Agenda 3/15

Am 13.01.2015 von Haruki

Internet-of-Things: In der Maschine-Maschine Interaktion wird der Mensch zur Variable

Und schon ist sie wieder vorbei: Mit Spannung und Neugier haben wir die diesjährige Consumer Electronics Show #CES2015 in Las Vegas verfolgt und immer wieder darüber gestaunt, was technologisch mittlerweile möglich ist. Neben wenig überraschenden Smartphones, Tablets und noch dünneren TV-Geräten hat v.a. ein Zukunftsthema die Messe dominiert: Das Internet-of-Things hält zunehmend Einzug in unseren Alltag und wird die Art und Weise wie wir alle mit Produkten interagieren wird sich maßgeblich verändern.

 

Als sich Google Anfang 2014 entschied, den Haustechnikhersteller “Nest” zu übernehmen, dachten viele: Aha, interessant. Mal sehen was da kommt. Irgendwie schien die Übernahme von WhatsApp oder Instagram durch Facebook offensichtlicher und nachvollziehbarer. Doch der Harvardprofessor Marco Iansiti stellte jüngst in seinem Buch „Digitale Erneuerung“ wie die Zusammenarbeit von Google und Nest neue digitale Geschäftsmodelle etabliert und welche neuen Verwendungsmuster, Mehrwerte und Wertschöpfungen sich daraus ergeben. Nest arbeitetet derzeit an einem Thermostat, der die Temperatursteuerung im Haus digitalisiert und mit unzähligen cloudbasierten Datendiensten verknüpft: So ist Nest in der Lage, sich mit meinem Jawbone Armband zu verbinden und die Temperatur im meiner Wohnung an mein Schlafverhalten anzupassen. Nur ein denkbarer von scheinbar unzähligen Use-Cases dieser neuen Technologie. Was bedeuten solche Möglichkeiten in Zukunft? Das Internet-of-Things will uns das Leben einfacher machen, indem es Services individuell auf uns anpasst: ohne unser aktives Zutun. Automatisch. Und sehr convenient. Das Internet-of-Things macht uns das verlockende Angebot, unser Leben mithilfe von Technologie besser, gesünder, effizienter zu strukturieren und zu organisieren. Der Preis dafür: Die Transparenz unserer persönlichen Daten.

 

So nachvollziehbar die Mehrwerte sind: Irgendwie spüren wir ein “Unbehagen” in dieser neuen Kultur der Automatisierung. Denn was radikal neu für uns ist, ist dass die Interaktion zwischen Maschine und Maschine ohne unser Zutun, im Hintergrund und für uns unsichtbar geschehen. Und die Anschlussfähigkeit der Maschinen scheint unendlich: Warum sollte nur die Energieregelung meines Hauses automatisiert auf meine biometrischen Werte abgestimmt sein? Warum weiß nicht auch unser Kühlschrank, von unseren guten Vorsätzen für’s neue Jahr? Unser Auto, dass wir spät dran sind und trotz Übermüdung 20km Strecke zum ersten Termin vor uns haben – bei regennasser Straße? Es ist schwer, die Sinnhaftigkeit, dieser Datenkombinationen zu bestreiten. Nur spüren wir auch eine Art Kontrollverlust: Vom Nutzer, werden wir eher zu einer Variable in der Maschine-Maschine Interaktion. Das selbstfahrende Auto von Mercedes macht uns vom Autofahrer zum Reisenden. Die Technologie trifft Entscheidungen für uns – und im Zweifel die besseren.

 

Wie also sieht ein entsprechendes Zukunftsszenario aus? Sind wir mit Vollgas auf dem Weg in die Matrix? Eher nicht. Vielmehr wird unser Konsum- und Technologieverhalten sich weiterentwickeln. Mit welchen Themen und Tätigkeiten, Aufgaben und Produkten wir uns in Zukunft noch aktiv auseinandersetzten wollen, obliegt mehr denn je unserer eigenen Entscheidung. Was uns nicht interessiert, was wir als Last empfinden, sourcen wir an die Technologie und ihre Fähigkeit zur Automatisierung aus. Mag die Technologie unsere Energiebilanz verbessern – wir tun gerne was für die Umwelt, wenn es keinen Aufwand oder Verzicht bedeutet. Hier verschafft uns die Technologie in Zukunft neue Spielräume. Unser eigenes Involvement entscheidet darüber, mit welchen Prozessen wir uns bewusst beschäftigen wollen und welche wir aus unserem Bewusstsein verdrängen. Das klingt doch nach einer schönen, neuen Welt, oder?

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