Agenda 6/15

Am 02.02.2015 von Haruki

Messenger-Dienste als Service- und Vertriebskanal: drei unterschiedliche Strategien

Messenger wie WhatsApp, Snapchat und Co. gehören seit der flächendeckenden Verbreitung von Smartphones zu unserem alltäglichen Kommunikationsinventar. Der Austausch über Messenger-Dienste ist meist persönlich, nah und unkompliziert und macht sie zu einer der convenientesten Kommunikationslösungen unserer Zeit. Immer häufiger entdecken auch Unternehmen diesen Kanal für sich und beginnen damit, Geschäftsmodelle um dieses neue Medium herum zu kreieren. Es ist der Versuch, ein bisher kommerziell unerschlossenes aber bereits beim Nutzer etabliertes Nutzungsverhalten für sich zu beanspruchen und so Markenbotschaften und Serviceleistungen zum Bestandteil des Mediums selbst zu machen. Die Kommunikation mit dem Nutzer erfolgt unmittelbar und barrierefrei, denn die Zielgruppe wird in einem ihr vertrauten (digitalen) Umfeld abgeholt und bearbeitet. Als Nutzer wird man von der Notwendigkeit befreit, die eigene “Comfort Zone” zu verlassen und auf Einzellösungen unterschiedlicher App-Anbieter zurückgreifen zu müssen.

Die Art und Weise wie Unternehmen Messenger-Dienste für sich produktiv machen, kann ganz unterschiedlich aussehen. Drei Beispiele möchten wir an dieser Stelle vorstellen:

 

Der Fotodienst Snapchat bietet mit seinem neuen Feature “Discover” Unternehmen die Möglichkeit, selbst Bild-, Video- und Textnachrichten zu senden. Mit dabei sind Mediaproduzenten wie Vice, Comedy Central oder Yahoo News. Organisiert werden präsentierte Inhalte dabei als separate Channels abseits der normalen App. Inhaltlich wollen die Marken v.a. Premium-Inhalte in Form apptypischer Snaps präsentieren. Snapchat präsentiert sich als zusätzliche Vermarktungsplattform für Brands, vermeidet es jedoch in einen direkten Dialog mit dem Nutzer zu treten. Die Kommunikation ist meist werblich, anbietergetrieben und kennt nur eine Richtung.

 

Die japanische Chat-App Line hat sich mittlerweile zu einer Mobile Suite weiterentwickelt. Das Unternehmen integrierte kürzlich einen Taxi-Buchungsservice. Durch die nahtlose Integration wird keine zusätzliche Installation notwendig, um Taxis direkt von der App aus bestellen zu können. Neben der Taxi-Funktion hat Line bereits einen In-App Payment-Service etabliert. Ergänzend sind ein On-Demand Food Lieferservice und ein Musik Streaming-Dienst Teil der App geworden. Die Line App verfügt eine eigene Maps-Anwendung, die dem Unternehmen die Integration von Online- und Offline-Commerce ermöglicht und darüber hinaus auch Social-Commerce Funktionalitäten vorhält. Line ist dabei sein Leistungsportfolio konsequent entlang seiner Kernleistung des Messenger-Dienstes auszubauen, um sich so schrittweise zur mobile Service and Commerce Plattform weiterzuentwickeln.

 

Unser drittes Beispiel Travel Homie ist eine kostenlose, bis jetzt werbefreie App, die ihren Nutzern über WhatsApp Reisetipps zur Verfügung stellt. Die Beratungsleistung wird persönlich erbracht und kommt direkt von einem Travel Homie, meist innerhalb von wenigen Minuten und rund um die Uhr. Gemacht ist die App bisher eher für schnelle Tipps à la „Wo ist das nächste gute Restaurant“ als für eine umfassende Urlaubsplanung. App und Business Model befinden sich noch in der Testphase: Bis dato hat Travel Homie noch kein Geld verdient. Laut Gründer Maximilian Soltner sind für die Zukunft spielsweise Affiliate-Modelle geplant, die im Reisebereich schon sehr üblich seien. Auch wenn Travel Homie bislang noch kein profitables und nachhaltiges Geschäftsmodell für sich identifiziert hat, demonstriert die App trotzdem den Nutzen, den die Inklusion von Messenger-Diensten beinhaltet: Sie ermöglichen einen Dialog zwischen Marke und Kunden auf Augenhöhe. Frei verfügbare, etablierte Interaktionsmuster und Codes werden so Grundlage neuer Wertschöpfungskonzepte für Unternehmen.

Artikel kommentieren

Ähnliche Beiträge