Agenda 44/14

Am 27.10.2014 von Haruki

Heimliche Helfer: Über die Zukunft des Smart Homes

Dieter Rams gilt als einer der bedeutendsten Industriedesigner des letzten Jahrhunderts. Das zehnte der von ihm formulierten Design-Gesetze lautet: “Good design is as little design as possible”. Wollte man diese Maxime in die digitale Welt übersetzen, würde daraus „Good user experience is as little user interface as possible.“ Das soll heißen: Je selbstständiger Devices und Apps interagieren, je nahtloser sie sich in unseren Alltag integrieren, je unaufwändiger ihre Bedienung wird, desto nützlicher scheinen sie uns.

 

Digitale und analoge Welt verschmelzen miteinander: Devices wie Smartwatches oder das Google Glass sind Beispiele, die zeigen, dass Technologie immer weiter in unseren privaten Raum vordringt. Das Internet der Dinge ist dabei eine Art Betriebssystem das unser Zuhause über Services aufwertet, die heimlich und ohne unser Zutun ihren Dienst verrichten. Sie informieren uns schon heute über den aktuellen Energieverbrauch unserer Wohnung oder über das Ende des Waschgangs. Und diese Entwicklung ist längst nicht abgeschlossen: Bald stellen sich unsere Wohnungen situativ auf unsere Bedürfnisse ein. Ohne unser Zutun wird unsere Wohnung wissen, welchen Raum wir betreten, um Licht, Raumtemperatur und Musik an unsere Vorlieben anzupassen.

 

Ram’s Designprinzip folgend besteht die nächste Herausforderung für Smart Homes darin, das dafür notwendige User Interface weiter zu reduzieren. Während heute noch Devices, wie beispielsweise ein Armband, zu unserer Identifikation notwendig sind, wird uns unser Zuhause uns in wenigen Jahren anhand unseres Herzschlags, unseres Fingerabdrucks oder anderer biometrischer Merkmale erkennen. Der Sensor in der Dusche wird Wassertemperatur und Duschkopf auf unser Profi hin anpassen, während die Kaffeemaschine damit beginnt, unseren Lieblingskaffee zuzubereiten – nicht ohne unseren Koffeinkonsum tracken. Derzeit lösen solche Szenarien noch eine Art Unbehagen und inneren Widerstand aus. Und man würde sie in der Konsequenz für unwahrscheinlich halten, würde die Technologie selbst nicht immer weiter in den Hintergrund rücken. In Zukunft wird unsere Angst vor Abhängigkeit und Kontrollverlust den Annehmlichkeiten und Erleichterungen weichen, die diese heimlichen Helfer uns anbieten: Bildschirme werden als Interface zunehmend verschwinden und Technologie noch unsichtbarer machen. Wir werden uns daran gewöhnen, dass die Dinge in unserer Umgebung dauerhaft mit dem Internet verbunden sind und in unserem Sinne miteinander kommunizieren.

 

Im Smart Home der Zukunft wird es nicht in erster Linie um das Ausüben von Kontrolle und die Maximierung von Effizienz gehen. Stattdessen wird sich unser Zuhause auf uns einstellen und uns das Leben so individuell und angenehm wie möglich gestalten. Es wird über uns wachen und uns zuvorkommend im Alltag unterstützen. Bei der Entwicklung von Smart Home Technologien wird deshalb die Berücksichtigung emotionaler Faktoren zunehmend wichtiger werden.

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