Agenda 46/14

Am 10.11.2014 von Haruki

Shopping On the Go: Der Handel erobert das Smartphone

Blickt man sich abends in der U-Bahn um, ist zumeist mindestens die Hälfte der Fahrgäste gebannt an den Bildschirm des eigenen Smartphones gefesselt. Die einen rufen ihre Emails ab, die anderen informieren sich über das Tagesgeschehen in der Welt und viele nutzen die leere Zeit vermutlich, um mit Freunden zu chatten. Was die wenigsten bisher tun, ist mit ihrem Handy oder ihrem Tablet von unterwegs einzukaufen. Warum eigentlich?

 

Die Shopping-Barrieren im mobile E-commerce (kurz: M-commerce) sind augenscheinlich: Unser Smartphone-Bildschirm ist viel zu klein, um Schnitt, Farbe oder Qualität einer Jeans gut zu beurteilen, das Datenblatt der HiFi-Anlage können wir nur vollständig erfassen, wenn wir umständlich hoch und herunterscrollen, zwischendurch bricht die Internetverbindung ab und erschwert zusätzlich das Stöbern und selbst, wenn wir all diese Hürden meistern, dann müssen wir uns an der virtuellen Kasse noch durch die Eingabemasken der Kaufabwicklung kämpfen.

 

Und trotzdem hat der Handel allen Grund, in den M-commerce und die damit verbundene Optimierung der M-commerce experience zu investieren. Mehr noch: Branchenexperten sehen die strategische Priorisierung des M-commerce sogar als zwingende Notwendigkeit für Händler. Auf der einen Seite werden die aktuellen technologischen Entwicklungen das mobile Shoppingerlebnis in Zukunft potentiell vereinfachen:

Der Trend geht nicht nur zum größeren Bildschirm. Das Handy der Zukunft wird auch die Funktion unseres Geldbeutels übernehmen und uns so von der Eingabe unserer Kreditkartendaten befreien. Generell nimmt die tägliche Nutzungsdauer von Smartphones stetig zu, ob zuhause, im Laden, an der Haltestelle oder parallel zum Fernsehen.

 

Es gibt sie auch schon, die Situationen, in denen wir mobil einkaufen: Wir laden unser Handyguthaben auf, bestellen die Pizza mit der Lieferdienst-App oder bedienen uns gegen kleine Entgelte im App-Store. Die genannten Use Cases gründen entweder auf einer akuten Dringlichkeit oder sie machen mir den Einkauf besonders einfach und direkt verfügbar. Wenn man die Wahl hat, dann greifen wir bisher noch lieber auf das „klassische“ Online Shopping oder den physischen Handel zurück.

 

Die App „Spring“ ist nur eines der Unternehmen, dass Mobile Shopping nun zum Erlebnis machen will. Spring bietet sowohl niedrig- als auch hochpreisige Mode und bedient sich an den Mechaniken von Instagram, Pinterest und Co. So lassen sich Marken im Feed abonnieren, werden mit großen Bildern präsentiert und können mit einem Klick geliked oder gekauft werden. Die Kreditkarte ist über den Account bereits registriert und sollte ein Produkt doch einmal nicht gefallen, so soll auch die Warenrückgabe leicht handzuhaben sein. Nicht zuletzt unterstützt Spring Markenerlebnisse, indem es Marken und Designern erlaubt, ihre Produkte in der eigenen Handschrift zu präsentieren und ihnen eben nicht die identitätsraubende Maske eines Online-Shops auferlegt.

 

Das Beispiel von „Spring“ macht zwei Dinge deutlich: Zum einen lässt es die zukünftige Relevanz von M-commerce erahnen, zum anderen zeigt es, dass mobile als eigener Kanal gedacht werden muss und nicht eine bloße Übersetzung des Online-Shops auf das Smartphone sein kann. Denn als womöglich persönlichstes Medium vermag das Smartphone nicht nur meine Kreditkarte zu speichern, sondern auch meine Größe, meine Marken- und Produktvorlieben, die meiner Freunde und so weiter. Es bietet mir ein auf mich zugeschnittenes Shopping-Erlebnis, trennt für mich die Spreu vom Weizen und inspiriert mich täglich neu. Damit ist es dem E-commerce einen Riesenschritt voraus.

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