerät natürlich auch für die Open-Source Entwickler wieder interessant macht, da es sich von der Kostenstruktur einem breiten Markt stellen wird. Und mit dem niedrigen Basispreis ist auch noch genügend Luft für ein paar individuelle Module.

 

Auch ökologisch betrachtet bietet “Project Ara” deutliche Vorteile zu den derzeitigen Geräten. Denn ist ein Smartphone erst einmal kaputt, landet es beim Elektroschrott und wenn es veraltet ist, wird ein aktuelleres Gerät gekauft, obwohl dort vielleicht nur die Kamera mehr kann. Beide Fälle haben eine negative Auswirkung auf die Ökobilanz, da mehr neue Smartphones als nötig produziert werden und damit mehr Rohstoffe als nötig verbraucht werden. Vielleicht tauschen wir dann in Zukunft die kaputte oder veraltete Handykamera einfach gegen eine neue aus, statt uns gleich ein neues Gerät zuzulegen.

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