Agenda 2/15

Am 05.01.2015 von Haruki

#31c3 – Eindrücke vom 31. Jahrestreffen des Chaos Computer Clubs in Hamburg

In den Nachwehen der Snowden-Enthüllungen gibt sich der CCC mit dem diesjährigen Motto „A New Dawn“ eine neue Leitmaxime: In Zukunft soll konzentrierter am Thema “Internet-Sicherheit” gearbeitet werden. Zu diesem und weiteren Themen aus den Bereichen Technik, Politik und Gesellschaft gab es beim 31. Jahrestreffen viele interessante Vorträge zu hören. Auch wir waren dieses Jahr wieder dabei und stellen an dieser Stelle drei interessante Talks beispielhaft vor.

 

Mit über 10.000 Besuchern war der vier Tage dauernde Chaos Communication Congress der größte seit er 1984 ins Leben gerufen wurde. Entsprechend stark war das Medienecho und mitverantwortlich dafür der CCC-Hacker Jan Krissler alias “Starbug”, der uns auf  dem Kongress vorführte, wie leicht sich Iris- und Fingerabdruck-Attrappen mithilfe von Fotos erstellen und biometrische Authentifizierungssysteme überlisten lassen. Seine Referenzen hatte Starbug medienwirksam gewählt: Die Augen der Bundeskanzlerin und die Hände der Verteidigungsministerin verliehen dem Thema die gerechtfertigte Brisanz. Den kompletten Vortrag gibt’s hier zu sehen.

 

Doch der Erfolg des Kongresses geht nicht auf “Starbug” allein zurück. Neben seinem gab es noch viele weitere interessante, verblüffende, teils schockierende aber auch sehr amüsante Talks und Workshops an diesen vier Tagen. Wer denkt, beim CCC drehe sich alles um Technologie, Codes und Algorithmen, der liegt falsch. Sehr empfehlenswert war beispielsweise der Vortrag des Sprachwissenschaftlers Martin Haase, der die “Digitale Agenda” der Bundesregierung inhaltlich, textkritisch und linguistisch unter die Lupe nahm. Seine Analyse deckte schonungslos versteckte Interessen der Bundesregierung und anderer Akteure auf, die der ‚Normalleser’ dem Initiativvorschlag kaum zu entlocken vermag.

 

Was uns darüber hinaus im Gedächtnis geblieben ist, ist der Vortrag von David Kriesel mit dem flapsigen Titel „Trau’ keinem Scan, den du nicht selbst gefälscht hast“. Und das nicht nur, weil der Vortrag sehr unterhaltsam war, sondern auch, weil die Story eine schlicht unglaubliche ist: Im August 2013 deckte der Informatiker und Blogger David Kriesel auf, dass mehrere Multifunktionsdrucker des US-Riesen Xerox beim Scannen willkürlich Zahlen und Buchstaben in Dokumenten durch andere ersetzen. So wurden beispielsweise aus Sechsen plötzlich Achten usw.. In seinem Vortrag erzählte David Kriesel nun die ganze Geschichte, von der erstmaligen Entdeckung bis zur Beseitigung des Softwarefehlers. Xerox Geräte werden weltweit in kleinen wie großen Unternehmen, in Behörden, Organisationen, Krankenhäusern etc. eingesetzt. Dass diese dramatische Fehlfunktion über acht Jahre unerkannt blieb, ist nur kaum vorstellbar und der wirtschaftliche Schaden schwer abzuschätzen: Die ein oder andere Philharmonie an der Elbe, der ein oder andere Flughafen in Berlin mag nun jegliche Schuld strikt von sich weisen: Denn vielleicht sind ja nicht Planungsfehler sondern eine veraltete Scansoftware schuld an der Misere! Bei Gelegenheit fragen wir mal in Connecticut nach.

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