Agenda 3/15

Am 13.01.2015 von Haruki

Media-Saturn stellt das eigene Angebot auf Ebay. Eine Win-Win- und Anti-Showrooming-Maßnahme

Das Problem mit dem Offline-Handel ist bekannt: In den Läden wird geschaut, getestet, angefasst und Beratung eingeholt – online wird gekauft. Showrooming wird dieses Phänomen genannt, oder auch Beratungsklau. Dieses Verhalten nimmt immer mehr zu: Eine Umfrage des Technologieunternehmens intelliAd Media zeigt, dass inzwischen bereits drei Viertel der Deutschen zugeben, sich Produkte im stationären Handel anzusehen die sie dann später online via Desktop-Rechner oder Tablet kaufen. 25 Prozent der zwischen 18- und 34-Jährigen gaben an, sogar direkt während oder nach dem Besuch im Laden die zuvor angesehene Ware per Smartphone online zu bestellen.

 

Diese Zahlen zwingen die Händler zum Umdenken und zum Handeln. Die Unternehmensgruppe Media-Saturn galt lange als Spätzünder im Online- und Multi-Channel-Bereich. Geschäftsführer Pieter Haas verriet im Herbst 2014, dass Media-Saturn bisher nur sieben Prozent seines Umsatzes im Internet macht. Doch nun geht das Unternehmen einen Schritt in die richtige Richtung: Um den Online-Handel voranzutreiben und die Chance zu steigern, sogenannten Showroomer doch noch als Kunden zu gewinnen und nicht an andere Online-Händler zu verlieren, eröffnen Media-Markt und Saturn nun ihre eigenen Webshops bei Ebay. Sie wollen dort ihr komplettes Online-Sortiment anbieten. Laut Media-Saturn wollen sie so zusätzlich mehr als 16 Millionen potentielle deutsche Kunden erreichen und den Online-Umsatz von sieben auf 10 Prozent steigern.

 

Für Ebay könnte der Einstieg von Media-Saturn im Gegenzug ebenso gewinnbringend sein: Bereits seit Jahren versucht Ebay sich als seriöses Online-Kaufhaus zu etablieren und das alte Image der Auktionsplattform aus den Köpfen der Leute zu vertreiben. Partnerschaften mit bekannten Marken wie Media-Markt und Saturn helfen Ebay, dies voranzutreiben.

Eine Frage bleibt jedoch: Ist das die letzte Antwort von Media-Saturn in Bezug auf die Digitalisierung des eigenen Business oder ist es als eine ergänzenden und schnell umzusetzende Maßnahme zu sehen? Denn letztlich muss man sich als Händler doch die Frage stellen, wie man die Showroomer, die ja potenzielle Kunden sind, zu kaufenden Kunden im eigenen Kanal konvertieren kann. Dazu muss man sich fragen, welche Consumer Experience sich diese Kunden wünschen. Denn wenn nur noch der Preis entscheidet, wird es einen Verdrängungswettbewerb geben, bei dem es auf lange Sicht nur Verlierer geben wird.

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