Agenda 42/14

Am 13.10.2014 von Haruki

Make me a Cyborg!

Hört man das Wort „Wearables“, denkt man spontan an Smartwatches, Fitnesstracker oder Google Glasses.

Devices, die von Nutzern ganz bewusst gebraucht werden, wenn sie der Situation nutzen. So kommt das Fuelband bei der wöchentlichen Joggingrunde zum Einsatz, die Smartwatch bei der Navigation in einer fremden Stadt usw.

 

Wie die New-York-Times berichtet, werden sich Wearables jedoch bald weitaus subtiler in unseren Alltag integrieren. Kleine Chips, die einem Tatoo ähnlich sind, werden direkt auf die Haut geklebt. Für den Träger beinah unmerklich, können sie so über den Tag die eigenen Vitaldaten konsequent monitoren und dies in einer Genauigkeit, die der aktueller Trackingdevices in jeder Beziehung überlegen sein soll.

Anstatt dass wir Wearables weiterhin ganz bewusst kontextbasiert nutzen, werden sie bald stärker die Rolle eines dauerhaften Kontrollgremiums für unseren Gesundheitszustand einnehmen. Der Vorteil dabei: Die kleinen Devices können beinahe jede Aktivität unseres Körpers erkennen – von der Kniebeuge bis zur Nahrungsaufnahme. Vorstellbar, dass uns bald am Ende jedes Tages ein Gesundheitszeugnis ausgestellt wird, zusammen mit einem Ratschlag, wie sich unsere Gesundheit noch verbessern lässt. Wearables repräsentieren so weitaus mehr als nur ein technisches Device, sie sind die Erweiterung unserer eigenen körperlichen Wahrnehmung.

 

Wer denkt, dass die Technologie nur im medizinischen Kontext Anwendung finden wird, der irrt. Schon jetzt experimentieren weitere Branchen mit ihr. In der Kosmetikbranche beispielsweise hat L’Oreal bereits erste „digitale Sticker“ entwickelt, die die Hautfeuchtigkeit bestimmen können und entsprechend die zum Hauttyp passende Hautcreme ausweisen.

 

Mikrochips auf der Haut machen die Vision des Cyborgs, einem Mischwesen aus Mensch und Maschine, real. Es wirft unweigerlich die Frage auf, welche Beziehung perspektivisch zwischen Technologie und dem eigenen Körper herrschen wird. Entwickelt sich der Mensch zu einem hybriden Lebewesen, das versucht, die eigenen körperlichen Grenzen technologisch zu überwinden? Die neuen Wearables machen einen ethischen Diskurs von Nöten, darüber wo die Grenzen der sensorischen Erweiterung unserer eigenen Wahrnehmung zu setzten sind.

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