Agenda 45/14

Am 03.11.2014 von Haruki

Poynt: Banken unter “Friendly Fire”

Die Meinungen und Ansichten zur Zukunft des Bezahlwesens sind fast ebenso vielfältig wie die Fülle an Lösungen, die gegenwärtig das Licht der Welt erblicken. Vorbei scheinen die Zeiten, in denen Bargeld, Kreditkarte und EC-Karte mehr oder weniger konkurrenzlose Zahlungsalternativen waren. Online-Dienste wie PayPal, All-in-One Lösungen wie Coin, das Google Wallet oder Apple Pay demonstrieren, wie dynamisch sich der Markt für Bezahlmethoden entwickelt. Der Retail beobachtet diese Entwicklung gespannt und gleichzeitig abwartend – mit einem Gefühl wachsender Unsicherheit. Denn derzeit weiß niemand so richtig, wohin die Reise tatsächlich gehen soll. Wann ist der richtige Zeitpunkt aktiv zu werden? Welche Technologien nutzt der Konsument letzten Endes wirklich? Welche Investitionen und Transaktionskosten sind damit verbunden? Welche Unterstützung wird auf Hardware und Software Seite angeboten?

 

Eine mögliche Antwort gab nun kürzlich der ehemalige „Vice President of Wallet & Payments“ von Google mit seinem eigenen Start-Up „Poynt“. Sein Anspruch ist es, eine universelle Lösung für das Bezahlen zur Verfügung zu stellen. Sein Produkt ist ein auf Android basierendes Bezahlterminal: Dieses neue Device soll dem Retail die Unsicherheit nehmen, indem es alle relevanten Bezahlsysteme in sich vereint. Entsprechend kommt das wie ein Tablet anmutende Device dann auch mit zahlreichen Schnittstellen daher, derer es bedarf um Daten aus Magnetstreifen, Kreditkarten mit Chips, NFC, QR-Codes und auch über Bluetooth zu empfangen. Konzipiert ist die Lösung als offenes System – jedenfalls auf Software Seite und somit auch für zukünftige technologische Entwicklungen offen.

 

Statt das Gerät nun direkt an den Handel zu vertreiben, wählt „Poynt“ einen sehr viel clevereren Weg: Banken sollen als Vertriebspartner helfen, der Lösung die notwendige Reichweite und Durchdringung zu verschaffen. Die Kosten liegen in der Betaphase bei $299, sollen später aber bei $499 pro Gerät liegen. Osama Bedier will sich dabei nicht in das laufende Geschäft der Banken einmischen: Er sieht sich als Enabler und verdient an Serviceleistungen, wie der Personalisierung der Software. Und er weiß, dass er die Banken braucht. Und sein Angebot ist zu einem gewissen Grad recht schmeichelhaft. Denn es täuscht darüber hinweg, dass es wieder einmal nicht die Banken sind, die Antworten auf neue Verfassungen und Erwartungen an Transaktionsmöglichkeiten liefern, sondern ein Technologieunternehmen. Tatsächlich ist „Poynt“ aber eher eine Art implizite Kritik am Rollenverständnis und passiven Verhalten der Banken.

 

Historisch betrachtet gehört Wertschöpfung, die aus Transaktion entsteht, den Banken. Doch sie versäumen es noch immer, aus diesem Bewusstsein heraus ihre bestehenden Systeme neu zu denken – aus Kunden- bzw. Konsumentensicht. Wir glauben, dass auch „Poynt“ nicht die letzte Antwort ist auf die Fragen, die die Digitalisierung und Flexibilisierung von Transaktionen stellt. Die Tür für innovative Konzepte steht weit offen. Auch den Banken. Der Zeitpunkt wird kommen, an dem sich das Abwarten nicht mehr lohnt.

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