Agenda 43/14

Am 20.10.2014 von Haruki

Zukunftsmusik? Das Pinternet der Dinge.

Pinterest ist noch nicht einmal 5 Jahre alt, spielt aber in den USA mit fast 40 Millionen Nutzern schon in der Liga der ganz Großen mit. Und auch international hat die Aufholjagd zu Twitter, Instagram und Co. längst begonnen. Vor einem Monat haben wir uns bereits mit den neuen Werbemöglichkeiten auf Pinterest beschäftigt, diese Woche fasziniert uns ein Forbes Artikel, der das Marketing-Potenzial der Plattform genauer unter die Lupe nimmt. Der Autor Jeff Bercovici und weitere Marketingexperten prognostizieren Pinterest, dass die Plattform in Bezug auf den Umsatz per Nutzer bald am Wettbewerb vorbeiziehen wird. Was also hat Pinterest, was die anderen nicht haben?

 

Das Geheimnis liegt im Wesen der Plattform: Pinterest ist ein Ort, an dem Nutzer Ideen und Produkte entdecken, ordnen und mit anderen teilen. Jedem Pin wohnt eine Absicht inne, an deren Ende nicht selten eine Konsumentscheidung steht. Von Natur aus ist Pinterest also eng mit dem Thema Konsum verknüpft. Pinterest ist eine Plattform der Sehnsüchte. Mehr noch: Sie hilft uns theoretische Kaufentscheidungen zu treffen, uns mit Dingen zu assoziieren, die in Summe unsere Konsumpersönlichkeit widerspiegeln – und das ohne, dass wir die Kaufentscheidungen schon getroffen haben. Genau darin liegt der Vorteil für Marketeers. Während sich Facebook vorrangig als Ort für Erinnerungen, ergo für die Vergangenheit präsentiert, profiliert sich Twitter über Echtzeitinformationen über das „Jetzt gerade“. Pinterest hingegen befasst sich mit dem noch Unerfüllten, der Zukunft. Und damit der Zeitspanne, die für das Marketing am interessantesten ist.

 

Im Grunde genommen ist Pinterest wie ein Schaufensterbummel an einem Sonntag. Wir sehen uns Dinge an, die uns gefallen. Und da sie nichts kosten, konsumieren wir maßlos. Wir speichern diese Ding im Hinterkopf, für späteren Zeitpunkt – vielleicht für den nächsten Zug durch die Läden, der an einem Werktag stattfindet. Was, wenn Pinterest nun diesen virtuellen Sonntag abschafft und uns mit einem Klick in seine Läden lässt? Dann wird unerfüllten Sehnsüchten von einer Sekunde auf die andere eine Kaufentscheidung. Unsere Verfassung bleibt weiterhin maßlos. Denn wir müssen nicht kaufen. Wir könnten aber, wenn wir wollten. Die Marken dieser Welt werden sich darum reißen, Teil dieser Möglichkeit zu sein. Kleinere Plattformen, wie die Shopping-Plattform Sturbock versuchen sich bereits daran, eine Balance zwischen Produkt-Galerie und kuratiertem Online-Shopping herzustellen. Für Pinterest ist der Pin-and-Buy Button jedoch noch Zukunftsmusik.

 

Für uns hat Pinterest als Schaufenster unserer Sehnsüchte noch einen anderen Mehrwert, einen für den wir uns als Konsumforscher interessieren. Denn Pinterest ist wie ein Bilder-Tagebuch begehrlicher Lebensstile, Vorlieben und Konsummuster. Das Spannendste daran ist, nachzuvollziehen wie Nutzer Pins zu Pinnwänden zusammenfassen, welche Produkte Cluster und Stile prägen, womit sie assoziiert werden und wie sie kombinierbar sind. Es ist eine Art Category Management, das der Nutzer selbst optimiert und das uns in hoher Fallzahl Einblicke in Beziehungen zwischen Produkten, Sehnsüchten und Konsumverfassungen gewährt. Wir sehen weiter staunend zu.

Artikel kommentieren

Ähnliche Beiträge