Agenda 7/15

Am 10.02.2015 von Haruki

Amazon zum Anfassen: Der Online-Versandhändler eröffnet seine erste Filiale

Amazon eröffnete vergangene Woche seine erste Filiale als “Pick Up Point” auf dem Campus der Purdue University in Indiana, USA. Zu kaufen gibt es dort erst einmal nichts, denn die Filiale ist lediglich als Service Angebot konzipiert: An 7 Tagen in der Woche können dort Bestellungen abgeholt werden, wahlweise an Selbstbedienungsautomaten oder persönlich am Tresen beim Amazon Mitarbeiter. Eine SMS oder Email informiert auf Wunsch, wann die eigene Bestellung abholbereit ist. Auch Rücksendungen kann man dort hinbringen. Die werden den sogenannten Amazon Lockers übergeben, die bereits an mehreren Orten in den USA installiert wurden und und ähnlich funktionieren, wie die Packstationen der Deutschen Post. Um für ausreichend Traffic in der Testfiliale zu sorgen, erhalten die Studenten der Purdue Universität vorerst Sonderkonditionen für Einkäufe auf Amazon – es wurde sogar ein eigener Bereich auf amazon.com für die Studenten geschaffen. Weitere Kooperationen sind bereits geplant und ganz oben auf der Liste stehen derzeit die University of California und die University of Massachusetts.

 

Das Thema Logistik, verbunden mit der Frage, wie das Produkt zum Kunden kommt, ist für den Handel insgesamt ein großes Thema und viele Online-Händler sind noch immer von Zustelldiensten abhängig, die Online-Einkäufe nicht immer mit der gewünschten Flexibilität und Schnelligkeit ausliefern oder dabei hohe Kosten verursachen. Die Amazon Lockers sollen ebenso wie die neuen Filialen dazu beitragen, die Kosten zu senken und Investitionen in die Lieferkette zu bündeln. Außerdem erschließt sich Amazon mit den neuen Filialen neue Möglichkeiten in der Kundenbindung.

 

Um außerhalb des Uni Campus logistisch unabhängiger zu werden, müsste Amazon seine Lockers zunächst flächendeckend zur Verfügung stellen oder alternative Kooperationspartner wie Kioske akquirieren – ähnlich wie DHL, Hermes und UPS das in Deutschland tun. Branchenkenner bezweifeln, das Amazon diesen Schritt tatsächlich gehen wird. Das Konzept der Lockers oder der Filialen funktioniert nur in Arealen mit extrem hoher Kundendichte und Frequenz – wie zum Beispiel einem Uni Campus. Außerdem kann das Konzept für Länder und Regionen interessant sein, wo viele Menschen keine feste Lieferadresse haben, wie das zum Beispiel in chinesischen Großstädten häufiger der Fall ist.

 

Es bleibt abzuwarten, wie weit sich Amazon künftig in die logistischen Strukturen des stationären Handels hineinwagen wird. Immerhin stehen Amazon auch anorganische Wachstumsmöglichkeiten im Retail offen: Kürzlich erklärte Amazon eigene Pläne, den insolventen US-Elektrohändler RadioShack zu übernehmen, zwar für gescheitert, strategisch werden solche Szenarien aber offensichtlich durchgespielt. Mit seinen Offline-Plänen könnte Amazon künftig neue Zielgruppen und Sortimente erschließen, die häufiger offline gekauft werden. Die Lust des Online-Riesen auf Ausweitung seiner Marktanteile und Marktmacht scheint ungebrochen. Das das auch Kritiker auf den Plan ruft, ist klar: Lesenswert ist in diesem Zusammenhang der Artikel auf t3n vom Juli 2014.

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