Agenda 51/14

Am 16.12.2014 von Haruki

e-Ballett: Smarte Ballettschuhe tracken Tanzbewegungen

Die digitale Revolution hat längst auch die Sportwelt erfasst: Die Erinnerung an den Fahrradtacho aus Jugendtagen lässt uns nostalgisch werden, während wir heute unsere läuferischen Fortschritte über Dienste wie Runtastic tracken, mit Fitnessarmbändern unsere Schritte zählen, längst Mitglieder im Nike Training Club sind und unsere Ballfertigkeiten mit dem Adidas Smart Ball verbessern.

 

Eine neue Konzeptstudie versucht nun die Digitalisierung des Balletts. Wie das wohl zusammenpasst: der verklärte Mädchentraum von einer Zukunft als Ballerina und das nüchterne statistische Zahlenwerk unbestechlicher Sensoren? Gar nicht. Deswegen verzichtet das Projekt E-Traces auch auf absolute Werte. Stattdessen werden die Bewegungen der Tänzer in schwungvolle Vektoren übersetzt, die ebenso künstlerisch, elegant und verspielt anmuten, wie der Sport selbst.

 

Die E-Traces Ballettschuhe sind mit Sensoren ausgestattet, die sowohl die Fußbewegungen als auch den Druck zwischen Schuh und Boden registrieren. In der App werden aus den Bewegungsabläufen kalligraphische Pinselstriche, die durch einen schwarzen Raum tänzeln – die „Fußschrift“ des Tänzers quasi. In der visuellen Animation können Tänzer ihre Bewegungsabläufe nachvollziehen, einzelne Momentaufnahmen abspeichern und sogar ausdrucken. Mittels Stärke, Abfolge und Ort der Pinselstriche sollen Tänzer in die Lage versetzt werden, ihren eigenen Tanzstil zu analysieren und mit anderen Tänzern zu vergleichen. Ob E-Traces sich für Balletttänzer tatsächlich zum Leistungstracking eignet und sportliche Relevanz besitzt, vermögen wir nicht zu beurteilen. Bemerkenswert ist allerdings, mit welcher Sensibilität man sich dem Thema Ballett genähert hat. Die kunstvolle und gestaltende Persönlichkeit des Sports wird mit der App konsequent in die digitale Welt übersetzt. Pinselstriche und Farben sind frei wählbar. Aus jedem Tanz wird mit E-Traces immer auch ein kleines, persönliches Kunstwerk.

 

Spannend ist aber auch die technologische Perspektive. Wenn sich mit den Sensoren Bewegungen im Raum darstellen lassen, könnten sie auch für andere laufintensive Sportarten wie zum Beispiel Squash oder Badminton interessant werden. Nämlich, um Spielabläufe aufzuzeichnen, Lauffehler aufzudecken und taktische Spielzüge zu optimieren. Die Digitalisierung des Sports hat viele Gesichter und es bleibt spannend zu beobachten, welche Mehrwerte das Smartphone in Verbindung mit entsprechenden Sensoren zu erzeugen vermag. Ist die analytische Auswertung der eigenen Leistung interessant? Lässt man sich über Sharing-Funktionen oder das Sammeln von Medaillen motivieren? Welche Informationen und Darstellungsformen sind relevant und verständlich? Um diese Fragen zu beantworten, fragen wir die Sportler selbst. Und erhalten überraschende Antworten.

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