Agenda 11/15

Am 09.03.2015 von Haruki

EU-Studie: Deutschland steht in Sachen Digitalisierung nicht gut da

Eine neue Studie der europäischen Kommission („Digital Economy and Society Index“) zeigt die digitalen Leistung der 28 EU-Länder auf – Deutschland, obwohl stärkste Wirtschaft Europas, erreicht dabei nur Mittelmaß. Ganz oben steht Dänemark, gefolgt von Schweden, Finnland und den Niederlanden. Der Index setzt sich insgesamt aus 30 Indikatoren zusammen.

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Die Länder der EU nach digitaler Leistung: Grün zeigt eine hohe Performance an, blau eine mittlere und gelb eine niedrige.

 

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Quelle: http://bit.ly/1M3Ikug

 

 

Besonders in der Kategorie Online-Services von öffentlichen Einrichtungen schneidet Deutschland im Vergleich besonders schlecht ab, nämlich auf einem beschämenden 19. Platz. Die Frage ist, warum stehen wir als wohlhabendes und technologisch weit entwickeltes Land soweit hinten? Vielleicht liegt die Antwort darin, dass unsere Regierung noch nicht erkannt hat, dass Digitalisierung eine lange Lernkurve voraussetzt. Und man nicht von heute auf morgen, dann, wenn der Bedarf plötzlich so groß sein wird, dass die öffentlichen Einrichtungen gezwungen alle Services auch digital anzubieten, zu implementieren. In Deutschland fehlt die Erkenntnis, dass man schon lange damit hätte anfangen müssen, digitale Services zu implementieren, um sukzessive zu verstehen, was funktioniert und wie. Dazu muss man auch bereit sein, sich schlau machen zu lassen von Experten und Talenten außerhalb der Politik und den Mut haben, Dinge auszuprobieren. Ein Beispiel von dem wir vermutlich viel lernen können ist Estland, das es in dieser Kategorie, von vielen sicherlich unvermutet, auf Platz zwei schafft. Das öffentliche Leben findet hier bereits seit längerem hauptsächlich online statt. Gekommen ist das vor allem aus der Not heraus: Nachdem sich das Land 1990 aus dem Kommunismus befreit hat, musste das Land von vorn anfangen. Junge, visionäre Politiker kamen an die Macht, die sich trauten wirtschaftliche und technologische Experimente zu wagen. Das hat sich gelohnt, wie nicht nur der Digital Economy and Society Index zeigt – Estland wird heute in Sachen Digitalisierung häufig als Paradebeispiel genannt. Klare Visionen und ein konkreter Handlungsdruck sollten auch die Maxime für unsere Netzpolitik sein. Denn sonst werden wir im nächsten Ranking eher nach hinten, als nach vorne rücken.

 

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