Agenda 47/14

Am 17.11.2014 von Haruki

Wie Facebook und Co versuchen, erlernte Verhaltensmuster im B2B Sektor zu kapitalisieren

Im Durchschnitt verbringen wir täglich 169 Minuten auf Facebook – zu verschiedensten Zwecken: Wir planen Partyabende, organisieren unsere Freizeithallenfußballmannschaft, nutzen den Chat um uns in Bezug auf die Gestaltung der Mittagspause auszutauschen oder partizipieren am Leben und Erleben von Freunden über den Newsfeed. Facebook ist längst zu einem zentralen Hub geworden, wenn es darum geht, unser Privatleben zu organisieren.

 

Mit „Facebook at Work“ unternimmt das soziale Netzwerk nun einen Vorstoß ins Arbeitsleben. Ähnlich wie bei „Google Drive“ soll es möglich sein, gemeinsam an Dokumenten zu arbeiten, Stakeholder aufgabenbezogen zu vernetzen und Projektgruppen zu organisieren bzw. zu managen. Der Clou dabei ist: Die Website gleicht in Bezug auf Front-End Design und Usability dem Original. Jeder, der Facebook zu privaten Zwecken nutzt, wird sich auch in der Variante für die Arbeitswelt sofort zurechtfinden. Gelernt ist gelernt. Und das spart nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Facebook kapitalisiert Verhaltenscodes, die es selbst erfunden hat. Clever, irgendwie.

 

Nun muss man nicht Facebook sein, um eine solche Strategie zu verfolgen. Intuitive Bedienbarkeit ist schon immer ein allgegenwärtiges Postulat, wenn es um Software Design geht. Und wann gelingt es uns, Dinge intuitiv zu bedienen? Wenn sie sich so verhalten, wie wir es von ihnen erwarten. Wenn wir Abläufe in Kontexte transferieren können, die wir anderswo bereits kennengelernt und geübt haben. Diese Erkenntnis ist der Grund dafür, warum es auch die App „Truffls“ in die Geschäftswelt zieht. Die nutzt dieses Prinzip, ohne je einen eigenes Navigationskonzept erschaffen und zum allgemeinen Kulturgut erhoben zu haben. Stattdessen kopiert sie. Und zwar eine erfolgreiche Dating-App mit Namen “Tinder“. Die Tinder-Mechanik des Swipe nach rechts für “gefällt mir” und des Swipe nach links für “gefällt mir nicht” soll künftig die Suche nach dem Traumjob erleichtern und gleichzeitig Unternehmen bei der Vorselektion von Bewerbern unterstützen. Via Linked-In oder Xing, meldet sich der User an und bekommt personalisierte Stellenangebote auf seinem Screen angezeigt. Per einfacher Wischbewegung kann er dann entscheiden, ob die Stelle für ihn interessant ist oder nicht. Zeigt er Interesse, erscheint sein anonymisiertes Kurzprofil beim potentiellen Arbeitgeber. Zeigt auch der ein mögliches Interesse, kommt es zum „Match“. „Truffls“ übernimmt so eine Filterfunktion.

 

Beide, Facebook und Tinder etablieren neue Verwendungsmuster. Wer solche Muster aufgreift, gestaltet die Nutzung seine Applikation barrierefreier und damit einfacher und schneller. Und tatsächlich wirken diese etablierten Codes kulturstiftend. Denn sie beeinflussen über unser Verhalten auch unser Denken und die Art und Weise, wie wir unsere Welt und unseren Alltag strukturerien. Clever. Und ein bisschen gespenstisch.

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