Agenda 50/14

Am 08.12.2014 von Haruki

Virale Informationsverbreitung: “Plague” stellt eine neue Methode vor

Es mutet schon fast etwas makaber an, den Namen „Plague“ – englisch für „Pest“ – für eine App zu wählen. Angesichts der noch immer nicht ausgestandenen Ebola-Epidemie wirken Wortspiele mit hoch ansteckenden Krankheiten moralisch fragwürdig. Ein genauer Blick auf die App verdeutlicht aber, wie und warum der Name hier Programm ist.

 

Bei „Plague“ handelt es sich um einen neuen Content-Sharedienst aus Litauen. Das besondere an diesem Dienst: Die geografische Nähe entscheidet darüber, wohin publizierter Content distribuiert wird. Wie bei der Übertragung einer Infektionskrankheit bekommen immer jeweils die Plague-User, die dem Urheber einer Information räumlich am nächsten sind, eine geteilte Information auf ihr Smartphone ausgespielt. Persönliche oder inhaltliche Präferenzen spielen dabei keine Rolle. Über eine einfache Wischbewegung können die Nutzer entscheiden, inwieweit der gerade ausgelieferte Content es wert ist, weiterverteilt zu werden. Attraktiver Content verbreitet sich so schnell und wie ein Virus nach und nach über den gesamten Erdball; unattraktiver Content verschwindet innerhalb kürzester Zeit wieder. Bisher nutzen vor allem lokale Journalisten die App, um darüber zu prüfen, welche Reichweite und damit verbunden welche Relevanz Beiträge mit lokalem Bezug erreichen. Die App bietet dem Urheber einer Information zahlreiche Erkenntnisse darüber, wie weit und wohin der eigene Content gewandert ist.

 

Wir glauben, dass „Plague“ potenziell auch in anderen Vermarktungskontexten Relevanz gewinnen kann – zum Beispiel im physischen Retail. Der könnte mithilfe der App Informationen sammeln, welche potenzielle Reichweite das eigene Ladengeschäft und verschiedene über Plague distribuierte Content- und Service-Angebote haben. Der Erfolg der App wird letztlich davon abhängen, wie schnell sie sich selbst verbreitet, bzw. wie anschlussfähig sie an bestehende Ökosysteme und location based services ist. Die alternative Distributionslogik wird möglicherweise Eingang in andere Applikationen finden.

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