Agenda 5/15

Am 26.01.2015 von Haruki

Die Gestensteuerung will intuitivere Interaktionen ermöglichen

Es ist ein Armband. Und es hört auf den Namen “Myo”. Myo will uns ermöglichen, unterschiedliche elektronische Geräte mithilfe von Gesten zu steuern. Es misst elektrische Impulse, die als Folge von Muskelbewegungen in unserem Arm entstehen und übersetzt sie in Befehle. Wir haben das Armband bereits Mitte des letzten Jahres vorgestellt. Auf der CES 2015 präsentierte das kanadische Unternehmen Thalmic Labs nun die zweite Generation.

 

Das Berliner Startup Senic geht mit seinem neuen Controller “Flow” einen anderen Weg. Der Flow-Controller misst 7cm im Durchmesser und ist 1,5 cm hoch. Irgendwie sieht er aus wie ein Apple-Gerät und zeigt sich auf den ersten Blick ähnlich clever: Ein großer Bedienknopf, der über Gesten und Berührungen gesteuert werden kann. Der Flow nutzt dafür ein integriertes Touchpad und eine Art 360-Grad-Regler und so eigentlich ein Komplentärdevice zur klassischen Computermaus. Er öffnet neue Dimensionen und erlaubt ergänzende Bewegungsmuster, die natürlichen oder erlernten Handbewegungen entsprechen und so eine intuitive Anwendung ermöglichen. Wie das in Realität aussieht, zeigt das entsprechende Präsentationsvideo.

 

Der Flow ist ein Open Source Device. Über 30 Gesten kennt er bereits beim Kauf. Der Nutzer kann das Set an Gesten erweitern, mit individuellen Befehlen verknüpfen und auch eigene Programme für Flow entwerfen. Nach der erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne auf Indiegogo, die Mitte Januar endete, geht Senic jetzt in die Produktion. Alle Bauteile kommen übrigens aus Deutschland. Der Verkauf ist ab Juni geplant. Seine Zielgruppe sind Grafikdesigner, die mit Bildbearbeitung-, Videoschnitt- und 3D-Programmen arbeiten. Wie das Myo-Armband will sich aber auch Senic’s Flow perspektivisch dafür eignen, Smart-Home-Devices zu steuern, vorausgesetzt Software und Betriebssystem werden entsprechend unterstützt.

 

Auch in der Automobilbranche ist die Gestensteuerung ein heißes Thema: Volkswagen hat im Januar auf der CES 2015 den Golf R Touch vorgestellt, dessen Cockpit, abgesehen vom Lenkrad, fast ohne Knöpfe und Schalter auskommt. Der Fahrer soll sein Auto – weitgehend intuitiv – über Handbewegungen und Touchscreens lenken und steuern. Für die Gestenerkennung wurde eine stereoskopische Kamera im Dach des Autos untergebracht. So kann durch eine Wischbewegung das Schiebedach geöffnet oder durch eine zweite Wischbewegung Anrufe abgelehnt werden. Auch die Sitze lassen sich mit entsprechenden Gesten einstellen. Auch im neuen BMW 7er und bei Ford soll die Gesten- und Berührungssteuerung Einzug halten.

 

Gestensteuerung ist ein spannendes und hoch dynamisches Thema. Mit entsprechendem Weitblick haben die Gründer von Senic ihre Vision formuliert: Sie verstehen sich nicht als Controller-Produzent, sondern bezeichnen sich als Unternehmen für “Smart Surfaces”, das die Lücke zwischen digitaler und physischer Welt schließen will. Je intuitiver die Bedienbarkeit von Technologie wird, desto schneller wird die Technologie selbst unsichtbar.

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