Agenda 9/15

Am 23.02.2015 von Haruki

Wie innovationsfähig macht “Open Innovation”?

Um die eigene Innovationsfähigkeit langfristig sicherzustellen können, setzten immer mehr Unternehmen auf “Open Innovation”. Hinter dem Begrifft verbirgt sich die Absicht, Innovationsprozesse über die eigenen Unternehmensgrenzen hinaus für neue Zielgruppen zu öffnen. Den Kunden selbst zum Produktentwickler zu machen, wird im “Open Innovation”-Ansatz zum Dogma. Denn niemand kennt den Kunden und seine Wünsche besser als er selbst, so die verbreitete Annahme. Erst kürzlich machte die Süddeutsche-Zeitung mit dem Aufbau einer eigenen Testgruppe von sich Reden. 200 interessierte Nutzer werden eingeladen, sich am Großumbau der Nachrichtenseite zu beteiligen und sie aktiv mit zu gestalten. In monatlichen Feedbackrunden, werden Nutzer zu ihrer Meinung über einzelne, neue Funktionen oder Designideen gefragt. Die Kommunikation erfolgt dabei über WhatsApp. Wie wir finden, eine tolle Idee, denn so werden Kunden in einem ihm vertrauen digitalen Setting abgeholt und gleichzeitig die kommunikative Grenze zwischen ihnen und dem Unternehmen aufgelöst: Mit WhatsApp geschieht Marktforschung im freundschaftlichen Dialog  und dies viel unmittelbarer als früher.

“Open Innovation” ist ein Bekenntnis, dafür, dass man als Unternehmen den eigenen Kunden ernst nimmt. Denn man bietet ihm eine Plattform, die ihm mehr Transparenz, die Möglichkeit zum Dialog und zum Mitentscheiden bereits zu Beginn der Wertschöpfungskette ermöglicht. Doch ist “Open Innovation” nun nur Dienst am Kunden oder hilft der Ansatz tatsächlich, Unternehmen innovatiosfähiger zu machen?

 

Unweigerlich muss man an die Worte von Henry Ford denken: “Hätte ich meine Kunden gefragt, was sie sich wünschen, hätten sie gesagt: ein schnelleres Pferd.” Heute würde es wohl eher heißen ein schnelleres Tablet oder einen stärkeren Staubsauger. Solche Kundenfeedbacks sind verführerisch, konkretisieren sie doch sehr genau, was der Kunde zu brauchen scheint. Faktisch wirken sie aber eher restriktiv, denn wie unsere Erfahrung zeigt, sind die meisten Kunden nur in der Lage, das zu artikulieren, was sie sich auch vorstellen können bzw. was sie aus eigener Erfahrung kennen. Aber Innovation besteht letztlich doch darin, mit den gelernten Konventionen zu brechen und so neue, unbekannte Wertschöpfungpotentiale zu erschließen.

 

Das bedeutet jedoch nicht, dass Aussagen, die Rahmen des “Open Innovation”-Prozessen entstehen, im Kontext von innovativen Produkten oder Services grundsätzlich wertlos sind. Denn in jedem Kundenwunsch manifestieren sich versteckte Sehnsüchte und Ängste. Und diese sind wertvolle Ansatzpunkte aus denen neue Produkten, Services oder Brand Experiences entstehen können.

 

Umso wichtiger ist es deshalb, sich die Frage zu stellen, welchen Kunden man ein Sprachrohr in Innovationsprozessen geben möchte. Macht es etwa für die SZ wirklich Sinn, nur Nutzer aus dem eigenen Leserkreis zu rekrutieren? Dies hängt sicherlich immer von der grundsätzlichen Fragestellung ab. Versucht die SZ nur ihr bestehendes Angebot für die eigene Zielgruppe zu optimieren, dann ist der Ansatz sicherlich der Richtige. Denn die generierte Insights haben für bestehende Kohorte sicherlich hohe Gültigkeit.

 

Ist die eigentliche Zielsetzung jedoch die, das eigene Angebots auszuweiten und für neue Zielgruppen interessanter zu machen, wäre ihre Vorgehen methodisch kritisch zu sehen.

Statt an bestehenden Lesern anzusetzen, müssten sie ihren Innovationsprozess für ganz andere, neue potentielle Leser öffnen. Gerade der Blick aus einer neuen Perspektive auf ein bestehendes Produkt/einen bestehenden Service kann darüber Aufschluss geben, welche Inhalte das bestehende Angebot vermissen lassen. Hier muss man sich zuvor die Frage stellen, aus welchen Quellen man sich Zuwachs erhofft und wo man diese User findet. Auch “Open-Innovation”-Prozesse profitieren von Heterogenität und dem Zulassen multipler Perspektiven. Denn letztendlich sollen Sie Unternehmen helfen, den Blick über den eigenen Tellerrand leisten zu können.

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