Agenda 4/15

Am 20.01.2015 von Haruki

MIT-Studie: Kollektive Intelligenz braucht weibliche Fähigkeiten

Wir kennen die Szene aus Science Fiction Filmen: Setzt man die schlausten Köpfe zusammen in einen Raum und lässt sie gemeinsam an einem Problem arbeiten, werden sie zu einer besseren Lösung finden als sie jeder alleine hätte erzeugen können. “None of us is as smart as all of us”, schrieb der amerikanische Wirtschaftsprofessor Warren Bennis in seinem Buch “Organizing Genius” und brachte es damit auf den Punkt. Ein Blick in unseren Arbeitsalltag bestätigt diese Sicht: Oft staunen wir über das, was Mitarbeiter, Kollegen, Workshopteilnehmer oder an Entwicklungsprozessen beteiligte Konsumenten entwickeln und auf die Beine stellen. Und gleichzeitig überraschen uns andere, nachweislich sehr intelligente Köpfe, die als Bestandteil solcher Gruppen unerwartet in einen Zustand der Ohnmacht und Passivität verfallen. Das wirft die Frage auf: Wie und wann funktionieren Teams? Und wann bzw. warum ist eine Gruppe leistungsfähiger als der Einzelne? Wenn Intelligenz nicht der erfolgskritische Faktor ist, der über die Qualität von (kognitiven) Gruppenleistungen entscheidet, was dann?

 

Dieser Frage ging auch eine Forschergruppe des MIT nach. Was sie herausfand, verblüfft: Die Intelligenzleistung einer Gruppe – sie sprechen von der “collective intelligence” – ist nicht durch die Intelligenz der einzelnen Gruppenmitglieder definiert, sondern wird von einem ganz anderen, weichem Faktor bestimmt, der sogenannten “average social sensivity”. Gemeint ist damit die komplexe Fähigkeit, Gedanken anderer Gruppenmitglieder antizipieren zu können: Nicht nur kognitiv zu begreifen, sondern auch zwischen den Zeilen zu lesen und non-verbale Signale deuten zu können. Zu verstehen was das Gegenüber meint, nicht was es sagt. Eine Fähigkeit, die die Forscher v.a. dem weiblichen Geschlecht zuschreiben: Weibliche Studienteilnehmer schnitten nicht nur im sogenannten “Reading the Mind in the Eyes”-Test deutlich besser ab als männliche Teilnehmer. Die Aufgabe im Test war, komplexe Emotionen wie Freunde oder Scham Bildern von Augen richtig zuzuordnen. Auch bei anschließenden Gruppenaufgaben wie Brainstorming oder Sudoku performten die Gruppen mit höheren Frauenanteil im Schnitt deutlich besser – losgelöst von Intelligenz und kognitiver Leistungsfähigkeit.

 

Diese Ergebnisse stellen bei der Zusammensetzung von Teams neue Regeln auf: Je kniffliger das zu lösende Problem, desto schlauer das Team das daran arbeitet? Diese Vorstellung bleibt in Zukunft wohl den Helden aus Hollywood vorbehalten. Denn Fakt ist, dass Kollaborations- und Vernetzungsfähigkeit in Zukunft noch wichtigere Faktoren sein werden, um die Komplexität zukünftiger Herausforderungen zu meistern. Nehmen wir die Ergebnisse der Studie ernst, lässt sich hoffnungsvoll ein Zukunftsszenario denken, in dem wir nicht mehr auf Frauenquoten angewiesen sind. Es zeigt sich, dass männliche Fähigkeiten wie Durchsetzungsstärke und Wettkampforientierung an Bedeutung verlieren, wohingegen weibliche Kompetenzen, die Zusammenhalt und Gemeinschaft befördern, an Bedeutung gewinnen.

 

Wer sich als Mann nun in seiner wirtschaftlichen Existenzberechtigung beschränkt oder gefährdet fühlt: Natürlich sind diese weiblichen Fähigkeiten nicht allein Frauen vorbehalten. Sie sind erlernbar. Auch für Männer. Wir bei Haruki haben die Weiterentwicklung solcher Fähigkeiten zu einem Bestandteil unseres Beratungsansatzes gemacht, indem wir Unternehmen helfen sich nach innen und außen besser und aktiver zu vernetzten, indem wir Gelegenheiten und Plattformen schaffen, die Stakeholder darin unterstützen, miteinander sprechen und sich gegenseitig zuhören. Nur so werden Perspektiven teilbar und für die kollektive Intelligenz des Unternehmens zugänglich.

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