Agenda 10/15

Am 03.03.2015 von Haruki

Die verborgenen Qualitäten von Kickstarter und Co.

Die Entstehungsgeschichte der Smartwatch “Pebble”  ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie Crowdfunding helfen kann, eine gute Idee zu einem echten Produkt werden zu lassen. Vor drei Jahren schaffte das junge Unternehmen auf Kickstarter innhalb weniger Stunden das notwendige Kapital von $100.000 zur Finanzierung seines Projekts aufzubringen. Mittlerweile hat “Pebble” den Weg zur Marktreife gefunden, ist in den verschiedensten Ausformungen und Preiskategorien erhältlich und sicherlich als Unternehmen nicht mehr vom guten Willen und der Investionsbereitschaft der technologiebegeisterten Crowdfounding-Community abhängig. Nichts desto trotz bleibt das Unternehmen seiner Linie treu und sammelt bereits fleißig für sein nächstes Modell, die “Pebble Time”. Der amtierende Rekordhalter auf Kickstarter konnte sich mit seinem neuen Projekt noch einmal selbst übertreffen und schaffte in nur 17 Minuten mehr als $500.000 über die Crowd zu akquirieren. Und auch wenn die Finanzspritze für die weitere Entwicklung der Smartwatch sicherlich förderlich ist, liegt Pebble’s erneutes Engagement auf Kickstarter eigentlich woanders begründet.

 

Denn “Pebble” begreift Plattformen wie Kickstarter nicht allein als Möglichkeit, um an zusätzliches Kapital zu kommen, sondern auch als Möglichkeit mit potentiellen Zielgruppen in Kontakt zu treten und neue Produkt an diese zu vermarkten – kurz als zusätzlichen Marketingkanal. Spannende Gedanken, die besonders im Kontext digitaler Produktentwicklung Gültigkeit zu haben scheinen. Denn Produkt und Produktvermarktung lassen sich im digitalen Raum kaum voneinander trennen: Wertschöpfung schaffen digitale Produkte nämlich erst in ihrer Verwendung und durch die Etablierung neuer, erlebnisstiftender oder konvinienter Verwendungsmuster, die Nutzer langfristig an ein digitales Ökosystem binden können. Und hier schaffen Plattformen wie Kickstarter einen Raum, um bereits in einer sehr frühen Phase mit zukünftigen Nutzern in einen Dialog treten zu können. Diese sind nämlich ohne weiteres bereit, sich proaktiv am Entwicklungsprozess zu Beteiligung und eigene Wünsche zu äußern, schließlich wollen sie irgendwann das Produkt in den Händen halten, dass Sie sich gewünscht haben und das in der Lage ist, ihre persönliche Bedarfslage zu beantworten. Tatsächlich ermöglichen Crowdfounding-Plattformen bereits begeisterte Anhänger von Produkte zu Zeitpunkten zu gewinnen, in denen häufig noch überhaupt kein Produkt existiert. Wer sich als Unterstützer eines Projektes beteiligt, der finanziert lediglich erst einmal eine Idee. Nicht mehr und nicht weniger. Wie das fertige Produkt am Ende des Entwicklungszyklus tatsächlich aussehen wird, bleibt unsicher. Und auch wenn nur eine diffuse Vorstellung über das finale Ergebnis herrscht, sind die Unterstützer des Projektes häufig begeisterte Anhänger für die Idee und Multiplikatoren der ersten Stunde. Nicht zu selten werden die Geldgeber auch mit T-Shirts und anderen Werbemitteln gelockt, sodass sie auch nach außen zeigen können, dass sie “dabei” sind.

 

An dieser Stelle unterscheiden sich Crowdfounding-Plattformen wie Kickstarter oder Indiegogo von Crowdinvest-Plattformen wie Companisto. Denn wer sich über Crowd-Investment an Projekten beteiligt, der glaubt zwar auch an das grundsätzliche Marktpotential eines Produkt, begreift sich selbst aber nicht zwangsweise als Zielgruppe. Crowdinvestern geht es vorrangig um die Verzinsung ihres Risikokapitals. Crowdfounding hingegen geschieht aus einer viel stärkeren, intrinsischen und persönlichen Motivation heraus. Den Geldgebern geht es darum, Projekte zu unterstützen, die für sie selbst relevant sind und deren Ergebnisse sie selbst besitzen und erleben wollen.

 

Crowdfunding-Plattformen bieten durchaus das Potenzial, nicht nur die Finanzierung auf die Beine zu stellen, sondern auch die Resonanz- und Marktfähigkeit für neue Produktideen abzufragen und schon in einem sehr frühen Stadium erste Fans zu generieren. Hier wird es Aufgabe der Crowdfunding-Plattformen sein, darauf zu achten, dass die ausgeschriebenen Projekte auch zur Motivation ihrer Nutzer passen. Denn der Crowdfunder will mit den vorgestellten Projekten begeistert werden und das Gefühl haben, an etwas Besonderem Teil zu haben. Worauf er keine Lust hat, ist Teil einer verdeckten Marktforschung zu werden. Ein Überangebot von Projekten wirkt sich negativ auf die Attraktivität des Fundings aus.

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