Agenda 51/14

Am 16.12.2014 von Haruki

Innovationen aus dem Online-Retail für weniger Weihnachtsstress

Weihnachten, sagt man, sei die schönste Zeit des Jahres. Ganz im Gegensatz zur Vorweihnachtszeit, wie viele von uns zugeben werden: Die ist häufig gleichbedeutend mit gesteigertem Organisations- und Einkaufsstress. Denn häufig entscheiden wir recht spät, was wir unseren Lieben dieses Jahr schenken werden. Dann sind wir bemüht, kurzfristig für jeden das Passende zu finden und darüber hinaus alle Päckchen angemessen hübsch zu verpacken. Was also tun? Einen Beutezug durch die Einkaufszentren unserer Stadt unternehmen?

 

Heute ist das Internet zur ersten Anlaufstelle geworden – auch für kurzfristige Besorgungen: Pinterest und Amazon bringen uns häufig auf die richtige Spur und Amazon die Geschenke bereits verpackt zu uns nachhause. Denn der Online-Retail ist unermüdlich darum bemüht, seine Defizite gegenüber dem physischen Retail mit innovativen Services zu nivellieren und in Mehrwerte zu verwandeln.

 

Beim sogenannten “Curated Shopping” legen Kunden detailreiche Profile an und dürfen sich dann auf eine exklusive Beratung durch Stylisten freuen. Die stellen Outfits zusammen, beraten und schicken die Auswahl unverbindlich nach Hause. Auch Zalando hat das Potential des “Curated Shoppings” entdeckt und möchte ab Frühjahr 2015 “den Service einer Luxus-Boutique” auch online anbieten.

 

Bleibt die Herausforderung, die Geschenke entsprechend zu verpacken. Denn eigentlich genügt der Amazon Standard unseren Ansprüchen nicht. Deshalb hat das neue Start-Up “Shyp” den Hilfeschrei vieler Männer erhört und erweitert seinen Lieferservice in der Weihnachtszeit. Die Beauftragung erfolgt per App: Ich mache ein Foto von einem unverpackten Geschenk, wähle das passende Geschenkpapier in der App aus und verschicke meine Bestellung. Wenig später erscheint ein Paketzusteller an meiner Tür erscheint, um das zu verpackende Geschenk in Empfang zu nehmen. Eine Servicezentrale verpackt das Geschenk und bringt es dem Empfänger. Denkbar einfach. Und hoffentlich auch bald in Deutschland erhältlich. Den Service bezahlt man mit 5 US Dollar plus Versandkosten.

 

Irgendwann ist dann der Morgen des Vierundzwanzigsten gekommen. Und wir haben immer noch nicht alle Geschenke zusammen. In diesem Fall erweist sich Amazon als Retter in der Not, zumindest für alle New Yorker: Hier wird nämlich zur Zeit der neue Service „Prime Now“ getestet. Für einen Auschlag von 5 US Dollar liefert Amazon die Bestellung innerhalb von einer Stunde und somit noch vor der abendlichen Bescherung aus. Der Haken: Durch die eingesetzten Fahrradkuriere ist der Service sowohl auf das Stadtgebiet als auch auf kleinere Artikel beschränkt.

 

Was bedeutet diese Service-Offensive des Online-Handels für den klassischen Retail? Auch er ist aufgefordert, neue wertschöpfende Services zu entwickeln und in den Mittelpunkt der eigenen Vermarktungsbemühungen zu stellen. Die sinnlichen Qualitäten des Einkaufens, die einen unmittelbaren, physischen Produktkontakt erfordern, bleiben bislang dem klassischen Handel vorbehalten. Vielleicht können uns diese Qualitäten wieder dazu verleiten, Weihnachtseinkäufe als sinnliches Erlebnis und weniger als stressige Notwendigkeit zu betrachten. Denn wir wollen uns verführen lassen. Auch dazu, uns Zeit für uns selbst und unsere Lieben zu nehmen. Dann wird der Geschenkekauf wieder zu einem ritualisierbaren Genuss und weniger zu einem Last-Minute Notfall. Convenience ist nicht alles.

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