Agenda 8/15

Am 16.02.2015 von Haruki

Verhaltensänderung durch Incentivierung – Smart Technology macht’s möglich

Bei vielen Dingen im Leben wissen wir, dass sie gut für uns oder unsere Umwelt sind und dass wir sie deshalb viel öfter und gezielter tun sollten. Meist aus Trägheit tun wir das aber nicht konsequent. Zum Beispiel, sich gesünder zu ernähren, mehr Sport zu treiben, weniger häufig das Auto zu benutzen oder mehr Energie zu sparen. Ab und an erinnern wir uns selbst an solche Dinge, vorzugsweise an Neujahr und machen sie uns zum Vorsatz. Doch wie das so ist mit den guten Vorsätzen – nachdem die erste Euphorie verflogen ist, verfällt man in alte Muster und die Vorsätze sind dahin. Nicht selten schalten Regierung, Unternehmen oder NGOs Kampagnen und fordern die Bürger zu bestimmten Verhaltensweisen auf, die gut für die Gesellschaft sind. Doch die Wirksamkeit solcher Kampagnen hat wohl eine ähnliche Halbwertszeit wie die Neujahrsvorsätze. Die andauernde Motivation fehlt.

Was unsere Verhaltens- und Denkweisen nachhaltig verändern kann sind Apps die mit Incentivierung oder Gamification arbeiten. Das beste Beispiel sind Fitness-, Tracking- und Ernährungsapps bei denen der Nutzer Punkte sammeln kann oder durch das Teilen mit Freunden angespornt wird, besser zu werden. Die Benutzung einer App kann ein Ritual werden und ein bestimmtes Verhalten geht so automatisch irgendwann in Fleisch und Blut über, wird zur Routine.

Ein gutes Beispiel, das ebenso das Potential hat, unser Verhalten dauerhaft zu verändern ist die Plattform Ohmconnect. Der Service hilft dem Nutzer Energie zu sparen und belohnt ihn dafür mit Geld. Das funktioniert folgendermaßen: Der Nutzer meldet sich bei Ohmconnect an und erlaubt den Zugriff auf seinen Stromzähler und, wenn vorhanden, auf die genutzten Smart Home Devices. Ohmconnect überwacht die Auslastungszeiten im Stromnetz und erinnert den Nutzer zu Zeiten von Spitzenauslastungen seinen Energieverbrauch zu reduzieren oder tut dies automatisch durch die Vernetzung zu den Smart Home Geräten. So kann Ohmconnect beispielsweise die Ladung eines Elektroautos zeitweise aussetzen und erst dann fortsetzen, wenn die Stromnachfrage wieder weniger und die Stromkosten somit günstiger sind. Sofern der Nutzer es zulässt, kann durch die automatische Steuerung der Smart Home Geräte so auch der Nachtstromtarif wieder aktiver und auf moderne Art und Weise genutzt werden. Für die Energie die er dadurch spart, d.h. weniger verbraucht als für einen Haushalt in dieser Tageszeit vorausberechnet, bekommt der Nutzer Geld ausbezahlt. Oder es wird alternativ direkt für einen guten Zweck seiner Wahl gespendet. Das Geld kommt vom Stromnetzbetreiber: Für den ist es nämlich günstiger, Nutzer zu Spitzenauslastungszeiten dafür zu bezahlen, weniger Strom zu verbrauchen, als ein zusätzliches Kraftwerk hochzufahren, um den hohen Bedarf zu decken. Deswegen kaufen Stromnetzbetreiber ungenutzte Energie über den Energiemarkt zurück und vermeiden es so, neue Energie ins Stromnetz einspeisen zu müssen. Als Einzelner kann man natürlich niemals genug Energie sparen, um damit Geld zu verdienen, aber Ohmconnect fasst die gesparte Energie vieler Nutzer zusammen und verkauft sie als Bündel zurück. 20 Prozent behält die Plattform dabei selbst ein. Der Einzelne kann so im Jahr 50 bis 130$, zusätzlich zu seinen gesparten Stromkosten, erhalten. Damit wird man nicht reich, aber es ist ein guter Ansporn, zusätzlich zum guten Gewissen, etwas für die Umwelt getan zu haben. Bisher gibt es Ohmconnect nur in Kalifornien, weitere Bundesstaaten in den USA sollen aber bald folgen.

Diese App ist ein tolles Beispiel, was Smart Technology für den Einzelnen, aber auch für Gesellschaft und Umwelt leisten kann, indem es unsere Verhaltensweisen und folglich unser Denken ändert. Es bleibt spannend abzuwarten, für welche Lebensbereiche es bald ähnliche Services geben wird, die uns helfen, unser Handeln ökologisch verträglicher, gesünder und verantwortungsvoller machen.

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