Agenda 6/15

Am 02.02.2015 von Haruki

Green Fashion: Ethische Mode kommt im Mainstream an

Das Angebot an nachhaltiger Mode wächst. Viele Eco- und Fair-Trade-Labels haben sich inzwischen einen Namen gemacht und freuen sich über steigende Absatzzahlen. Gleichzeitig kommen immer mehr neue Labels auf den Markt. Max Gilgenmann, technischer Direktor der Ethical Fashion Show Berlin und des Greenshowroomstellt fest, dass Grüne Mode im Mainstream immer mehr und besser ankommt. Und er hat Zahlen, die seine Einschätzung belegen: Als ein Offsite-Event der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin fand vom 19. bis 21. Januar die Ethical Fashion Show im Postbahnhof Berlin statt und verzeichnete 30% mehr Aussteller als im vergangenen Jahr. Wer bei nachhaltiger Mode an Öko-Chic, Grobstrick und Khaki-Farben denkt, liegt falsch: Dass zeitgemäße grüne Mode heute auch tatsächlich modisch ist, beweisen die Schurwolle-Schals von Fina und die Bauhaus Ästhetik einer Anne Gorke.

 

Eröffnet wurden die Ethical Fashion Show und der Greenshowroom dieses Jahr von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller. Der setzt sich seit Oktober letzten Jahres für ein deutsches Textilbündnis ein, das auf mehr Sicherheit und höhere Löhne für Textilarbeiter in Billiglohnländern drängt. Das Bündnis zum Zweck zunehmender Selbstverpflichtung ist insgesamt umstritten. Auch deshalb, weil sich große Textilunternehmen wie Adidas, Aldi, Hugo Boss und H&M bisher nicht daran beteiligen. An ihrer Stelle tun das etliche kleine Labels und NGOs, die in den meisten Fällen sowieso schon fair und ökologisch produzieren. Im Rahmen der Ethical Fashion Show warb Gerd Müller noch einmal für das Bündnis und zeigte sich optimistisch, dass der Druck wachsen und zunehmend auch große Labels in das Bündnis zwingen werde.

 

Die Themen “Nachhaltigkeit” und “Fairness” in der Modebranche wurde vor kurzem auch durch eine Aktion der norwegischen Zeitung “Aftenposten” in den Fokus gerückt: Die Zeitung schickte drei norwegische Modeblogger nach Kambodscha, in die Textilproduktionshölle. Ein Kamerateam begleitete die drei Modeblogger, während die selbst in einer Textilfabrik arbeiteten und so am eigenen Leib erfuhren wie es ist, mit drei Euro am Tag überleben zu müssen. Daraus entstand die Webdokumentation „Sweatshop – Deadly Fashion“. Alle Folgen sind hier zu finden. Man kann bei so einer Produktion davon ausgehen, dass die Fabriken in denen die Blogger waren, immer noch zu den besseren zählen. Doch die Botschaft zählt und über zu wenig Aufmerksamkeit konnte sich die Aktion nicht beschweren: In den sozialen Medien wurden die Videos in den letzten Wochen umfangreich geteilt und kommentiert. Vielen Fashion-Liebhabern, Modebloggern und deren Lesern wurde sehr emotional vor Augen geführt, unter welch unmenschlichen Bedingungen sogenannte Wegwerfmode entsteht und wie häufig und intensiv in anderen Ländern dafür gelitten – ja sogar gestorben wird.

 

Nachhaltigkeit in der Mode wird mehr und mehr zum Thema – egal ob man das Müllersche Textilbündnis gutheißen und unterstützen will oder nicht.  Und auch wenn solche Aktionen wie die von Aftenposten unser Konsumverhalten nicht schlagartig verändern – es ist ein Anfang, der dazu führt, dass Konsumenten zunehmend sensibler für das Thema werden. Vielleicht steigen die Ethical Fashion Show und der Greenshowroom dann schon bald vom Offsite- zum Site-Event der Mercedes Benz Fashion Week auf. Es wäre beiden Events und all denen, die auf der Schattenseite der Modeindustrie ihr Dasein fristen, zu wünschen.

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