Agenda 7/15

Am 10.02.2015 von Haruki

Nestpick: Airbnb findet einen weiteren Nachahmer

Erfolgreiche Geschäftsmodelle, wie das von Airbnb, werden von regionalen Startups gerne kopiert, im besseren Fall werden sie sogar kreativ um- und weitergedacht. So will diese Woche das Niederländische Startup “Nestpick” in acht deutschen Städten starten und hier die von Airbnb bekannten Leistungen anbieten. Später im Jahr sollen auch Österreich, die Schweiz, Skandinavien, Australien und die USA dazukommen.

 

Gemeinsam mit Airbnb, Wimdu und 9flats ist Nestpick bereits die vierte Plattform dieser Art in Deutschland. Die Plattform bietet – genau wie Airbnb – Privatwohnungen und Zimmer für begrenzte Zeiträume an. Der Unterschied zu Airbnb liegt darin, dass die Unterkünfte für mittlere Fristen, mind. aber für einen Monat vermietet werden. Und das hat Auswirkungen auf die anvisierte Verwenderschaft: Zielgruppe von Nestpick sind weniger Touristen als vielmehr Personen, die für einen etwas längeren aber begrenzten Zeitraum in einer Stadt wohnen wollen – um dort für ein Semester zu studieren, zum Beispiel, oder um dort zu arbeiten. Plattformen wie Airbnb und Nestpick werden in letzter Zeit zunehmend dafür verantwortlich gemacht, dem regulären Mietmarkt ohnehin schon begrenzten Wohnraum zu entziehen, weil sich mit befristeten Vermietungen mehr Geld verdienen lässt. Der Markt für befristete Unterbringung ist ein Anbietermarkt. Einzelne Städte reagieren darauf, indem sie den Wohnraum begrenzen, der für diese Art der Vermietung zur Verfügung gestellt werden darf. Und auch der Gesetzgeber mischt in dieser Gemengelage mit: So hat das Landesgericht Berlin kürzlich entschieden hat, dass die fristlose Kündigung eines Mietverhältnisses möglich sei, sollte der Mieter ohne Zustimmung des Vermieters eine Untervermietung über Airbnb oder andere Anbieter anstreben.

 

Beim New Yorker Startup Kitchensurfing wird die Idee vom Couchsurfing kulinarisch weitergedacht und zu “Rent a Chef” umformuliert. Auf Kitchensurfing bieten talentierte Köche privaten Küchenbesitzern ihre Dienste an. Alle Köche, die auf der Plattform zu finden sind, müssen vorher bei Kitchensurfing vorstellig werden und die eigenen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Daraufhin werden sie vom Unternehmen vertagged, das heißt Stilen zugeordnet, für formelle oder informelle Events empfohlen, etc,. Nach persönlicher Rücksprache kommt der Koch zum Kunden nachhause, um dort aus mitgebrachten Zutaten das vereinbarte Menü zu zaubern. Der Abwasch danach ist inklusive. Ähnlich wie bei Airbnb und anderen Sharing Plattformen werden die Köche bewertet und Empfehlungen ausgesprochen. Damit Bewertungen und Empfehlungen noch positiver ausfallen, bietet die Plattform ihren Köchen Schulungen an. Kitchensurfing gibt es in Deutschland bislang nur in Berlin. Hamburg und weitere Städte sollen aber bald folgen. Der Gründer Borahm Cho ist übrigens gebürtiger Hamburger und wurde von Forbes auch schon auf die Liste der 450 wichtigste Nachwuchs-Entrepreneure in der Kategorie Food gesetzt.

 

Die Internetwirtschaft wird nicht müde, trivialisierbare Leistungen und ungleich verteilte Fähigkeiten auf Plattformen zu bündeln, um sie dort convenient und transparent buchbar und bewertbar zu machen. In diesem Kontext wird viel wird kopiert, manches neu erfunden. “Sharing Economy” nennt sich diese Art der Wertschöpfung und meint damit die Befähigung, eigene Assets teilbar zu machen, um darüber Kosten zu teilen, Auslastungen zu optimieren oder eigene Fähigkeiten profitabel vermarktbar zu machen. Clever, denn diese Konzepte skalieren sowohl inhaltlich wie auch geografisch und bleiben in Bezug auf Anschub- und Wachstumsfinanzierung kalkulierbar. Die großen Herausforderungen für solche Geschäftsmodelle sind das Service Design, die Qualitätssicherung und die Organisation von Wachstum. Wir sind uns sicher: der Boom dieser Plattformen wird weitergehen und die Akteuere der “Old Economy” weiter unter Druck setzen.

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